KI-Schock trifft Software
Anthropic liefert noch mehr Zündstoff – Shortseller jubeln
Anthropic erweitert seinen Chatbot "Claude" und es riecht prompt nach Ärger am Markt. Software rutscht, Shorts schießen hoch. Doch der eigentliche Sprengsatz liegt abseits der Börse:
- Anthropic bringt KI-Tool Claude, Markt besorgt.
- Software-Dienstleister leiden, Leerverkäufe steigen.
- Experten warnen vor KI-Disruption, aber Gegenstimmen.
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Software- und Datendienstleister stehen weiter unter Druck. Auslöser ist neuer Ärger rund um Anthropic. Das Unternehmen hat für seinen KI-Agenten Claude ein neues Plug-in vorgestellt, das Aufgaben in Recht, Vertrieb, Datenanalyse und Marketing automatisieren soll. Das schürt am Markt erneut die Sorge, dass Künstliche Intelligenz klassische Software-Dienstleistungen schneller verdrängt als viele Investoren bislang eingepreist hatten, berichtet CNBC.
Anleger fürchten, dass Kunden bei einem Sprung in der Leistungsfähigkeit von KI-Tools bestehende Abos kündigen könnten. Zu den stärksten Verlierern gehörten Salesforce, Thomson Reuters und LegalZoom.
Sharon Bell, Senior European Equity Strategist bei Goldman Sachs, schrieb am Freitag, jedes Unternehmen, das Software und Daten als Dienstleistung sammelt, aggregiert und verbreitet, werde "als zunehmend anfällig für Disruptionen durch KI-gesteuerte Tools angesehen".
Für Mark Dowding, Chief Investment Officer bei RBC BlueBay Asset Management, ist das mehr als ein kurzfristiger Schock. Er sieht in Leerverkäufen auf Softwareaktien inzwischen "eine neue Ausdrucksform des KI-Handels". Das Leerverkaufsinteresse am Sektor liege auf einem Zweijahreshoch, sagte er.
Dowding warnt zudem laut CNBC vor Ansteckungseffekten jenseits der Börse. In einem Marktkommentar erklärte er, viele Private-Credit-Fonds hätten "bis zu 30 Prozent ihres Engagements im Softwarebereich". Gleichzeitig würden viele Business Development Companies, also geschlossene Investmentvehikel mit Fokus auf private Kredite, mit Abschlägen von 20 Prozent bis 30 Prozent auf ihren Nettoinventarwert gehandelt.
Es gibt aber auch Gegenstimmen. Anish Acharya, General Partner bei der Wagniskapitalgesellschaft Andreessen Horowitz, sagte gegenüber CNBC, es müsse noch sehr viel mehr Software gebaut werden. "Sie automatisiert zwar Aufgaben, aber nicht ganze Arbeitsplätze", sagte Acharya. Beim Kundensupport bleibe der menschliche Teil entscheidend.
"Jemand muss den Kunden immer noch zum Steakessen einladen. Bislang übernimmt das die Künstliche Intelligenz nicht."
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
