Rotes Meer an der NYSE
US-Entlassungswelle erreicht Niveau von 2009 – VIX springt, Tech blutet weiter
Neue Jobdaten belasten die Stimmung: Der VIX zieht nach oben, KI- und Softwaretitel fallen weiter und Händlerlegende Peter Tuchman spricht von "nichts als Rot". Die US-Futures zeigen: Der Ausverkauf ist nicht vorbei.
- VIX steigt über 21 Punkte, Angstindex alarmiert.
- US-Indizes fallen weiter, Tech-Werte stark betroffen.
- Anleger flüchten in sichere Häfen, Bitcoin stürzt ab.
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Der Ausverkauf an der Wall Street hat sich am Donnerstag deutlich verschärft. Früh am Morgen schoss der sogenannte Angstindex VIX laut FactSet um mehr als 13 Prozent auf über 21 Punkte und überschritt damit seinen langfristigen Durchschnitt. Parallel meldete der Personalberater Challenger, Gray & Christmas den stärksten Anstieg angekündigter Januar-Entlassungen in den USA seit 2009 – ein Signal, das die Nervosität zusätzlich verstärkte.
Im regulären Handel gaben die US-Indizes erneut kräftig nach. Der S&P 500 verlor 1,2 Prozent, der Nasdaq 100 rutschte um 1,4 Prozent ab und der Dow Jones schloss rund 1,2 Prozent tiefer. Tech-Werte standen erneut im Zentrum des Abverkaufs, ausgelöst durch neue Konkurrenzsorgen im KI-Bereich: Ein weiteres Analyse-Modell des Start-ups Anthropic verstärkte die Furcht vor Disruption im Softwaresektor.
Nachbörslich verschlechterte sich die Stimmung weiter. Amazon brach um mehr als 11 Prozent ein, nachdem der Konzern zwar solide Umsätze meldete, gleichzeitig aber Kapitalkosten von 200 Milliarden US-Dollar für das laufende Jahr ankündigte – weit mehr, als Analysten erwartet hatten. Das weckte Zweifel, ob die milliardenschweren KI-Investitionen des Sektors nachhaltig sind. Alphabet prognostizierte seinerseits bis zu 185 Milliarden US-Dollar an Ausgaben für 2026 und löste damit erneut Druck auf die hochbewerteten Tech-Giganten aus.
Während Aktien fielen, wichen Anleger in sichere Häfen aus. US-Staatsanleihen legten zu, Bitcoin fiel dagegen um über 13 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2024. Silber korrigierte um knapp 20 Prozent, nachdem ein spekulativer Privatanleger-Hype der vergangenen Wochen abgeklungen war. Auch Strategy meldete einen durch den Kryptoverfall ausgelösten Quartalsverlust.
Auf dem Parkett der NYSE beschrieb der bekannte Händler Peter Tuchman die Lage als "wild und verrückt" und sagte: "Auf dem Bildschirm war definitiv nichts als Rot zu sehen." Trotz der Schärfe des Rückgangs warnte er jedoch vor Panik: "Es ist ein Reset … kein Crash." Das Handelsvolumen lag im Februar bereits 30 bis 35 Prozent über dem Januar-Niveau – ein Zeichen dafür, dass viele Investoren Positionen hektisch umschichten.
Für die weitere Marktentwicklung rücken nun US-Konjunkturdaten in den Fokus. Der zentrale Arbeitsmarktbericht wurde wegen des zwischenzeitlichen Government Shutdowns auf kommenden Mittwoch verschoben. Bereits veröffentlichte Zahlen zeigen jedoch eine Abkühlung: Die offenen Stellen fielen auf den niedrigsten Stand seit 2020, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen stärker als erwartet.
Am Freitagmorgen signalisieren die Futures weitere Schwäche: S&P-500-Futures lagen zuletzt rund 0,1 Prozent im Minus, Nasdaq-100-Futures gaben 0,3 Prozent nach und Dow-Futures standen 0,1 Prozent tiefer. Damit deutet sich an, dass der Abverkauf in die nächste Runde gehen könnte – solange Tech-Gewinne enttäuschen, die Volatilität steigt und die US-Konjunktur erste Risse zeigt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

