Brutaler Markt-Meltdown
Der Silber-Crash vom Freitag war nicht das Ende – er war der Anfang
Der historische Einbruch vom Freitag setzt sich fort. Physische Knappheit, Margenfallen und panische Liquidationen treiben Silber noch tiefer in die Krise.
- Historischer Silber-Crash setzt sich fort, 30% Verlust.
- Physische Knappheit und Margenprobleme verstärken Krise.
- Volatilität bleibt hoch, Nachfrage und Förderung unsicher.
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Der historische Einbruch am Silbermarkt setzt sich auch am Montag fort – und wirft neues Licht auf die Analysewende zweier prominenter Marktprofis, die unmittelbar nach dem ersten Crash am Freitag plötzlich bullish geworden waren. Inzwischen aber zeigt sich: Die Lage bleibt deutlich fragiler, als viele gehofft hatten.
Am Freitag war Silber um rund 30 Prozent eingebrochen – der heftigste Tagesverlust seit 1980, als die Hunt-Brüder versucht hatten, den Markt zu monopolisieren. Der Absturz folgte auf eine fast parabolische Rallye, in der sich der Preis in zwölf Monaten mehr als verdoppelt hatte. Parallel dazu waren die Margenanforderungen für Futures kräftig angehoben worden, wodurch stark gehebelte Spekulanten zum Ausstieg gezwungen wurden. Die CME Group hatte erst im Januar ein prozentuales Margensystem eingeführt und die Maintenance Margins für Standardkontrakte auf 15 Prozent erhöht. Diese Anpassung entzog Tradern mit dünnen Sicherheiten den Spielraum – ein Mechanismus, der wie schon 1980 Liquidationen beschleunigte und den Crash verstärkte.
Unmittelbar nach dem Absturz – zu einem Zeitpunkt, als sich der Markt kurzfristig stabilisierte – änderten zwei der schärfsten Silber-Bären überraschend ihre Einschätzung: Peter Brandt, seit fast 50 Jahren im Rohstoffhandel aktiv, und Marko Kolanovic, früherer JPMorgan-Starstratege, hatten zuvor beide vor einem Blow-off-Top gewarnt. Doch nach dem ersten Schock zeigten sie sich am Wochenende taktisch bullish. Kolanovic schrieb: "Ein Rückgang um 16 Prozent ist viel – heute könnte es zu einer Erholung kommen." Brandt formulierte ähnlich vorsichtig: "Silber wird sich heute wahrscheinlich erholen." Beide betonten, dass die Übertreibung des Ausverkaufs eine technische Gegenbewegung begünstigen könnte.
Doch der Markt folgte diesem Dreh nicht: Am Montag setzt sich der Abwärtsdruck fort, Silber fiel erneut zeitweise zweistellig. Damit zeigt sich, dass die situative Zuversicht vom Wochenende zwar nachvollziehbar war – aber auf einem Markt basierte, der sich kurzzeitig stehend beruhigt hatte, bevor die nächste Welle einsetzte.
Hinter den dramatischen Kursbewegungen steht ein strukturelles Problem: Die Lücke zwischen physischem Silber und Papierkontrakten wächst. Seit China 2026 den Export von Silber gestoppt hat, fordern Industrieabnehmer zunehmend physische Lieferung statt Barausgleich. Die Bestände an COMEX und LBMA sind auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten gefallen, während das Verhältnis von Papier- zu physischem Silber laut Investing.com auf 528 Millionen zu 113 Millionen Unzen gestiegen ist. In Shanghai und Dubai liegen die physischen Prämien teils 20 US-Dollar über dem westlichen Spotpreis.
Eines aber eint die Experten: Volatilität bleibt die Grundannahme – und die strukturellen Engpässe verschwinden nicht. Ob der Markt kurzfristig Boden findet, hängt nun weniger von Spekulanten ab als von der Frage, ob die industrielle Nachfrage nachlässt oder neue Förderung schneller anspringt. Beides gilt derzeit als unwahrscheinlich.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Silber wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -3,11 % und einem Kurs von 82,80USD auf Lang & Schwarz (02. Februar 2026, 13:01 Uhr) gehandelt.

