600-Milliarden-Dollar-Blase
Novo verklagt Hims – Wegovy-Milliarden an der Börse fast komplett ausgelöscht
Die Patentklage gegen Hims setzt einen chaotischen Wochenverlauf fort: Preisdruck, Konkurrenz und FDA-Warnungen haben Novo fast den gesamten Wegovy-Marktwert seit 2021 gekostet.
- Patentklage von Novo gegen Hims wegen Nachahmerprodukten.
- Umsatzprognose für 2026: Rückgang um bis zu 13 Prozent.
- Eli Lilly profitiert von Novos Schwäche im GLP-1-Markt.
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Novo Nordisk steht nach einer turbulenten Woche erneut unter Druck: Am Montag reichte der Konzern eine Patentklage gegen Hims & Hers ein, weil das Telemedizinunternehmen Nachahmerprodukte von Wegovy und Ozempic angeboten hatte. Novo wirft Hims vor, mit zusammengesetztem Semaglutid sein US-Patent zu verletzen und Patienten mit "nicht zugelassenen Medikamenten" zu gefährden. Hims nennt den Schritt einen "eklatanten Angriff" von Big Pharma, nachdem es seine Wegovy-Pillen-Kopie am Wochenende bereits vom Markt genommen hatte.
Die Klage setzt den Konflikt fort, der vergangene Woche eskalierte: Hims hatte eine Wegovy-Nachahmertablette für nur 49 US-Dollar pro Monat eingeführt, ehe die FDA am selben Tag vor einem harten Vorgehen gegen "illegale Nachahmermedikamente" warnte. Der Rückzug der Pille stoppte den Schaden nicht. Novo war zuvor bereits wegen seiner eigenen Werbung unter Druck geraten: Die FDA attestierte dem Unternehmen in einem Schreiben "falsche oder irreführende" Aussagen über die neue Wegovy-Tablette und deren angebliche Vorteile gegenüber anderen GLP-1-Präparaten.
Der Rechtsstreit trifft Novo in einer ohnehin angespannten Phase. Zu Beginn der vergangenen Woche warnte das Unternehmen, der Umsatz könne 2026 um bis zu 13 Prozent sinken – belastet durch einen "beispiellosen Preisdruck" in den USA, eine verschärfte Konkurrenzsituation und das nahende Auslaufen des Semaglutid-Patents. Die Aktie brach daraufhin um rund 20 Prozent ein. Damit ist fast der gesamte Marktkapitalisierungsgewinn seit der Wegovy-Zulassung 2021 ausgelöscht. Damals katapultierten Wegovy und Ozempic Novo kurzfristig zum wertvollsten Unternehmen Europas – mit einem Spitzenwert von rund 650 Milliarden US-Dollar Mitte 2024. Heute sind davon nur noch rund 227 Milliarden übrig.
Der Druck der Konkurrenz verstärkt die Unsicherheit zusätzlich. Eli Lilly dominiert mit Zepbound und starken Prognosen den GLP-1-Boom und profitierte zuletzt sichtbar von Novos Schwächephase. Der frühere Semaglutid-Mangel hatte zudem überhaupt erst den Markt für günstigere, zusammengesetzte Präparate geöffnet, von denen Telemedizinanbieter wie Hims bis heute profitieren – sehr zum Ärger der Originalhersteller.
Die FDA kündigte an, künftig härter gegen solche Compounder vorzugehen. Für Anleger bleibt die Lage jedoch angespannt: Novo kämpft gleichzeitig mit regulatorischen Risiken, Preisdruck, Konkurrenz und nun einem aggressiven juristischen Vorgehen, dessen Ausgang über Marktanteile und Margen der kommenden Jahre entscheiden dürfte.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

