Schrott als Wertstoff

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    Wie Europa sein Aluminium verschleudert - Seite 2

    Zweitens: fehlende Infrastruktur. Die bestehenden Sortier- und Recyclinganlagen sind technisch nicht auf komplexe Materialströme ausgelegt – Elektroschrott, Automobilabfälle, Baumaterialien überfordern sie. Die Verarbeitung ist teuer, der Export daher attraktiver als die heimische Wiederverwertung.

    Drittens: Handelsungleichgewichte. Während hochwertiger Schrott abfließt, geraten auch Importe unter Druck. Das könnte Versorgungslücken weiter vergrößern.

    Der Trump-Faktor

    Die Situation hat sich durch Donald Trumps jüngste Handelspolitik dramatisch zugespitzt. Die USA haben ihre Zölle auf Stahl und Aluminium auf 50 Prozent verdoppelt – Schrott bleibt jedoch ausgenommen. Das schafft einen gewaltigen Anreiz für US-Abnehmer, europäischen Schrott mit Aufschlägen aus dem Markt zu kaufen.

    FACE warnt vor einer "katastrophalen" Entwicklung: Wenn Europa nicht nur bei Primäraluminium, sondern auch bei Sekundäraluminium von Importen abhängig wird, kollabiert die heimische Wertschöpfungskette. Der Verband fordert deshalb "dringende Maßnahmen, einschließlich hoher Exportzölle", um eine Rohstoffkrise zu verhindern.

    Das umstrittene Gegenmittel

    Die Kernforderung von FACE: ein befristeter Exportzoll von rund 10 Prozent auf Aluminiumschrott. Zeitlich begrenzt, klar definiert im Umfang, explizit gekoppelt an Strukturreformen. Ziel ist es, Exporte vorübergehend unattraktiv zu machen, während parallel die heimische Sortier- und Recyclinginfrastruktur ausgebaut wird.

    Die Maßnahme ist umstritten. Exportbeschränkungen widersprechen dem Freihandelsgedanken, könnten WTO-Regeln verletzen und Handelskonflikte provozieren. FACE betont deshalb den Krisencharakter und die Befristung – es gehe um Schadensbegrenzung, nicht um Protektionismus.

    Begleitend fordert der Verband ein umfassendes Reformpaket:

    Bürokratieabbau: Vereinfachung der Verwaltungs- und Umweltnormen, die derzeit Transport und Recycling über Ländergrenzen hinweg erschweren.

    Strategische Einstufung: Alle Formen von Aluminiumschrott sollen als strategische Rohstoffe anerkannt werden – mit entsprechenden Förderungen im Rahmen des Critical Raw Materials Act.

    SME-Unterstützung: Gezielte Finanzinstrumente und Energiekostenhilfen für kleine und mittlere Recyclingunternehmen.

    F&E-Offensive: EU-Mittel für Forschung und Innovation, insbesondere für fortschrittliche Sortiertechnologien.

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    Frank Tetzel
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    Frank Tetzel, Jahrgang 1963, ist gelernter Journalist, und hat für eine Reihe von großen Tageszeitungen geschrieben. Inzwischen ist er Chefredakteur und Herausgeber von FAIReconomics, einem Magazin für nachhaltige Wirtschaft. Darüber hinaus berät er Verbände und Institutionen im vorpolitischen Raum in Fragen nachhaltiger Entwicklung und Ökonomie. Zu den Schwerpunktthemen gehören Politik, Wirtschaft, Nachhaltigkeit (insbesondere Immobilien, Mobiltät, nachhaltige Anlageprodukte und Investments).
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    Verfasst von Frank Tetzel
    Schrott als Wertstoff Wie Europa sein Aluminium verschleudert - Seite 2 Jährlich verlassen 1,2 Millionen Tonnen Aluminiumschrott die EU – während die heimische Industrie unter Rohstoffmangel leidet. Ein Branchenverband fordert nun drastische Maßnahmen.

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