Angebotswelle beginnt
Große Wende bei Flüssigerdgas 2026: Das bedeutet es für Europa
LNG-Welle 2026: Laut Analysten steigt die Produktion von Flüssigerdgas weltweit. Die Preise sinken, während die Nachfrage aus Schwellenländern anzieht.
- LNG-Produktion steigt 2026, Preise sinken weltweit.
- Nachfrage aus China und Indien kurbelt Import an.
- Europa wird Hauptabnehmer neuer LNG-Angebote.
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Die weltweite Produktion von Flüssigerdgas (LNG) dürfte in diesem Jahr sprunghaft ansteigen. Wie Analysten berichten, dürften die seit dem Ukraine-Krieg 2022 bestehenden Einschränkungen verringert und die Preise gedämpft werden, was die Nachfrage bei den wichtigsten Importeueren China und Indien ankurbeln könnte.
Analysten zufolge markiert das Jahr 2026 den Beginn einer großen Angebotswelle, die bis 2029 anhalten und die Preise drücken wird, was wiederum die Nachfrage aus Schwellenländern ankurbeln könnte. Kpler sagte dazu: "2026 dürfte ein Übergangsjahr für den LNG-Markt sein. Es wird erwartet, dass sich der Markt von einer Knappheit hin zu einer reichlichen Verfügbarkeit entwickelt, mit ausreichendem Angebot auch dann, wenn im Winter Nachfrage und Speicherbedarf entstehen, insbesondere in Europa."
Schätzungen von S&P Global Energy, Kpler und Rystad Energy gehen davon aus, dass in diesem Jahr mindestens 35 Millionen Tonnen neuer Kapazität ans Netz gehen werden, vorwiegend aus den USA und Katar. Dies könnte die weltweiten LNG-Lieferungen im Jahresvergleich um bis zu 10 Prozent steigern. Die Prognosen von Kpler, Rystad, ICIS und Rabobank für das Jahr 2026 liegen zwischen 460 Millionen und 484 Millionen Tonnen.
Projekte wie Golden Pass LNG an der US-Golfküste und die Erweiterung des North Field in Katar werden voraussichtlich erhebliche Mengen beitragen, während die Produktion von Corpus Christi und Plaquemines LNG in den USA, LNG Canada und den Projekten Greater Tortue Ahmeyim vor der Küste Senegals und Mauretaniens gesteigert werden soll.
Das zusätzliche Angebot wird die Weltmarktpreise unter Druck setzen. Analysten von Rabbobank, Rystad und Kpler prognostizieren für 2026 einen Durchschnittspreis für asiatisches Spot-LNG zwischen 9,50 und 9,90 US-Dollar pro Million British Thermal Units (mmBtu), gegenüber einem Durchschnittspreis von 12,45 US-Dollar im Jahr 2025. Rystad und Kpler prognostizierten für dieses Jahr einen durchschnittlichen Gaspreis an der Title Transfer Facility in den Niederlanden, dem europäischen Referenzwert, von 9,50 bis 9,74 US-Dollar pro mmBtu, gegenüber einem Durchschnitt von 14,20 US-Dollar im Jahr 2025.
Da die LNG-Preise in Asien und die Gaspreise in Europa nachlassen, werden sich die Preisdifferenzen zum US-Referenzpreis Henry Hub verringern, was die Exportmargen für US-LNG in einer Zeit, in der die Kosten für Rohgas steigen, unter Druck setzen wird, sagten Analysten von Vortexa, Rabobank und S&P Global Energy.
Laut einer Reihe von Prognosen von Rystad, Kpler und S&P Global Energy wird sich die LNG-Nachfrage in Asien, die 2025 aufgrund der Preissensibilität und der Konkurrenz durch alternative Kraftstoffe zurückging, in diesem Jahr voraussichtlich um 4 bis 7 Prozent erholen, angeführt von China und Indien, da niedrigere Preise zusätzliche Spotkäufe, Kraftstoffwechsel und Lagerhaltung anregen.
Neue Verträge werden die steigenden Importe zusätzlich verstärken. Die chinesische Nachfrage dürfte um 6 bis 7 Millionen Tonnen und die indische Nachfrage um 5 Millionen Tonnen steigen, sagte Kpler-Analyst Nelson Xiong. Er ergänzte: "Ein Großteil der neu vertraglich vereinbarten Liefermenge dürfte im Inland aufgenommen werden."
Chinas Importe sind 2025 aufgrund schwacher Industrienachfrage, US-Zöllen und einer starken inländischen und per Pipeline verfügbaren Gasversorgung deutlich zurückgegangen. Die Nachfrage dürfte in diesem Jahr zwar steigen, aber dennoch unter dem Niveau von 2024 liegen, so Ole Dramdal, Analyst bei Rystad Energy. Er prognostiziert Importe von 76,5 Millionen Tonnen in diesem Jahr, ein Plus von 12 Prozent gegenüber 2025, da Peking der heimischen Produktion Priorität einräumt. Allerdings dürfte ein erheblicher Überschuss des vertraglich vereinbarten Volumens Chinas auf den Markt kommen, da die langfristigen LNG-Verträge des Landes voraussichtlich über 80 Millionen Tonnen pro Jahr liegen werden, fügte Dramdal hinzu.
Die Türkei, Malaysia und Taiwan werden im Jahr 2026 zusammen einen Anstieg ihrer Importe um 6,2 Millionen Tonnen verzeichnen. Europa wurde zum Motor der globalen LNG-Nachfrage, nachdem es die russischen Lieferungen infolge des umfassenden Einmarsches Moskaus in die Ukraine reduziert hatte. Kpler prognostiziert für Europa bis 2026 einen Anstieg der LNG-Importe um 22 Millionen Tonnen, Rystad geht von einem Zuwachs von 20 Millionen Tonnen aus und Energy Aspects und ICIS erwarten Zuwächse von rund 13 Millionen Tonnen.
Gründe hierfür sind der höhere Bedarf an Speichereinspeisung nach den geringeren Lagerbeständen zum Ende des Winters, der gestiegene Inlandsverbrauch von Gas bei gleichzeitig niedrigeren durchschnittlichen TTF-Preisen, die wachsende türkische Nachfrage sowie die Rolle der Türkei als Ausgleichsmarkt für das steigende Angebot im Atlantikraum.
Dramdal von Rystad sagte dazu: "Europa ist darauf vorbereitet, einen großen Teil des neuen LNG-Angebots aufzunehmen und weist die stärkste kurzfristige Zusatznachfrage auf." Europa wird in diesem Jahr mit dem schrittweisen Ausstieg aus russischen Pipelinegas- und LNG-Lieferungen beginnen. Analysten gehen davon aus, dass die LNG-Ladungen aus dem Yamal-Projekt alternative Bestimmungsorte wie die Türkei und Ägypten finden werden, während Europa die verdrängten Mengen durch Lieferungen aus dem Atlantikbecken ausgleicht.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

