Das Ende der Schutzmauer
Buffett gibt die Kontrolle ab – wird Berkshire jetzt zur Aktivisten-Beute?
Buffetts Nachlass-Plan könnte Berkshires Stimmrechts-Schutz aushebeln. Milliarden-Cash, neuer Chef, alte Tabus: Plötzlich wird aus dem sichersten Konzern ein mögliches Aktivisten-Ziel. Was jetzt droht.
- Buffetts Nachlass-Plan könnte Stimmrechte verwässern.
- Howard Buffett: Kontrolle über Stimmrechte gefährdet.
- Aktivismus-Risiko steigt, Druck auf neuen CEO wächst.
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Buffett schrieb in seinem Giving-Pledge-Brief aus dem Jahr 2010, dass die Erlöse aus 99 Prozent seiner Berkshire-Aktien binnen zehn Jahren nach Abwicklung seines Nachlasses für philanthropische Zwecke genutzt werden sollen. Das würde die Stimmrechtskontrolle, die Berkshire lange vor Druck von außen schützte, schrittweise verwässern.
Buffetts Sohn Howard, der gemeinsam mit seinen Geschwistern die Vermögensverteilung steuert, nennt genau das die Kernfrage. In einem Interview mit CNBC sagte er:
"Die größte Herausforderung wird sein, dass er möchte, dass dieses Geld in etwa 10 Jahren ausgegeben wird, und dann muss man das mit dem Verlust der Kontrolle über die Stimmrechte von Berkshire in Einklang bringen."
Analystin Cathy Seifert von CFRA sieht dadurch steigendes Aktivismus-Risiko und erwartet mehr Druck auf den künftigen CEO Greg Abel, eine klarere Kapitalallokationsstrategie vorzulegen. Im Fokus stehen die wachsenden Barreserven, das Fehlen einer Bardividende und größere Rückkäufe. Rückkäufe könnten den Effekt von Nachlass-Verkäufen zwar dämpfen, weil sie den Streubesitz verringern, sie lösen das Grundproblem aber nicht.
Berkshire schwimmt in Geld
Ende des dritten Quartals lagen die Barmittel und kurzfristigen Anlagen laut CNBC bei 381,6 Milliarden US-Dollar. Buffett hielt Ende 2025 Berkshire-Aktien im Wert von rund 148 Milliarden US-Dollar, vor allem die teuren A-Aktien, die zuletzt 740.750 US-Dollar je Stück kosteten. Berkshire liegt inzwischen bei einer Marktkapitalisierung von über 1 Billion US-Dollar.
Kurzfristig bleibt Aktivismus für viele eine entfernte Sorge, solange Buffett präsent ist. Langfristig könnte sich das ändern, sagt Meyer Shields von Keefe, Bruyette & Woods. "Langfristig … bin ich mir sicher, dass irgendwo jemand auf eine Aufspaltung oder zumindest die Veräußerung/Ausgliederung einiger wichtiger Vermögenswerte drängen wird, um Wert zu schaffen", sagte er.
Buffett selbst hält Berkshire wegen seiner Größe für schwer angreifbar. Auf der Hauptversammlung 2015 sagte er:
"Der Marktwert von Berkshire wird so groß sein, dass selbst wenn sich alle Aktivisten zusammentun würden, sie nicht viel ausrichten könnten."
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
Die Berkshire Hathaway Registered (B) Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,42 % und einem Kurs von 419,3EUR auf Tradegate (19. Januar 2026, 11:08 Uhr) gehandelt.

