Anleger fliehen aus der Aktie
TeamViewer schockt mit Mini-Wachstum: Aktie rutscht wieder Richtung Rekordtief
TeamViewer legt ordentliche Quartalszahlen vor, doch der Ausblick fällt mager aus: Für 2026 erwartet der Konzern nur 0 bis 3 Prozent Umsatzplus. Am Dienstagmorgen rutscht die Aktie rund 6 Prozent ab.
- TeamViewer erwartet 2026 nur 0-3% Umsatzwachstum.
- Quartalszahlen übertreffen Erwartungen, aber Aktie fällt.
- Unsicherheiten durch Wechselkurse und US-Geschäft.
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TeamViewer tritt beim Wachstum auf die Bremse – und der Markt reagiert prompt. Der Spezialist für Fernwartungs- und IT-Management-Software rechnet für 2026 nur noch mit einem Umsatzplus von 0 bis 3 Prozent. Beim bereinigten operativen Ergebnis (adjusted EBITDA) stellt der Konzern eine Marge von rund 43 Prozent in Aussicht. Als Grund nennt TeamViewer die hohe Marktvolatilität, die eine vorsichtige Prognose nötig mache.
Dabei fielen die jüngsten Quartalszahlen besser aus als erwartet. Im vierten Quartal kletterte der Pro-forma-Umsatz um 2 Prozent auf 194,6 Millionen Euro und lag damit über dem von LSEG ermittelten Analystenkonsens von 192,6 Millionen Euro. Das Pro-forma adjusted EBITDA erreichte 87 Millionen Euro, was einer Marge von 45 Prozent entspricht. Konzernchef Oliver Steil zeigte sich dennoch zurückhaltend in der Tonlage, betonte aber in einer Stellungnahme: "Zuversicht, mittelfristig wieder zu einem mittleren bis hohen einstelligen (Umsatz-)Wachstum zurückzukehren und gleichzeitig unsere starke Rentabilität aufrechtzuerhalten."
Für 2025 mussten die Göppinger zugleich eingestehen, dass die zuvor bereits gekappten Ziele wegen negativer Wechselkurseffekte verfehlt wurden. Der Umsatz stieg zwar auf 767,5 Millionen Euro, die jährlich wiederkehrenden Erlöse (ARR) auf knapp 760 Millionen Euro. In Aussicht gestellt waren jedoch 778 bis 797 Millionen Euro Umsatz sowie 780 bis 800 Millionen Euro ARR. Bereinigt um die Euro-Aufwertung seien die eigenen Ziele erreicht worden, heißt es. Die Zahlen entsprechen den vorläufigen Angaben von Anfang Januar.
Zusätzliche Unsicherheit kommt aus den USA: Seit der Übernahme von 1E ist TeamViewer stärker vom dortigen Geschäft abhängig. 1E liefert Software, die IT-Probleme früh erkennt und automatisiert behebt – unter anderem für US-Behörden und staatlich geprägte Auftragnehmer. Ein Regierungsstillstand im Herbst habe Investitionen einzelner Kunden gebremst; deshalb hatte TeamViewer die Ziele für 2025 und 2026 bereits im Oktober teilweise zurückgeschraubt.
An der Börse überwog am Dienstag die Enttäuschung: Zum Xetra-Start fiel die Aktie rund 8 Prozent auf 5,40 Euro und näherte sich damit wieder dem erst wenige Tage alten Rekordtief von gut 5,30 Euro. Im Laufe der ersten Handelsstunde machten die Papiere einen Teil der Verluste wett und notieren rund 4 Prozent im Minus.
RBC-Analystin Wassachon Udomsilpa lobte zwar die Dynamik im Enterprise-Geschäft und erste Erholungssignale bei 1E, kritisierte aber den 2026-Ausblick. Vor allem Währungseffekte könnten die Erwartungen drücken – der Mittelwert der Prognose lasse einen Rückgang der Umsatzschätzungen im Konsens um etwa 3 Prozent erwarten.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
