Rheinmetall, Thales & Co
Trumps Grönland-Schachzug traden – so handeln Anleger die neue NATO-Angst
Trumps Grönland-Zolldrohung verstärkt den Aufrüstungsdruck in Europa. Bernstein sieht darin eine Chance für ausgewählte Rüstungswerte.
- Trumps Zolldrohung verstärkt Rüstungsdruck in Europa.
- Europäische Rüstungsaktien profitieren von der Krise.
- Verteidigungsausgaben steigen, Fokus auf heimische Anbieter.
- Report: Vorsicht, geheim!
Die Spannungen zwischen den USA und Europa rund um Grönland haben sich am Wochenende dramatisch verschärft und sind sofort auf die Finanzmärkte durchgeschlagen. Auslöser war die Drohung von US-Präsident Donald Trump, neue Zölle gegen acht europäische Länder zu verhängen – darunter Deutschland, Schweden und Dänemark –, weil sie seine Pläne zur Übernahme Grönlands ablehnen. Trump stellte Einfuhrabgaben von zunächst 10 Prozent in Aussicht, die bei ausbleibender Einigung bis Juni auf 25 Prozent steigen könnten. Während breite Marktsegmente nachgaben, stiegen europäische Rüstungsaktien gegen den Trend.
Für Analysten kommt die Entwicklung nicht überraschend. Die Grönland-Krise verstärkt die sicherheitspolitischen Zweifel vieler europäischer Staaten gegenüber der Verlässlichkeit der NATO und verleiht der laufenden Aufrüstungswelle neuen Schub. NATO-Truppen aus mehreren Ländern, darunter Deutschland und Frankreich, sind zu verstärkten Übungen in Grönland eingetroffen. Zugleich beginnen Investoren einzupreisen, dass Europa Verteidigungsprojekte zunehmend unabhängig von US-Lieferketten absichern könnte.
Die Analysten Adrien Rabier und Douglas Harned von Bernstein sehen darin einen strukturellen Wendepunkt – und nennen vier europäische Rüstungsaktien als klare Profiteure: BAE Systems, Rheinmetall, Dassault Aviation und Thales. Hintergrund ist die starke Abhängigkeit Europas von den USA: Noch rund 60 Prozent der europäischen Rüstungsausgaben fließen an US-Unternehmen. Nach Bernsteins Einschätzung wird dieser Anteil sinken, weil europäische Staaten ihre Verteidigungsbudgets steigern und verstärkt auf heimische Anbieter setzen werden. Die Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Länder sollen bis 2030 von heute 2,3 Prozent auf 2,8 Prozent des BIP steigen.
Die vier von Bernstein genannten Unternehmen gehören bereits zu den Top-Performern des Jahres und haben zweistellige Kursgewinne verzeichnet. Auch der europäische Rüstungsindex stieg zweistellig und entwickelt sich deutlich stärker als der Gesamtmarkt.
Dänemark gilt als Beispiel für den erwarteten Trend. Das Land, im Zentrum der Grönland-Auseinandersetzung, hat seine Verteidigungsausgaben in drei Jahren von 1,4 auf 3,2 Prozent des BIP erhöht. Obwohl weiterhin US-Systeme gekauft werden, gingen zuletzt mehrere Großaufträge an europäische Anbieter, darunter Kampffahrzeuge und Luftverteidigungssysteme von BAE Systems, Rheinmetall, Kongsberg und Thales. Bernstein geht davon aus, dass weitere NATO-Staaten diesem Kurs folgen.
Kapitalmarktstrategen sehen Europas Rüstungsindustrie vor einem mehrjährigen Investitionszyklus. Geopolitischer Druck, wachsende Budgets und die Suche nach autonomeren Lieferketten könnten die vier von Bernstein genannten Aktien dauerhaft stützen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Die Novo Nordisk Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -5,58 % und einem Kurs von 50,61EUR auf Tradegate (19. Januar 2026, 16:00 Uhr) gehandelt.

