Nikkei stürmt auf Rekordhoch
Der Takaichi-Trade ist zurück: Erdrutschsieg sorgt für Euphorie am Aktienmarkt
Japans Premierministerin Sanae Takaichi hat einen historischen Wahlsieg eingefahren. Investoren werten das Ergebnis als Freifahrtschein für eine expansivere Finanzpolitik – mit unmittelbaren Folgen für die Aktienmärkte.
- Takaichi gewinnt Wahl, LDP erreicht Zwei-Drittel-Mehrheit.
- Aktienmärkte reagieren positiv, Nikkei steigt über 5%.
- Takaichi plant Steuererleichterungen, Nervosität bleibt.
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Die liberaldemokratische Partei LDP erreichte laut dem öffentlich-rechtlichen Sender NHK aus eigener Kraft eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Unterhaus. Damit verfügt Takaichi über eine Machtbasis, wie sie in der japanischen Nachkriegsgeschichte kaum ein Regierungschef hatte. Noch im vergangenen Sommer galt die Partei als angeschlagen, ehe sie sich geschlossen hinter die erste Premierministerin des Landes stellte.
An den Märkten wurde das Ergebnis begeistert aufgenommen. Der Nikkei 225 sprang zeitweise um mehr als 5 Prozent auf über 57.000 Punkte und markierte neue Rekordstände. Gleichzeitig gerieten japanische Staatsanleihen unter Druck: Die Rendite der zehnjährigen Benchmark stieg deutlich, was die Erwartung höherer Staatsausgaben widerspiegelt. Der Yen zeigte sich volatil, schwächte sich zunächst ab und stabilisierte sich anschließend wieder.
Marktteilnehmer setzen darauf, dass Takaichi umfangreiche Konjunkturprogramme, Steuererleichterungen und Investitionen in Zukunftsbereiche wie Künstliche Intelligenz, Halbleiter und Energiesicherheit vorantreibt. Zudem wird spekuliert, dass der geldpolitische Straffungskurs der Bank of Japan langsamer ausfallen könnte.
Zentrales Wahlversprechen von Taikachi ist, die acht Prozent hohe Mehrwertsteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre auszusetzen. Die Premierministerin bezeichnete das Vorhaben wiederholt als politisches Herzensanliegen. Anleger reagieren jedoch nervös: Japan trägt bereits die höchste Staatsverschuldung aller Industrieländer, die Finanzierung des Steuerrabatts bleibt bislang offen.
Auch am Devisenmarkt wächst die Nervosität. Devisenhändler schließen eine Intervention der japanischen Notenbank nicht aus, sollte sich die Fall des Yen fortsetzen. Am Montagmorgen liegt der Yen bei 156 JPY für 1 US-Dollar und damit nahe dem Jahreshoch aus dem Januar.
Takaichis Äußerungen vom vergangenen Wochenende wurden teilweise so interepretiert, dass die Premierminsterin einen schwachen Yen begrüße. Sie selbst wies diesen Eindruck allerdings zurück. Ihre Aussagen seien missverstanden worden, betonte sie, und erneuerte das Ziel einer robusten Wirtschaft, die nicht von Wechselkursschwankungen abhängig ist.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

