Edelmetall
Silber crasht weiter: Ist DAS der Moment, an dem die Panik kippt?
Erst Rekord, dann Absturz: Silber verliert wieder zweistellig. Margin-Erhöhungen, Stop-Loss-Kaskaden und Options-Trades machen aus dem Edelmetall eine Zocker-Arena – wie tief noch?
Silber galt im vergangenen Jahr plötzlich als das "heißeste" Metall am Markt: Wochenlang jagte ein Rekord den nächsten – bis der Handel am vergangenen Freitag brutal die Notbremse zog. Innerhalb eines Tages brach Silber um fast 30 Prozent ein, obwohl der Kurs im Jahresverlauf zuvor um rund 146 Prozent gestiegen war. Nach zwei Tagen Mini-Rebound ist die Erholung jetzt schon wieder Geschichte: Am Donnerstag rutschte der Silberpreis zeitweise um bis zu 16 Prozent ab, zuletzt lag der Kassapreis rund 10,5 Prozent tiefer bei etwa 79 US-Dollar je Unze (31,1 Gramm). Auch die Futures in New York gaben kräftig nach.
Warum dreht Silber so durch? Analysten sehen den Kern nicht in der physischen Nachfrage, sondern in einem gefährlichen Cocktail aus Spekulation, hoher Hebelung und optionsgetriebenem Handel. Über Wochen hatten sich große Positionen aufgebaut – und ein Teil davon scheint noch immer nicht komplett "ausgespült". Genau das macht jede Gegenbewegung zum Risiko: Kommt es zu neuen Verkäufen, startet eine Kettenreaktion.
Der nächste Brandbeschleuniger: steigende Margin-Anforderungen. Nach dem heftigen Abverkauf wurden an den Terminbörsen die Sicherheitsleistungen angehoben. Für stark gehebelte Trader heißt das: zusätzliches Kapital nachschießen oder Positionen schließen. Wenn viele gleichzeitig raus müssen, fällt der Preis – und löst weitere Stop-Loss-Orders aus.
Spannend: Silber reagiert extremer als Gold. Beobachter verweisen auf die dünnere Liquidität im Londoner Markt, die Ausschläge verstärkt. Gold gab zuletzt nur gut 1 Prozent nach (auf rund 4.911 US-Dollar je Unze) – Silber dagegen spielt Achterbahn.
Kein Wunder, dass immer öfter der Vergleich zu Meme-Aktien fällt: Momentum, Social Buzz, plötzliches Umkippen. Nur: Bei Silber trifft die Zocker-Dynamik auf ein Metall mit realen, industriellen Anwendungen – von Solar bis Elektronik. Das macht die Lage so tückisch: Fundamentale Argumente können stimmen, während der Markt kurzfristig trotzdem "alles" abräumt.
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion
