Chinas wertvollster KI-Chip
Der geheime Rivale, der Nvidia in China den Rang abläuft
Chinas KI-Chipmarkt boomt – doch während viele Firmen an die Börse gehen, bleibt Huawei die unangefochtene Nummer eins im Verborgenen.
- Chinas KI-Chipmarkt boomt, viele IPOs erfolgreich.
- Huawei bleibt unangefochtene Nummer eins im Verborgenen.
- Produktionsengpässe erschweren kleineren Firmen das Wachstum.
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Chinas Markt für KI-Chips erlebt einen regelrechten Börsenboom, wie CNBC berichtete. Nach erfolgreichen Börsengängen von Firmen wie Moore Threads, MetaX oder Biren Technology fließt das Geld in den Sektor.
Moore Threads etwa, ein Entwickler von Grafikprozessoren, sammelte am 5. Dezember über eine Milliarde US-Dollar ein.
MetaX folgte am 17. Dezember mit fast 600 Millionen US-Dollar.
Trotz dieser Erfolge führen die neu gelisteten Firmen den Wettlauf um eine heimische Nvidia-Alternative nicht an. Analysten nennen stattdessen den Technologieriesen Huawei mit seiner geheimen Chip-Einheit HiSilicon als entscheidenden Akteur. Huawei selbst denkt momentan offenbar nicht an einen IPO. Auf CNBC-Anfragen, ob ein Börsengang geplant sei, wollte das Unternehmen keine Angaben machen.
Vollständig im Vorteil durch den "Stack"
Huawei setzt nicht nur auf einzelne Chips, sondern auf einen umfassenden Technologie-Stack. Wei Sun, leitender Analyst bei Counterpoint, erklärt: "Huawei dürfte auf dem chinesischen Markt für KI-Prozessoren und GPUs weiterhin vor anderen Nvidia-Alternativen liegen. Der Grund dafür ist nicht nur ein einzelner Chip, sondern der Stack. [...] Das ist wichtiger als die Spezifikationen in den Schlagzeilen."
Der Stack umfasst Chip-Design, Datenzentren und Softwareentwicklung. Mit Systemen wie dem "AI CloudMatrix 384", das zahlreiche Ascend-Chips koppelt, konnte Huawei auf einigen Leistungskennzahlen sogar führende Nvidia-Systeme übertreffen. Auch die Softwareplattform CANN soll Nvidias CUDA Konkurrenz machen.
Marktdominanz trotz Produktionsengpässen
Bernstein schätzt, dass Huawei und Nvidia im chinesischen KI-Prozessor-Markt etwa 40 Prozent des Umsatzes teilen. Exportrestriktionen könnten Nvidias Anteil auf acht Prozent drücken, während Huawei bis zu 50 Prozent erreichen könnte. Cambricon folgt mit neun Prozent, kleinere Anbieter wie Hygon oder MetaX bleiben weit dahinter.
Produktionskapazitäten bleiben jedoch ein Engpass. Viele neu börsennotierte chinesische KI-Chip-Firmen, wie Moore Threads, entwerfen zwar ihre Chips, stellen sie aber nicht selbst her. Sie sind auf externe Fertigungsanlagen angewiesen. Nvidia lässt beispielsweise seine Designs von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company fertigen.
Für chinesische Entwickler ist das am nächsten verfügbare Unternehmen die Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC). Paul Triolo von der DGA Group kommentiert: "Die Situation bei SMIC, wo Huawei wahrscheinlich auf Anweisung der Industrieplanungsbehörden Vorrang eingeräumt wird, lässt anderen führenden GPU-Herstellern wie Biren, MetaX, Enflame, Illuvatar, Sophgo und anderen kaum Spielraum." Dies könnte die kleinen Börsenstars vor Herausforderungen stellen, sobald die IPO-Mittel aufgebraucht sind.
Privates Imperium bleibt geschlossen
Trotz der Dominanz auf dem Markt planen Huawei und HiSilicon derzeit keinen Börsengang. Triolo erläutert: "Als börsennotiertes Unternehmen würde Huawei aufgrund seiner breiten Produktpalette und seiner bedeutenden Führungsposition in der Entwicklung von KI-Hardware und -Software großes Interesse bei Investoren wecken".
Analysten zufolge zieht Gründer Ren Zhengfei es vor, die Kontrolle über alle Geschäftsbereiche intern zu behalten, anstatt den Anforderungen von Aktionären zu unterliegen. Paul Triolo von der DGA Group fügte hinzu: "In einer Zeit nach Ren ist es nicht undenkbar, dass das Unternehmen einen Börsengang in Betracht zieht. Bislang gab es jedoch angesichts des Erfolgs von Huaweis Telekommunikations- und Smartphone-Geschäft keine Probleme mit den Einnahmen und der Finanzierung von Forschung und Entwicklung." Ein Vorteil, den kleinere Wettbewerber nicht haben.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
