Cloud-Offensive
Dieser Umbau soll das Netz schlauer – und das Geschäft größer machen
Proximus tauscht zentrale Netzsysteme aus und setzt auf Cloud-Technologie von Nokia. Der Schritt soll neue 5G-Erlöse ermöglichen und Prozesse automatisieren.
- Proximus modernisiert Netz mit Nokias Cloud-Technologie.
- Neue 5G-Dienste und automatisierte Prozesse geplant.
- Betrieb auf eigener Cloud mit Red Hat OpenShift.
- Report: Vorsicht, geheim!
Der belgische Telekomkonzern Proximus hat Nokia ausgewählt, um sein Online-Charging-System und sein Sprachkernnetz zu modernisieren. Dabei steigt das Unternehmen auf cloud-native Lösungen um, die die Automatisierung erhöhen und neue Geschäftsmodelle unterstützen sollen. Im Rahmen der Vereinbarung migriert Proximus seine komplette Kundenbasis aus Festnetz und Mobilfunk sowie mehr als 1.000 Produkte auf Nokias Lösung "Nokia Converged Charging" und ersetzt damit vollständig das bisherige Charging-System eines Wettbewerbers.
Aus Sicht von Nokia schafft der Technologiewechsel die Grundlage für stärker automatisierte Netze. Cloud-native Lösungen lieferten "die Modularität, Automatisierung und Intelligenz, die erforderlich sind, um Netzwerke zunehmend selbstverwaltend, selbstoptimierend und selbstheilend zu machen", sagt Kal De, Senior Vice President Produkt und Technik bei Nokia. Durch die Modernisierung sei Proximus besser aufgestellt, "um innovative Dienstleistungen sicher bereitzustellen und neue Einnahmequellen aus aufkommenden Anwendungsfällen zu erschließen", die sich auf Anwendungsfelder wie Internet der Dinge, Inhalte, Gaming und Werbung erstreckten.
Ausbau des Sprachkernnetzes und der Steuerungssysteme
Parallel zum Austausch des Abrechnungssystems führt Proximus weitere cloud-native Netzfunktionen von Nokia ein, darunter das Voice Core, Lösungen für das Management von Teilnehmerdaten sowie Policy-Systeme zur Steuerung des Datenverkehrs. Diese Komponenten sollen die Netzwerkautomatisierung verbessern und eine flexible Skalierung ermöglichen, wenn sich Nachfrage und Nutzungsmuster verändern.
Zugleich sollen die Upgrades Proximus dabei helfen, seine Netze schrittweise in Richtung stärker autonomer Betriebsmodelle weiterzuentwickeln und neue 5G-Dienste zu monetarisieren. Damit verbindet der Konzern den technologischen Umbau direkt mit der Einführung zusätzlicher digitaler Erlösmodelle.
Betrieb auf eigener Cloud-Infrastruktur
Alle neuen Systeme werden auf der eigenen Cloud von Proximus betrieben. Zum Einsatz kommt Red Hat OpenShift als hybride Cloud-Anwendungsplattform auf Basis von Kubernetes, wodurch sich cloud-native Anwendungen in einer standardisierten Umgebung betreiben lassen, ohne die Kontrolle über geschäftskritische Netzfunktionen aus der Hand zu geben.
Langjährige Partnerschaft als Basis
Auch Proximus betont die Kontinuität der Zusammenarbeit. Nokia sei "ein langjähriger wichtiger Lieferant und vertrauenswürdiger Partner, der stets hochwertige Lösungen für verschiedene Bereiche liefert", sagt Laurent Claus, Leiter für Kern- und Kommunikationslösungen bei Proximus. Neben der Erfahrung bei sicherer Migration und Netzintegration erhalte Proximus "maßgeschneiderte Lösungen, die unseren Bedürfnissen entsprechen", so Claus weiter. Beide Unternehmen wollten nun gemeinsam "die nächste Phase der digitalen Transformation von Proximus zu beschleunigen".
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

