Momentum frisst Bewertung
Diese Speicheraktie hat trotz 1.000%-Rallye noch 50% Kurspotenzial
Während KI-Modelle explodieren, bleibt Speicher knapp. Genau darauf setzt Bernstein – und hebt Sandisk erneut als Top-Pick hervor.
- Sandisk als Top-Pick: Kursziel auf 580 USD angehoben.
- NAND-Speicher-Nachfrage übersteigt Angebot deutlich.
- Marktanfälligkeit: Zyklische Rückschläge möglich.
- Report: Favoritenwechsel
Nach einer außergewöhnlichen Rallye steht der Speicherhersteller Sandisk weiter im Fokus der Anleger. Seit der Abspaltung von Western Digital vor rund elf Monaten hat sich die Aktie nach Analystenschätzungen etwa verzehnfacht. Allein seit Jahresbeginn 2026 liegt das Plus bei mehr als 60 Prozent.
Trotz dieses Kurslaufs sieht das Analysehaus Bernstein weiteres Potenzial. Analyst Mark Newman hat Sandisk als Top-Pick für 2026 eingestuft und das Kursziel deutlich von 300 auf 580 US-Dollar angehoben. Das entspricht einem Kurspotenzial von rund 50 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Mittwoch. Treiber sei eine zunehmende Knappheit bei sogenannten NAND-Speichern, die zu steigenden Preisen führt.
NAND-Speicher sind Flash-Speicherchips, die vor allem in Rechenzentren, Cloud-Infrastrukturen und modernen Endgeräten eingesetzt werden. Laut Bernstein wächst die Nachfrage deutlich schneller als das Angebot. Newman spricht von einem "beispiellosen Superzyklus für Speicher und Speicherkapazität".
Hintergrund ist der rasante Ausbau von Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz. Größere KI-Modelle benötigen enorme Datenmengen, die nicht nur gespeichert, sondern auch schnell abrufbar sein müssen. Besonders gefragt ist sogenannter Nearline-Speicher – also Daten, die nicht permanent genutzt werden, aber jederzeit kurzfristig verfügbar sein müssen, etwa für KI-Training und Auswertungen.
Zusätzlichen Rückenwind sieht Bernstein durch neue KI-Plattformen wie "Vera Rubin" von Nvidia. Dort spielt sogenannter Key-Value-Cache-Speicher eine zentrale Rolle, der während der Nutzung von KI-Modellen als kurzfristiges Gedächtnis dient und den Speicherbedarf weiter erhöht. Newman spricht in diesem Zusammenhang von "weiterem Treibstoff für die NAND-Nachfrage".
Auch Wettbewerber Seagate Technology profitiert von diesem Trend, gilt laut Bernstein jedoch als weniger volatil. Seagate setzt auf die sogenannte HAMR-Technologie, bei der Datenträger mithilfe von Wärme dichter beschrieben werden können und dadurch mehr Speicherkapazität entsteht.
Gleichzeitig bleibt der Markt anfällig für Rückschläge. Der Speichersektor ist zyklisch: Sollten neue Kapazitäten schneller als erwartet verfügbar werden oder die Nachfrage nachlassen, könnten Preise und Kurse unter Druck geraten. Zudem sorgt die hohe Beteiligung von Privatanlegern für erhöhte Schwankungen.
Ein kurzfristiger Prüfstein steht jedoch bevor: Sandisk legt seine Zahlen für das zweite Quartal am 29. Januar vor. Anleger dürften dabei genau darauf achten, ob sich die Angebotsknappheit weiterhin in steigenden Preisen und Margen widerspiegelt – oder ob erste Entspannungssignale sichtbar werden.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

