Geopolitik der Rohstoffe
Kupfer, Kobalt und Macht: Wie die USA China herausfordern
Die USA setzen auf Finanzmacht statt Minenbesitz, um Afrikas Rohstoffe umzulenken. China bleibt dominant, doch Washington greift gezielt an.
- USA setzen auf Finanzmacht für Rohstoffzugang in Afrika
- Abnahmeverträge sichern Zugang zu Kupfer und Kobalt
- China bleibt dominant, USA versuchen strategische Umlenkung
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Die Vereinigten Staaten erhöhen den Druck auf Chinas Vormachtstellung bei afrikanischen Rohstoffen. Washington nutzt Abnahmeverträge und staatlich gestützte Finanzierung, um sich Zugang zu Kupfer, Kobalt und anderen kritischen Mineralien zu sichern. Diplomaten, Manager und Analysten berichten dies im Vorfeld der Bergbaukonferenz Indaba, so Reuters.
Im Fokus stehen Sambia, Guinea und vor allem die Demokratische Republik Kongo, die mehr als 70 Prozent des weltweiten Kobalts liefert und 2024 rund 3,3 Millionen Tonnen Kupfer produzierte. Die Zahlen unterstreichen die strategische Bedeutung der Region.
Finanzmacht statt Minenbetrieb
Die USA vermeiden es, eigene Betreiber in politisch riskante Länder zu entsenden. Stattdessen setzen sie auf Abnahmeverträge und Handelsstrukturen. Dazu zählen Vereinbarungen mit dem Rohstoffhändler Mercuria und mit dem kongolesischen Staatskonzern Gécamines. Ziel ist es, Produktion in Wertschöpfungsketten umzuleiten, die sich an den USA orientieren sollen, aber bisher von chinesischen Raffinerien dominiert werden.
Abnahmeverträge sichern einem Staat oder Unternehmen das Recht auf einen Teil der Förderung. Im Gegenzug fließen Finanzierung oder andere Unterstützungsleistungen. "Wir sehen bereits, wie das Engagement der USA die Mineralienströme aus Afrika neu gestaltet", sagte Thomas Scurfield von der Organisation NRGI gegenüber Reuters. Zugleich warnte er: "Die USA lassen ihren Worten Taten folgen, aber es bleibt abzuwarten, ob sie mit Chinas Größe und Geschwindigkeit mithalten können."
Gécamines rückt näher an die USA
Beide Großmächte werben auf der Indaba in Kapstadt um neue Zusagen. Die USA sprechen dabei über einen eigenen Mineralienblock. Ein zentraler Schritt betrifft Gécamines: Das Unternehmen will in diesem Jahr rund 100.000 Tonnen Kupfer aus dem Projekt Tenke Fungurume an US-Käufer liefern. Möglich wurde das durch erweiterte Vermarktungsrechte aus einer Neuverhandlung im Jahr 2023 mit dem chinesischen Konzern CMOC.
Die Strategie reicht über Kupfer hinaus. Der Analyst Xiao Wenhao von Shanghai Metals Market sieht Risiken für Chinas Kobalt-Lieferkette. Kongos Exportbeschränkungen träfen auf eine wachsende Kooperation zwischen Washington und Kinshasa.
Seltene Metalle und neue Allianzen
Auch andere Unternehmen reagieren. Der britische Konzern Pensana verwarf Pläne für eine Raffinerie in Großbritannien. Die Anlage für seltene Erden aus Angola soll nun in den USA entstehen. Pensana begründete dies mit stärkeren Anreizen und Preisgarantien.
"Die USA setzen hier eher ihre finanzielle Schlagkraft als ihre industrielle Präsenz ein", sagte Vincent Rouget von Control Risks. Abnahmeverträge erlaubten es Washington, kongolesisches Kupfer umzulenken, ohne politische oder operative Risiken vor Ort zu tragen.
Chinas Tempo bleibt hoch
Chinesische Firmen kontrollieren weiterhin viele der größten Kupfer- und Kobaltminen im Kongo. Dazu zählen Tenke Fungurume und Kamoa-Kakula. Seit mehr als einem Jahrzehnt fließt der Großteil der Förderung zur Weiterverarbeitung nach China.
Zugleich entwickelt sich der Kongo zum Lieferanten von Zink, Germanium und Gallium. Neue Abnahmeverträge machen Gécamines zu einem wichtigen Zinkexporteur. Das Unternehmen meldete jüngst seine erste Ausfuhr lokal verarbeiteten Germaniums.
Westen zögert, China baut
Der Gegensatz zeigt sich bei neuen Projekten. KoBold Metals sicherte sich mehr als 3.000 Quadratkilometer im Lithium- und Kupfergürtel. Das Unternehmen treibt jedoch keine Projekte voran, die in Rechtsstreitigkeiten verstrickt sind. Governance-Standards seien entscheidend, sagte KoBold-Chef Benjamin Katabuka im Kongo gegenüber Reuters.
Chinesische Betreiber handeln anders. Sie entwickeln auch umstrittene Lagerstätten und sichern sich so einen Zeitvorteil. In Manono, einem der größten unerschlossenen Lithiumvorkommen der Welt, wartet KoBold auf klare Eigentumsverhältnisse. Der chinesische Konzern Zijin baut derweil Infrastruktur im Norden.
Ähnlich verlief es in Guinea. Das chinesisch gestützte Winning-Konsortium trieb den Bau von Schiene und Hafen für Simandou voran. Eigentumsfragen blieben offen. Der Druck zwang schließlich auch Rio Tinto zum Mitziehen.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

