Chinas Tech-Offensive
Offene KI, große Ambition: Alibaba greift Google und Nvidia an
Alibaba veröffentlicht mit "RynnBrain" ein offenes KI-Modell für Robotik. Der Schritt verschärft den globalen Wettlauf um physische künstliche Intelligenz.
- Alibaba veröffentlicht RynnBrain, offenes KI-Modell.
- Modell interagiert mit Umgebung, lernt komplexe Aufgaben.
- Open Source Strategie als Konkurrenz zu westlichen Firmen.
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Alibaba treibt seine Ambitionen im Bereich künstliche Intelligenz weiter voran. Der Konzern hat ein neues KI-Modell vorgestellt, das Robotern und anderen Geräten helfen soll, Aufgaben in der realen Welt auszuführen. Entwickelt wurde das Modell von der hauseigenen Forschungseinheit DAMO Academy, wie Bloomberg berichtet.
RynnBrain soll Maschinen handlungsfähig machen
Das Modell trägt den Namen "RynnBrain". Es gehört zur Klasse sogenannter Foundation Models und ist darauf ausgelegt, mit seiner Umgebung zu interagieren. RynnBrain versteht räumliche Zusammenhänge über die Zeit hinweg und kann Handlungsschritte zur Lösung einer Aufgabe ableiten. Laut Alibaba eignet sich das Modell dafür, Objekte zu erfassen, Bewegungen vorherzusagen und sich in komplexen Umgebungen wie Küchen oder Fabrikhallen zu orientieren.
Mit der Veröffentlichung positioniert sich Alibaba direkt gegen westliche Schwergewichte. Der Konzern sieht RynnBrain auf Augenhöhe mit Google Gemini Robotics ER 1.5 von Alphabet und Cosmos Reason2 von Nvidia. Alibaba spricht von Ergebnissen auf Spitzenniveau bei entsprechenden Benchmarks.
Offene Architektur als strategisches Signal
RynnBrain basiert auf dem hauseigenen Vision Language Modell Qwen3 VL. Alibaba stellt das System als Open Source zur Verfügung. Es ist unter anderem auf Hugging Face und GitHub abrufbar. Angeboten werden mehrere Varianten, beginnend bei Modellen mit 2 Milliarden Parametern bis hin zu einer effizienteren Mixture of Experts Version.
Der Schritt fällt in eine Phase zunehmender geopolitischer Konkurrenz. China und die Vereinigten Staaten ringen um die Vorherrschaft bei physischer künstlicher Intelligenz. Peking hat Robotik, einschließlich humanoider Systeme, zu einem Kernbestandteil seiner industriepolitischen Strategie erklärt. Ziel ist es, Branchen wie Fertigung und Gastgewerbe grundlegend zu verändern.
Open Source als Hebel gegen den Westen
Chinesische Technologiekonzerne verfolgen dabei überwiegend eine Open Source Strategie. Das steht im Gegensatz zum Ansatz vieler US-Unternehmen, die ihre fortschrittlichsten Modelle unter Verschluss halten. In der Robotik-KI war offene Software bislang vor allem ein Thema akademischer Einrichtungen wie der Stanford University oder der University of California in Berkeley. Alibaba könnte diesen Ansatz nun in den industriellen Maßstab überführen und damit die technologische Führungsrolle westlicher Anbieter unter Druck setzen, so Bloomberg.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
