Brutale Monate voraus
Kevin Warsh betritt die Bühne – und der S&P 500 soll 16 % verlieren
Barclays sieht in jedem Fed-Neustart den gleichen Film: Ein neuer Chef, ein nervöser Markt, massive Rücksetzer. Die Wall Street bereitet sich auf die gefährlichsten Monate seit Jahren vor.
- Barclays warnt vor Rücksetzern nach Fed-Neustart.
- S&P 500 verliert historisch 16% nach Chefwechsel.
- Warshs Politik könnte Märkte kurzfristig belasten.
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Die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Vorsitzenden der US-Notenbank könnte den Aktienmarkt vor eine harte Belastungsprobe stellen. Analysen von Barclays zeigen, dass der S&P 500 historisch innerhalb der ersten sechs Monate nach Amtsantritt eines neuen Fed-Chefs im Durchschnitt 16 Prozent verliert – ein Muster, das bis ins Jahr 1930 zurückreicht. Bereits nach einem Monat lag der typische Rückgang bei 5 Prozent, nach drei Monaten bei 12 Prozent. Diese Übergangsphasen fielen damit sogar heftiger aus als die üblichen Höchst-Tief-Bewegungen eines durchschnittlichen Börsenjahres.
Barclays-Stratege Alexander Altmann warnt deshalb vor einer erneuten Belastungsphase: "Neue Fed-Vorsitzende werden in der Regel innerhalb der ersten sechs Monate nach ihrer Ernennung in gewissem Maße von den Aktienmärkten 'getestet'." Die eigentliche Bewährungsprobe für die Märkte dürfte demnach erst nach dem Amtsantritt im Mai beginnen.
Die Ausgangslage ist ohnehin angespannt. Die Ernennung Warshs erfolgte in einem Umfeld, in dem die Märkte nervös über die Unabhängigkeit der Notenbank wachen. US-Präsident Donald Trump hatte Jerome Powell zuletzt wiederholt scharf attackiert und ihm vorgeworfen, die Geldpolitik nicht schnell genug gelockert zu haben. Warsh selbst galt während seiner Zeit als Fed-Gouverneur von 2006 bis 2011 als geldpolitischer Falke. Seit seiner Rückkehr ins politische Rampenlicht positioniert er sich jedoch anders: Er befürwortet niedrigere Zinsen, fordert gleichzeitig aber eine Reduzierung der Fed-Bilanz.
Genau das könnte die Märkte kurzfristig belasten. Ein Abbau von Vermögenswerten würde dem Finanzsystem Liquidität entziehen – ein Risiko, das Christopher Harvey von CIBC Capital Markets betont: Ein solcher Kurs "könnte sich negativ auf Risikoanlagen auswirken". Die Unsicherheit über die künftige Geldpolitik ist bereits groß, da sich das makroökonomische Bild zwischen hoher Inflation und Phasen schwächerer Arbeitsmarktdaten bewegt.
Andere Strategen sehen in Warshs Profil aber auch stabilisierende Elemente. Michael Wilson von Morgan Stanley erwartet, dass seine Reputation als Bilanz-Falke helfen könnte, die Goldpreise zu dämpfen und den US-Dollar moderat zu stärken, was der Administration "Zeit gibt, damit umfassendere politische Ziele wie geplant umgesetzt werden können".
Fest steht: Mit Warshs möglichem Amtsantritt rückt die Fed wieder stärker in den Mittelpunkt der Marktrisikobetrachtung – und die Börsen müssen sich auf eine Phase einstellen, in der geldpolitische Signale entscheidender sind denn je.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

