Von wegen "besiegt"

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    Die US-Inflation könnte 2026 deutlich steigen

    Die Inflation in den USA ist keineswegs besiegt, wie Präsident Trump sagt, vielmehr könnte sie im laufenden Jahr über die Marke von 4 Prozent steigen, warnen Experten. Das liegt nicht zuletzt an der US-Politik.

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    Von wegen "besiegt" - Die US-Inflation könnte 2026 deutlich steigen

    Die Inflation in den USA – ist sie nun besiegt oder wenigstens unter Kontrolle? Präsident Donald Trump sorgte mit seiner Aussage, die USA hätten die Inflation "besiegt", für Aufsehen. Während seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte er stolz, dass die amerikanischen Verbraucher von sinkenden Preisen für Lebensmittel, Energie und andere Güter profitieren würden.

    Doch der Blick auf die tatsächlichen Zahlen wirft Zweifel an dieser Darstellung auf. Zum einen lag die jährliche Inflationsrate im Dezember 2025 bei 2,7 Prozent, was immer noch als "hoch" eingestuft wird und nach wie vor klar über dem Ziel der Federal Reserve von 2 Prozent ist. Besonders problematisch ist die Kerninflation, die die volatilen Preise für Energie und Lebensmittel ausschließt und bei 2,6 Prozent bleibt. Kurz gesagt: Die Preise fallen keineswegs, sondern steigen in den für die Verbraucher wichtigen Bereichen Lebensmittel und Energie stärker als insgesamt. Ganz abgesehen davon "profitieren" Verbraucher auch von einer schwachen Inflation nicht, sie geht immer mit höheren Preisen einher.

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    Experten wie Thomas Ryan, Ökonom bei Capital Economics, bezeichnen die Aussage Trumps als "faktisch inkorrekt" und als typisch übertriebene Behauptung des Präsidenten. Auch Mark Zandi, Chefökonom bei Moody's, stellt klar, dass die Inflation weiterhin "unbequemerweise hoch" ist, insbesondere für die einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten. Sie könnte aber auch wieder steigen.

    Ein entscheidender Faktor, der die Inflation weiterhin antreibt, sind die Zölle, die Trump eingeführt hat. Diese sind wie eine zusätzliche Steuer auf Importe, die letztlich vom US-Verbraucher getragen wird. Während die direkten Auswirkungen der Zölle zunächst moderat ausfielen, erwarten Ökonomen, dass diese Effekte in den kommenden Jahren stärker durchschlagen werden. Nach Schätzungen der Yale University werden US-Verbraucher aufgrund der Zölle 2026 durchschnittlich 1.300 bis 1.700 US-Dollar mehr ausgeben müssen.

    Ein weiteres Problem sind die Verzögerungen bei der Weitergabe dieser Kosten an die Verbraucher. Unternehmen, die Zölle zahlen müssen, haben ihre Preise bislang nur schrittweise erhöht. Dies könnte sich jedoch in der ersten Jahreshälfte 2026 ändern, was zu einem Anstieg der Inflation führen würde.

    Inflationärer Druck kommt zudem von der Politik der Reduzierung der Zuwanderung. Diese Maßnahme hat zu einem angespannten Arbeitsmarkt geführt, da Arbeitskräfte in besonders von Migranten abhängigen Sektoren wie Landwirtschaft, Bauwesen und Pflege fehlen. Diese Engpässe werden Ökonomen zufolge in den kommenden Jahren zu einem Anstieg der Löhne und damit zu höheren Preisen in diesen Bereichen führen. Besonders betroffen sind Dienstleistungen wie die häusliche Pflege, die bereits eine jährliche Preissteigerung von 10 Prozent verzeichnen.

    Auch die Fiskalpolitik der USA trägt zur Inflationsgefahr bei. Mit einer wachsenden Staatsverschuldung und einem Anstieg der Staatsausgaben durch die Steuersenkungen der Regierung dürfte die Inflation in den kommenden Jahren weiter angeheizt werden.

    Die Risiken einer weiterhin unkontrollierten Inflation sind erheblich. Wenn die Preise für grundlegende Güter wie Lebensmittel und Energie steigen, leidet die Kaufkraft der Verbraucher, insbesondere in unteren Einkommensschichten. Höhere Lebenshaltungskosten führen zu einem Rückgang des Konsums und könnten das Wirtschaftswachstum dämpfen.

     

    Gleichzeitig steigt der Druck auf die Federal Reserve, den Leitzins wieder zu erhöhen, was wiederum die Kreditkosten für Verbraucher und Unternehmen in die Höhe treiben würde. Diese würden also ihre Ausgaben reduzieren, was in den USA, deren Wirtschaftsleistung zu 80 Prozent vom Konsum abhängt, gravierende Folgen haben würde. Es ist ein Teufelskreis.

    Insgesamt sieht es aktuell eher danach aus, als würde die Inflation in den USA keineswegs im Griff sein, sondern eher wieder anziehen. Die verzögerte Wirkung der Zölle, ein angespannter Arbeitsmarkt und eine expansive Fiskalpolitik sorgen dafür, dass die Inflationsrate 2026 möglicherweise sogar über 4 Prozent steigen könnte. Der wahre Sieg über die Inflation wird wahrscheinlich erst in den kommenden Jahren errungen – und er erfordert weit mehr als bloße Lippenbekenntnisse.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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