Talsohle durchschritten?
Deutschland is back: Industrie meldet sich zurück!
Die Talsohle der deutschen Wirtschaft könnte durchschritten sein. Im Dezember durfte sich das verarbeitende Gewerbe über starke Auftragseingänge freuen.
- Talsohle der deutschen Wirtschaft könnte durchschritten sein.
- Auftragseingänge im Dezember stark gestiegen, +7,8%.
- Investitionen steigen, aber Automobilindustrie bleibt schwach.
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Deutschland: Der "kranke Mann Europas" ...
Die vergangenen Jahre waren für die deutsche Wirtschaft, allen voran die Industrie und das verarbeitende Gewerbe, kein Zuckerschlecken. Hohe Energiekosten, eine schwache Auslandsnachfrage und Handelshemmnisse haben das Marktumfeld geprägt.
Dazu kamen hausgemachte Probleme wie hohe Lohnnebenkosten, eine in die Jahre gekommene Infrastruktur und Bürokratie. Die schlechten Nachrichten schrieben sich zuletzt von selbst.
... damit könnte es schon bald vorbei sein!
Doch inzwischen deutet immer mehr nicht nur auf einen Stimmungsumschwung, sondern eine echte Trendwende hin, die in absehbarer Zeit auch den derzeit schwachen Arbeitsmarkt erfassen könnte.
Eine ganze Reihe von Frühindikatoren fiel in den vergangenen Wochen besser aus als erwartet. Am Donnerstagmorgen lieferte ein weiterer Datenpunkt Anzeichen für einen Aufschwung.
Die Auftragseingänge in der Industrie fielen im Dezember sehr viel stärker aus als erwartet. Volkswirtinnen und -wirte hatten gegenüber dem November mit einem Rückgang von 2,2 Prozent gerechnet. Demgegenüber legten die Auftragseingänge um 7,8 Prozent zu.
Im Vergleich zum Vorjahresmonat fiel die Bilanz noch besser aus. Statt des erwarteten Anstiegs um 1,2 Prozent füllten sich die Auftragsbücher deuscher Industriebetriebe um satte 13 Prozent. Damit legte der Auftragseingangsindex auf 99,7 Punkte und damit den höchsten Stand seit Juni 2023 zu.
Metallindustrie stark, Sorgenkinder Automobilindustrie und Konsum
Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, waren vor allem Metallerzeugnisse gefragt, wo die Aufträge gegenüber dem Dezember um 30,2 Prozent zulegten. Auch der Maschinenbau präsentierte sich mit einem Plus von 11,5 Prozent in einer guten Verfassung. Vor allem Großaufträge haben hier zu einer spürbaren Verbesserung geführt.
Erfreulich ist aus einer mittel- und langfristigen Perspektive der Anstieg bei den Investitionsgütern, die sich um 10,5 Prozent verbesserten. Das deutet auf eine verstärkte Investitionstätigkeit hin, welche das Fundament dauerhaft verstärken könnte.
Sorgenkinder bleiben jedoch die Automobilindustrie (-6,3 Prozent nach einem starken Vormonat, wie das Statistische Bundesamt betont) und die Konsumgüterindustrie (-5,3 Prozent). Hier liegen einerseits strukturelle Herausforderungen vor, andererseits leiden Konsumentinnen und Konsumenten und gestiegenen Lebenshaltungskosten und hohen Abgaben.
DAX zwischen KI-Sorgen und Aufschwungsfreude
Am frühen Donnerstagmorgen war vom spürbaren Anstieg der Industrieaufträge noch wenig zu spüren. Nach einem Minus von 0,7 Prozent am Vortag und einem scharfen Intraday-Reversal am Dienstag zeigte sich der DAX leicht verbessert.
Nach der Ankündigung hoher Investitionsausgaben für KI durch Alphabet am Vorabend waren vor allem Anteile von Siemens Energy gefragt. Automobilwerte fanden sich hingegen am DAX-Ende ein und spiegelten damit die im Dezember verschlechterten Auftragseingänge wider.
Fazit: Ein Ende des Abwärtstrends ist in Sicht
Mit Blick auf die Lage der deutschen Wirtschaft wurde in den vergangenen Monaten viel schlechte Stimmung verbreitet. Das ist angesichts der Entwicklung der letzten Jahre verständlich. Doch langsam kommt die Industriekonjunktur wieder in Fahrt, wie der überraschend starke Auftragseingang im Dezember gezeigt hat.
Zwar gibt es hierbei noch eine große Abhängigkeit von Großaufträgen, was eine noch fehlende Breite des Aufschwungs zeigt, erfreulich ist jedoch, dass neben der Auslands- auch die Inlandsnachfrage endlich wieder anzieht. Hier ist der Auftragseingangsindex sogar auf den höchsten Stand seit Dezember 2021 gestiegen. Das ist ein Indiz für nachhaltige Verbesserung.
Hält der Trend an, dürfte das auch den deutschen Aktienmarkt unterstützen. Mit einem KGV von 18,4 hält sich der DAX aktuell am oberen Ende der langfristigen Bewertungsspanne auf. Eine verbesserte Konjunkturlage gäbe deutschen Unternehmen jedoch mittelfristig die Chance, in die stark gestiegenen Bewertungen hineinzuwachsen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

