Rohstoffrallye
Kupfer-Schock: Warum kaufen die USA den Weltmarkt leer?
Die USA horten Kupfer wie seit Jahrzehnten nicht mehr – und treiben den Preis nach oben. Zölle, Spekulation und ein geheimer Rohstoff-Plan sorgen für Spannungen. Droht jetzt die nächste Übertreibung?
- USA horten Kupfer massiv, Preis steigt rasant.
- Handelszölle und Spekulation treiben Markt ins Chaos.
- Kupferpreis als geopolitisches Instrument, Risiken steigen.
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Der Kupferpreis kennt seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. Doch hinter dieser Entwicklung stecken weder die Energiewende noch der China-Boom, sondern eine stille Machtverschiebung: Die USA horten Kupfer in einem Ausmaß, das es seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Und genau das bringt den Weltmarkt aus dem Gleichgewicht.
Zum Jahresauftakt sendete der Kupferpreis ein klares Signal an die Rohstoffmärkte. Nachdem Kupfer im Jahr 2025 bereits um über 40 Prozent zugelegt hatte, übersprang der Preis zu Beginn des Jahres 2026 kurzzeitig die Marke von 13.000 US-Dollar je Tonne. Zuletzt notierte Kupfer bei 11.939,98 US-Dollar je Tonne (1.000 Kilogramm) und gab damit um 16,08 US-Dollar bzw. 0,13 Prozent nach.
Auslöser für den Boom ist die Handelspolitik von Donald Trump. Allein die Angst vor neuen Importzöllen auf raffiniertes Kupfer reichte aus, um den Preis an der New Yorker Comex deutlich über das Londoner Referenzniveau zu treiben. Für Rohstoffhändler war dies ein Geschenk: Kupfer wurde tonnenweise über den Atlantik verschifft – dorthin, wo die Margen am höchsten waren.
Das Ergebnis ist eine massive Lagerbildung in den USA. Die Bestände in börsenzugelassenen Lagerhäusern haben sich innerhalb eines Jahres vervielfacht und markieren den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Rechnet man private Lager hinzu, sprechen Analysten bereits von rund einer Million Tonnen Kupfer – so viel wie eine der größten Minen der Welt in einem ganzen Jahr fördert.
Für den Rest der Welt wird Kupfer damit knapper. Lieferausfälle in Minen von Südamerika bis Asien verschärfen die Lage zusätzlich. Der Preis schoss zeitweise auf neue Rekorde. Doch genau hier beginnt die nächste Gefahr: Immer mehr Marktbeobachter warnen, dass der Kupferpreis fundamental nicht mehr zu rechtfertigen ist. Selbst Analysten von Goldman Sachs sehen Übertreibungssignale, andere sprechen offen von spekulativ getriebenen Niveaus.
Das trifft die Industrie in China besonders hart. Verarbeiter kämpfen mit hohen Rohstoffkosten, die sie kaum weitergeben können. Produktionspausen werden länger und die Nachfrage schwächelt – ein paradoxes Signal, wenn man bedenkt, dass die Lagerhäuser in den USA voll sind.
Doch die Kupferflut könnte anhalten. Washington plant mit "Project Vault" einen strategischen Rohstoffpuffer im zweistelligen Milliardenbereich. Kupfer gilt offiziell als kritischer Rohstoff. Sollte der Staat dauerhaft als Käufer auftreten, wäre das ein struktureller Eingriff in den Markt mit weitreichenden Folgen für die Preise, die Inflation und die Industrie weltweit.
Für Anleger bedeutet das: Der Kupferpreis ist schon lange nicht mehr nur ein Konjunkturindikator. Er ist zum geopolitischen Spielball geworden.
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

