Weil KI Arbeitsplätze killt
Jefferies: KI könnte den Weg für Zinssenkungen der Fed ebnen
Laut Christopher Wood, dem Autor der Jefferies-Studie Greed and Fear, könnte sich das KI-Zeitalter strukturell eher als disinflationär denn als inflationär erweisen.
- KI könnte Inflation eher senken als steigern.
- Dienstleistungssektor könnte von KI stark betroffen sein.
- Disinflationäre Effekte noch nicht in Inflationsdaten sichtbar.
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Diese Ansicht steht im Widerspruch zu einem Großteil der heutigen Marktanalysen. Woods Argumentation beruht weniger auf Begeisterung als vielmehr auf ökonomischen Mechanismen.
Anders als frühere Automatisierungswellen, die vor allem die Warenpreise senkten, birgt KI das Potenzial, den Dienstleistungssektor zu belasten, wo die Inflation am hartnäckigsten geblieben ist.
Indem KI in einer Vielzahl von Bürotätigkeiten – von der Softwareentwicklung über die Rechtsprüfung und Logistik bis hin zum Kundenservice – Kapital durch Arbeit ersetzt, könnte sie das Lohnwachstum genau in den Bereichen bremsen, die die Kerninflation so hoch gehalten haben.
Kurz gesagt: Der Analyst geht davon aus, dass durch KI verursachte Kündigungen und Gehaltskürzungen im Dienstleitungssektor die Inflation gestillt wird. Was der Verfasser nicht mitdenkt: Sinkende Einkommen im Dienstleistungssektor bedeuten nicht automatisch sinkende Gesamtinflation. Bei wirtschaftlicher Schwäche und oder hoher Inflation verlagert sich die Nachfrage auf Grundbedarfsgüter, deren Preise dadurch stabil bleiben oder steigen, das heißt die Kerninflation bliebe unangetastet.
Wood geht davon aus: Produktivitätssteigerungen durch KI treten in großem Umfang ein. Dann könnte die Inflation nachlassen, ohne dass es zu den für eine restriktive Geldpolitik üblicherweise notwendigen Nachfrageeinbrüchen kommt. Dies wiederum würde den Zentralbanken einen sachlich nachvollziehbaren Weg zu einer lockeren Geldpolitik eröffnen, ohne dass der Eindruck entsteht, sie würden ihre Inflationsziele aufgeben.
Wood betont, dass diese Effekte in den Inflationsdaten noch nicht sichtbar sind. Stattdessen stellt er das disinflationäre Potenzial von KI als legitimes, zukunftsorientiertes Argument dar – eines, das die Märkte möglicherweise bereits einpreisen, bevor es in den offiziellen Statistiken erscheint.
Sollte dies zutreffen, reichen die Auswirkungen weit über Aktien hinaus und verändern die Erwartungen an Zinsen, Laufzeitprämien und das gesamte makroökonomische Umfeld.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion

