wO Heimspiel
Henkel greift zu: Warum die Stahl-Übernahme Anleger elektrisiert
Henkel übernimmt den niederländischen Spezialbeschichter Stahl für 2,1 Milliarden Euro. Auch BASF und Clariant verkaufen Anteile. Der Deal befeuert die Konsolidierungsfantasie – schafft die Henkel-Aktie jetzt die Wende?
- Henkel kauft Stahl für 2,1 Mrd. Euro zur Stärkung.
- BASF und Clariant verkaufen Anteile an Stahl Holdings.
- Henkel-Aktie steigt, Analysten sehen Gewinnpotenzial.
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Henkel setzt in einem schwierigen Branchenumfeld auf Zukäufe: Der Düsseldorfer Konzern will den niederländischen Spezialbeschichtungshersteller Stahl Holdings BV für 2,1 Milliarden Euro (rund 2,5 Milliarden US-Dollar) vom französischen Investmentunternehmen Wendel übernehmen. Mit dem Schritt soll vor allem die Sparte Adhesive Technologies gestärkt werden, wie Henkel-Chef Carsten Knobel betonte.
Die DZ Bank stuft den Zukauf als strategisch sinnvoll ein und bestätigt ihre Kaufempfehlung für die Vorzugsaktie mit einem fairen Wert von 88 Euro. Der Kaufpreis erscheine angesichts des margenstarken und kapitalarmen Geschäftsmodells angemessen.
Stahl ist auf Spezialbeschichtungen für flexible Materialien spezialisiert und bedient unter anderem Kunden aus der Automobil-, Mode- und Verpackungsindustrie. Das Unternehmen ergänzt das bestehende Adhesive-Technologies-Portfolio von Henkel sowohl technologisch als auch kundenseitig. Besonders attraktiv: Die EBIT-Marge von Stahl liegt bereits über dem Niveau der Klebstoffsparte von Henkel und könnte inklusive Synergien mittelfristig auf rund 20 Prozent steigen.
Die Henkel-Aktie bleibt aktuell auf der Überholspur, seit Jahresbeginn beträgt das Kursplus rund 15 Prozent. Nach dem Kurssturz im März 2025 wittern Anleger wieder Morgenluft. Damals hatte eine Kombination aus einem schwachen Jahresabschluss 2024 und der Warnung vor einem schwierigen Start ins Jahr 2025 das Vertrauen der Anleger massiv erschüttert.
Mit der Übernahme von Stahl wollen die Düsseldorfer endlich die Wende schaffen. Aus Analystensicht birgt die Transaktion das Potenzial, die Gewinnschätzungen für Henkel im Zeitraum bis 2027 um durchschnittlich rund fünf Prozent pro Jahr anzuheben. Zudem verfügt der Konzern dank hoher Eigenkapitalquote und Netto-Cash-Position über ausreichend finanziellen Spielraum, um seine Abhängigkeit vom zyklischeren Konsumgeschäft weiter zu reduzieren.
Genau hier zeigt sich jedoch die strukturelle Dissonanz im Konzern: Während Adhesive Technologies seit mehreren Quartalen ein stabiles Mengenwachstum verzeichnet und mit Margen von über 17 Prozent überzeugt, bleibt der Bereich Consumer Brands der Unsicherheitsfaktor. Zwar kehrte das Konsumgeschäft im dritten Quartal 2025 erstmals wieder zum Mengenwachstum zurück, doch Preisdruck, Handelsmarken-Konkurrenz und ein verhaltenes Konsumklima belasten weiterhin die Visibilität.
Der Kapitalmarkt blickt daher weniger auf die solide Entwicklung der Industrie-Sparte als vielmehr auf die Frage, ob Consumer Brands nachhaltig stabilisiert werden kann. Kurzfristig könnten positive Volumen- und Preissignale im vierten Quartal dazu beitragen, das Vertrauen der Investoren zu stärken. Bewertungsseitig bleibt Henkel aus Sicht der DZ Bank attraktiv: Im Branchenvergleich wird die Aktie mit deutlichen Abschlägen gehandelt – trotz robuster Cashflows und wachsender strategischer Qualität im Portfolio.
Bemerkenswert: Nicht nur Wendel verkauft. Auch die Minderheitsaktionäre BASF und Clariant stoßen ihre Beteiligungen ab. Beide Unternehmen halten zusammen mehr als 30 Prozent an Stahl. Damit wechselt der Spezialist komplett den Besitzer.
Wendel hatte einen Verkauf von Stahl schon länger geprüft. Bereits im November 2024 wurde berichtet, dass Berater für einen möglichen Ausstieg an Bord seien. Stahl beschäftigt rund 1.700 Mitarbeiter und liefert Beschichtungen für Anwendungen in Autoindustrie, Mode und Verpackungen. Wachstum kam zuletzt auch über Zukäufe – darunter Geschäftsteile von BASF und Clariant aus dem Bereich Lederchemie.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
Die Henkel VZ Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +1,17 % und einem Kurs von 79,68EUR auf Tradegate (06. Februar 2026, 22:26 Uhr) gehandelt.
