US-Dollar verliert
Märkte sehen die USA als Verlierer der Grönland-Konfrontation
Der US-Dollar ist so stark eingebrochen wie seit 9 Monaten nicht mehr, nachdem US-Präsident Trump die Drohungen zur Annektierung Grönlands verstärkt hat. Die Märkte sehen zunehmend die USA als Verlierer der Konfrontation
- US-Dollar fällt auf tiefsten Stand seit zwei Wochen.
- Trumps aggressive Außenpolitik verunsichert Märkte.
- Investoren schichten von Dollar auf Euro und Franken um.
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Die geopolitischen Spannungen rund um Grönland und die unberechenbare Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump haben begonnen, ihren Tribut von der globalen Reservewährung zu fordern. Der US-Dollar ist am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit zwei Wochen gefallen, während die Märkte zunehmend besorgt auf die Auswirkungen der Drohungen reagieren.
Der US-Dollar-Index, der die Entwicklung des Greenback gegenüber den sechs wichtigsten Weltwährungen widerspiegelt, sackte am Dienstag um ein Prozent ab und verzeichnete damit die schwächste Performance seit April 2025, als Trump die Märkte mit Zollankündigungen und Angriffen auf die Fed-Unabhängigkeit geschockt hatte. Europäische Währungen, allen voran der Euro und der Schweizer Franken, haben davon profitiert und legten zum Teil deutlich zu. Trump hatte kürzlich angekündigt, Zölle auf europäische Länder zu erheben, die sich gegen seine Pläne zur Annektierung von Grönland stellen. Dies hat zu erhöhter Volatilität auf den Devisenmärkten geführt. Analysten zeigen sich besorgt über die zunehmende Unberechenbarkeit der US-Politik, die das Vertrauen in den US-Dollar untergrabe.
Kamakshya Trivedi, leitender Devisenstratege bei Goldman Sachs, erklärte, dass in einem Umfeld, in dem US-Politik zunehmend disruptiv erscheine, die Nachfrage nach US-Vermögenswerten sinke und der Greenback folglich abwerten würde. Tatsächlich haben sich zuletzt immer mehr Vermögensverwalter aus amerikanischen Assets zurückgezogen, angefangen vom dänischen Pensionsfonds bis hin zu Pimco, der US-Fondstochter der Allianz. Aber auch Unternehmen fahren ihre Direktinvestitionen in den USA zurück. Im vergangenen Jahr haben deutsche Konzerne ihr US-Engagement um beeindruckende 45 Prozent zurückgefahren, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.
Neben den Zöllen auf europäische Länder, die sich gegen Trumps Grönlandpläne stellen, hat der Präsident auch die Möglichkeit angedeutet, Zölle von bis zu 200 Prozent auf französischen Wein und Champagner zu erheben, nachdem Frankreich sich gegen seine jüngsten Initiativen ausgesprochen hatte. Diese zunehmende Aggression in der Handelspolitik hat bei den internationalen Investoren Besorgnis ausgelöst.
Die Märkte zeigen deutlich, dass der US-Dollar nun mit einem höheren politischen Risikoaufschlag gehandelt wird. Diese Entwicklung wird von Deutsche-Bank-Analysten bestätigt, die darauf hinweisen, dass die jüngsten politischen Spannungen den Dollar destabilisieren und zu einem "Sell-America"-Handel führen könnten. Die wiederkehrenden Drohungen und erratischen politischen Maßnahmen der USA verstärken die Besorgnis über die langfristige Stabilität des US-Dollars.
Das Interesse an sicheren Anlagen wie dem Schweizer Franken ist gestiegen, während Investoren zunehmend Dollar-Positionen reduzieren und auf europäische Währungen umschichten. George Saravelos von Deutsche Bank merkt an, dass die geopolitischen Risiken rund um Grönland und die US-Nettoverpflichtungen im Ausland eine Schwäche des Dollars begünstigen könnten. In einer Zeit, in der sich die Frage nach einer "Ent-Dollarisierung" wieder aufdrängt, wächst das Risiko einer weiteren Schwächung der US-Währung.
Besondere Aufmerksamkeit erhalten die potenziellen Maßnahmen Europas, um auf die wachsende US-Bedrohung zu reagieren. Einige Analysten spekulieren, dass die EU ihr "Anti-Coercion-Instrument“ aktivieren könnte, um Maßnahmen wie Zölle oder Handelsbeschränkungen gegen die USA zu verhängen. Auch Kapitalmarkt-Sanktionen oder die Einfrierung von US-Vermögenswerten wären denkbar, um den USA einen finanziellen Schaden zuzufügen und damit die politisch motivierten Maßnahmen zu bekämpfen. Eine solche Eskalation könnte die Märkte noch stärker destabilisieren und den US-Dollar als Anlagemedium weiter entwerten.
Der US-Dollar, einst als globaler sicherer Hafen angesehen, verliert zunehmend seine Position als unangefochtener "Anker" der Weltwirtschaft. Trumps aggressive Außenpolitik, die Bedrohung von Handelskriegen und die politische Unsicherheit in den USA machen die US-Währung immer weniger attraktiv für internationale Investoren. Angesichts dieser geopolitischen Risiken müssen die Märkte die langfristige Bedeutung des US-Dollars nun neu bewerten. Ob der Greenback seinen Status als dominierende Reservewährung beibehalten kann, bleibt fraglich.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


