Trumps Wirtschafts-Bilanz
Zölle, Fed, Crash, Chaos: So stehen die USA nach einem Jahr Trump da
Vor genau einem Jahr begann die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Und seither ist kaum ein Tag vergangen, an dem er nicht die Schlagzeilen beherrschte. Wie fällt das Fazit nach 1 Jahr aus.
- Trumps Amtszeit geprägt von protektionistischen Zöllen.
- Hohe Inflation und sinkende Reallöhne belasten Verbraucher.
- Konflikt mit Fed und schwacher Arbeitsmarkt enttäuschen.
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Am 20. Januar 2025 hatte Trump seine zweiten Amtszeit angetreten. Im Zentrum seiner wirtschaftspolitischer Agenda standen protektionistische Zölle, die vor allem heimische Produktion fördern und Handelsdefizite eindämmen sollten – doch die Realität ist komplizierter. Die umfassenden Zollerhöhungen haben zwar fiskalische Einnahmen generiert, gleichzeitig aber auch spürbare Nebenwirkungen auf Preise und Arbeitsmarkt verursacht.
Trump setzte seit Frühjahr 2025 Zölle auf eine Vielzahl von Importen und brachte die durchschnittlichen effektiven Zollsätze auf das höchste Niveau seit Jahrzehnten. Mit seinem Liberation Day zettelte er im April einen globalen Handelskrieg an und löste damit einen heftigen Crash an den Finanzmärkten aus.
Laut Experten stieg der effektive Zollsatz auf rund 18 Prozent, was in vielen Branchen zu verteuerten Vorprodukten und Konsumgütern führte. Verbraucher spüren das: Ein Teil der zusätzlichen Zollkosten wurde auf Endpreise umgelegt, was zu einem höheren Inflationsdruck beiträgt.
Offizielle Daten zeigen, dass die Inflationsrate am Ende des Jahres 2025 stabil bei etwa 2,7 Prozent lag – etwas besser als in manchen Prognosen erwartet, aber weiterhin spürbar über dem langfristigen Zielwert. Besonders teuer bleiben Mieten, Gesundheitskosten und Lebensmittel. Reale Löhne sanken, da die Inflation die Einkommenszuwächse überstieg.
Mit besonderem Argwohn beobachten viele Marktteilnehmer den offenen Konflikt zwischen Trump und der US-Notenbank. Trump wirft Fed-Chef Jerome Powell vor, durch zu hohe Zinsen das Wirtschaftswachstum zu bremsen und die Finanzierung der hohen Staatsschulden zu erschweren. Das US-Justizministerium hat Ermittlungen gegen Powell eingeleitet. Vorwand sind vermeintliche Unregelmäßigkeiten und Kostenüberschreitungen bei der Renovierung des Fed-Hauptquartiers. Powell bezeichnete dies in einer Videobotschaft öffentlich als "politisch motivierten Angriff", um die Unabhängigkeit der Notenbank zu untergraben.
Auch der Arbeitsmarkt präsentiert sich enttäuschend für Trump‑Anhänger. Die Zuwächse bei den Beschäftigtenzahlen bleiben moderat, und die Industrie schafft kaum neue Jobs. Manche Branchen – etwa Fertigung und Technologie – berichteten sogar über Nettoverluste, während insbesondere der Gesundheitssektor für die meisten neuen Arbeitsplätze verantwortlich war. Diese Entwicklung steht im Widerspruch zu Trumps Versprechen eines "Made in America"-Booms.
Hinzu kommt eine spürbare Unsicherheit im internationalen Handel: Deutsche Exporte in die USA sind deutlich zurückgegangen, und Investitionen aus Deutschland haben im Vergleich zum Vorjahr erheblich abgenommen. Experten führen dies auf die protektionistischen Maßnahmen und die daraus resultierende Unvorhersehbarkeit der Handelspolitik zurück. Zudem zeigte eine Studie, dass rund 96 Prozent der Zolllast letztlich von amerikanischen Käufern getragen werden – entgegen der Darstellung, die Kosten träfen ausländische Produzenten.
Insgesamt zeigt sich: Trumps Wirtschaftskurs hat zwar Markteinnahmen und kurzfristige fiskalische Effekte gebracht, gleichzeitig aber Belastungen für Verbraucher, Unternehmen und internationale Partner erzeugt. Viele Ökonomen mahnen, dass die langfristigen Kosten höher sein könnten als die kurzfristigen Vorteile – ein Thema, das die Diskussionen rund um die amerikanische Wirtschaftspolitik auch in 2026 prägen dürfte.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

