"Das ist unmöglich"
Machtkampf um Chips: Taiwan blockt US-Forderungen ab
Die USA wollen mehr Chips aus Taiwan holen, doch Taipeh bremst. Die Regierung erklärt, warum eine massive Verlagerung scheitert und wo sie dennoch kooperiert.
- Taiwan lehnt massive Chipverlagerung in die USA ab.
- Ausbau der Halbleiterkapazitäten bleibt in Taiwan.
- USA erhöhen Druck, drohen mit hohen Zöllen.
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Taiwan weist Forderungen aus den USA nach einer massiven Verlagerung der Chipproduktion entschieden zurück. 40 Prozent der heimischen Halbleiterkapazität in die Vereinigten Staaten zu verlegen sei unmöglich. Das sagte Taiwans Vizepremierministerin und Chefunterhändlerin für Zölle, Cheng Li-chiun, in einem Interview mit dem Fernsehsender CTS. Das Gespräch wurde am Sonntagabend ausgestrahlt.
"Ich habe den Vereinigten Staaten gegenüber sehr deutlich gemacht, dass dies unmöglich ist", sagte Cheng mit Blick auf das von Washington ins Spiel gebrachte Ziel. Das taiwanische Halbleiter-Ökosystem sei über Jahrzehnte gewachsen und lasse sich nicht verlagern.
Wachstum bleibt auf der Insel
Cheng machte deutlich, dass Taiwan weiter auf den Ausbau der eigenen Kapazitäten setzt. "Unsere Gesamtkapazität [in Taiwan] wird nur weiter wachsen", sagte sie. Gleichzeitig könne Taiwan seine Präsenz in den USA ausweiten. Internationale Investitionen, auch in den Vereinigten Staaten, seien jedoch daran gebunden, dass das Land fest in Taiwan verwurzelt bleibe und dort weiter investiere.
Eine Verlagerung taiwanischer Wissenschaftsparks schloss Cheng aus. Taiwan sei aber bereit, seine Erfahrung beim Aufbau von Industrieclustern zu teilen und den USA beim Entwickeln eines vergleichbaren Umfelds zu helfen. Die heimische Halbleiterleistung, einschließlich bestehender, im Bau befindlicher und geplanter Projekte, werde jene in den USA oder anderen Ländern deutlich übersteigen.
Druck aus Washington
Der politische Druck aus den USA wächst. Handelsminister Howard Lutnick sagte am Dienstag, die Regierung müsse die Halbleiterproduktion zurück ins Land holen. "Man kann nicht die gesamte Halbleiterfertigung 80 Meilen von China entfernt haben", sagte er. Das sei "einfach unlogisch". Ziel der aktuellen Regierung sei ein Marktanteil von 40 Prozent bei der führenden Chipfertigung.
Bereits im vergangenen Monat hatten Taiwan und die USA ein Abkommen geschlossen. Die Zölle auf taiwanische Exporte wurden von 20 Prozent auf 15 Prozent gesenkt. Im Gegenzug sagte Taiwan höhere Investitionen in den USA zu.
Drohung mit Strafzöllen
Lutnick hatte im vergangenen Monat im Sender CNBC erklärt, er wolle 40 Prozent der gesamten taiwanischen Chip-Lieferkette und Produktion in die USA holen. Falls dies nicht gelinge, könnten die Zölle auf taiwanische Waren auf 100 Prozent steigen. Im September sprach er gegenüber NewsNation sogar von einer 50-50-Aufteilung der Chipproduktion. Taiwan lehnte dies damals ab.
Der Branchenriese TSMC investiert bereits stark in den USA. Der weltweit größte Auftragsfertiger für Chips plant Investitionen von 165 Milliarden US-Dollar in Fabriken im Bundesstaat Arizona.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,34 % und einem Kurs von 294EUR auf Tradegate (09. Februar 2026, 13:33 Uhr) gehandelt.

