85 Billionen US-Dollar
Boomer finanzieren die US-Wirtschaft – Gen Z schaut zu
Ed Yardeni sieht die US-Wirtschaft "gen-förmig" geprägt. Rekordvermögen der Babyboomer stabilisieren Konsum und Märkte, während jüngere Generationen finanziell blockiert seien.
- US-Wirtschaft "gen-förmig": Babyboomer stützen Konsum.
- Jüngere Generationen kämpfen mit finanziellen Belastungen.
- Großer Vermögenstransfer könnte in Zukunft erfolgen.
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Der Ökonom und Marktveteran Ed Yardeni hält die oft zitierte These einer "K-förmigen Wirtschaft" für verkürzt. Entscheidend sei weniger eine Spaltung nach Einkommensgruppen als vielmehr die demografische Struktur. In einem aktuellen Kommentar beschreibt Yardeni die US-Wirtschaft als "gen-förmig" – gemeint ist eine Trennung nach Generationen. Während die vermögensstarken Babyboomer den Konsum stützen, stehen jüngere Generationen wie Millennials und Generation Z unter finanziellem Druck und können kaum Vermögen aufbauen.
Hintergrund der K-Theorie ist die Beobachtung, dass wohlhabende Haushalte trotz Inflation weiter konsumieren, während einkommensschwächere Gruppen Ausgaben kürzen. Nach Berechnungen von Moody’s entfielen zuletzt fast 50 Prozent der Konsumausgaben auf die obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher. Notenbankchef Jerome Powell und andere Ökonomen warnten jedoch, dieses Modell sei auf Dauer nicht tragfähig.
Yardeni widerspricht. Entscheidend sei weniger das Einkommen als das Vermögen – und dieses konzentriere sich stark bei den Babyboomern. Die rund 76 Millionen Amerikaner dieser Generation verfügten über ein Nettovermögen von etwa 85,4 Billionen US-Dollar und seien damit die reichste Alterskohorte der Geschichte. Trotz Ruhestand und wegfallender Gehälter könnten sie ihren Konsum aufrechterhalten. "Wir glauben, dass man die Widerstandsfähigkeit der Verbraucher besser versteht, wenn man sich auf das konzentriert, was wir als 'gen-förmige' Wirtschaft bezeichnen", schrieb Yardeni in einem aktuellen Blogbeitrag.
Ganz anders stellt sich die Lage für Millennials und die Generation Z dar. Viele seien erst kurz im Berufsleben, litten unter hoher Jugendarbeitslosigkeit, stagnierenden Einstiegsgehältern sowie steigenden Schulden aus Studien- und Kreditkartenkrediten. Der Rückgang der Ausgaben am unteren Ende werde daher vor allem von jüngeren Haushalten getragen, so Yardeni. Studien von der Bank of America und Pew Research zeigen, dass ein erheblicher Teil der unter 35-Jährigen auf finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen ist und wichtige Lebensziele wie Immobilienkauf oder Vermögensaufbau aufschiebt.
Langfristig dürfte sich dieses Ungleichgewicht jedoch verschieben. Yardeni verweist auf den "großen Vermögenstransfer", der sich über Jahrzehnte erstrecken werde. Bis zu 124 Billionen US-Dollar könnten an jüngere Generationen vererbt werden, der Großteil allerdings erst bis in die 2040er-Jahre. Kurzfristig gebe es daher wenig Anzeichen dafür, dass der Konsum der Babyboomer nachlässt. "Die Babyboomer können unmöglich all das ausgeben, also wird ein Teil davon nach unten fließen", sagte Yardeni.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
