Aktie fällt wie ein Stein
Bericht verschoben, Finanzchef abgehauen: Bilanzskandal und Horror-Crash!
Beim IT-Infrastrukturunternehmen Kyndryl zeichnet sich ein Bilanzskandal ab. Eigentlich hätte der Konzern am Montag seine Quartalszahlen einreichen sollen.
- Kyndryl verpasst Einreichungsfrist bei SEC, Bilanzskandal?
- Quartalszahlen enttäuschen, Aktie stürzt über 50% ab.
- Managementprognose schwach, Abstand von Aktie halten!
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Kyndryl-Aktie: Horror-Crash zum Wochenauftakt
Anlegerinnen und Anleger von Kyndryl Holdings stehen zum Wochenauftakt vor einem Scherbenhaufen. Der 2021 von Dow-Jones-Urgestein IBM abgespaltene IT-Infrastrukturdienstleister hat am Montag zwar wie angekündigt seine Quartalszahlen vorgelegt, aber die Einreichungsfrist seines Geschäftsberichtes bei der US-Aufsichtsbehörde SEC verpasst.
Als Grund gibt das Unternehmen eine Überprüfung von Buchhaltungspraktiken an. Im Fokus sollen das Cash-Management, Offenlegungspflichten (insbesondere bezüglich des freien Cashflows) und die Effektivität interner Kontrollen stehen. Das deutet gemeinsam mit dem sofortigen Abgang von Finanzchef David Wyshner auf schwerwiegende Irregularitäten und einen Bilanzskandal hin.
Sind diese Zahlen überhaupt belastbar?
Dementsprechend treten die (ohne Übermittlung an die SEC) veröffentlichten Quartalszahlen in den Hintergrund. Das allerdings macht für die Performance der Aktie, die noch in der Vorbörse mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren hat, praktisch keinen Unterschied und ist insofern kein Schaden, als dass diese ohnehin mies ausgefallen sind.
Die Erlöse legten gegenüber dem Vorjahresquartal um magere 3,2 Prozent auf 3,86 Milliarden US-Dollar zu. Damit wurden die Erwartungen um 30 Millionen US-Dollar verfehlt. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie dasselbe Bild: Anstatt der von Analystinnen und Analysten geschätzten 0,60 US-Dollar legte Kyndryl nur 0,52 US-Dollar vor. Damit ist das Unternehmen gegenüber dem Stand vor 12 Monaten nur um 1 Cent vom Fleck gekommen.
Mauer Nettogewinn, lasche Geschäftsprognose
Das bereinigte EBITDA hat Kyndryl mit 696 Millionen US-Dollar angegeben. Ohne Bereinigungen wurde ein Nettogewinn in Höhe von 57 Millionen US-Dollar erwirtschaftet – nach 215 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal, das allerdings von einmaligen Sondereffekten profitiert hatte.
Für das kommende Geschäftsjahr stellte das hastig neu aufgestellte Management einen Vorsteuergewinn von 575 bis 600 Millionen US-Dollar in Aussicht. Die Erlöse sollen währungsbereinigt um 2 bis 3 Prozent sinken – das ist inmitten eines der größten Umbrüche der IT-Branche schlichtweg enttäuschend. Der freie Cashflow soll sich auf 325 bis 375 Millionen US-Dollar belaufen.
Mehr als die Hälfte des Unternehmenswertes schon in der Vorbörse futsch
Für ein Unternehmen und seine Anteilseignerinnen und -eigner kann es praktisch kaum schlimmer kommen: Eine verpasste Einreichungspflicht, schwache Quartalszahlen (die unter Vorbehalt zu betrachten sind) und der fluchtartige Abgang des Finanzvorstands sind nur wenige Eskalationsstufen von einer Bankrotterklärung entfernt.
Dementsprechend vernichtend fiel mit einem Minus von über 50 Prozent noch in der US-Vorbörse die Kursreaktion aus. Die vergangenen 12 Monate waren angesichts von Verlusten in Höhe von 45,3 Prozent sowieso schon zum Vergessen, nun droht der Aktie sogar der Absturz in die Einstelligkeit und damit auf neue Allzeittiefs. IBM kann froh sein, die Sparte früh genug abgespalten und sich selbst überlassen zu haben.
Fazit: Abstand halten und Finger von der Aktie lassen!
Der Markt wird mit den Anteilen des IT-Infrastrukturdienstleisters Kyndryl zum Wochenauftakt kein Erbarmen kennen und der Aktie einen waschechten Crash bescheren. Hier zeichnet sich ein Bilanzskandal ab. Selbst wenn die Korrekturen des Geschäftsberichtes nur geringfügig ausfallen sollten, ist die Wall Street gegenüber Tricksereien bei der Bilanz oft gnadenlos.
Das haben in den vergangenen Jahren Fälle wie Archer-Daniels Midland, Super Micro Computer und zuletzt Fiserv bewiesen. Anlegerinnen und Anleger sollten daher unbedingt davon absehen, den Crash der Aktie trotz der vermeintlich günstigen Unternehmensbewertung als Einstiegschance zu begreifen – hier könnte es noch eine ganze Ecke tiefer gehen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

