Märkte bluten erneut
Sell America: Trump triggert brutalsten Sell-off an der Wall Street seit Oktober
Die Eskalation um Grönland hat einen globalen Risk-Off-Schock ausgelöst: Investoren meiden US-Vermögenswerte, Renditen steigen, Aktien fallen. Experten warnen: Das Vertrauen könnte nachhaltigen Schaden nehmen.
- Eskalation um Grönland löst globalen Risk-Off-Schock aus.
- US-Aktien fallen, Renditen steigen, Anleger fliehen in Gold.
- Geopolitische Spannungen könnten US-Vermögenswerte belasten.
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Die Ruhe an den Finanzmärkten ist vorbei. Eine neue Eskalationsstufe im Konflikt um Grönland hat am Dienstag weltweit Schockwellen ausgelöst und Aktien, Anleihen und Währungen gleichzeitig durchgeschüttelt. Auslöser war Präsident Donald Trumps erneuter Vorstoß, das autonome dänische Territorium zu übernehmen – verbunden mit der Drohung, ab dem 1. Februar Zölle von 10 Prozent auf Waren aus acht europäischen NATO-Ländern zu erheben und diese bis Juni auf 25 Prozent zu erhöhen. Die EU reagierte empört, Dänemarks Regierung stellte klar, dass Grönlands Souveränität "nicht verhandelbar" sei.
Die Märkte reagierten am Dienstag mit dem heftigsten Abverkauf seit Oktober, nachdem am Montag der US-Handel aufgrund des Martin Luther King Feiertages nicht geöffnet waren. Der S&P 500 fiel um mehr als zwei Prozent, der Nasdaq sogar um 2,4 Prozent, der Dow Jones verlor 870 Punkte – die schwächste Tagesperformance seit dem 10. Oktober. Der US-Dollar gab gegenüber fast allen wichtigen Währungen nach, während sich die Renditen langfristiger US-Anleihen bis auf fünf Prozent nach oben bewegten. Der VIX schoss auf den höchsten Stand seit November, und auch ein JPMorgan-Index zur Messung der Währungsvolatilität erreichte ein Mehrmonatshoch. Gold markierte ein Rekordniveau, da Anleger in sichere Häfen flohen.
Hedgefonds und institutionelle Investoren warnten, dass Trumps Vorgehen ein "Tail-Risk" aktiviert habe: die Gefahr, dass ausländische Investoren US-Assets abstoßen. Schon im April war genau dieses Szenario eingetreten, als Trump umfassende Zölle androhte und die US-Märkte in eine abrupte Korrektur rutschten. Die Sorge dahinter bleibt dieselbe: Wenn geopolitische Spannungen eskalieren, könnten internationale Käufer plötzlich ihre Rolle als Stütze der US-Finanzierung überdenken.
Dieses Risiko wurde am Dienstag sichtbar. Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension kündigte an, seine rund 100 Millionen US-Dollar in US-Staatsanleihen vollständig zu verkaufen – aus Sorge vor steigenden Kreditrisiken. Ökonomen verweisen darauf, dass Europa insgesamt US-Vermögenswerte im Wert von rund acht Billionen US-Dollar hält und damit theoretisch erheblichen Druck ausüben könnte. UBS-Chef Sergio Ermotti dämpfte jedoch Erwartungen und sagte, eine breite Abkehr von US-Anlagen sei "praktisch unmöglich".
Parallel dazu kam ein zweiter Schock aus Japan: Ein starker Ausverkauf bei Staatsanleihen ließ Zweifel an der Stabilität des dortigen Marktes aufkommen und verstärkte die globale Risikoaversion.
Strategen erwarten kurzfristig anhaltende Turbulenzen, zumal der Supreme Court am Mittwoch über Trumps Versuch entscheidet, Fed-Gouverneurin Lisa Cook abzusetzen – eine Entscheidung, die als direkter Eingriff in die Unabhängigkeit der Notenbank gewertet würde. Jefferies-Stratege Mohit Kumar rechnet dennoch damit, dass am Ende ein Kompromiss im Grönland-Streit gefunden wird. Bis dahin aber ist die Volatilität zurück.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

