Peso baut Rallye aus
Mexiko ist Gewinner der US-Streitigkeiten
Zolldrohungen aus Washington, protektionistische Rhetorik und Handelsstreitigkeiten können die Rallye des mexikanische Peso nicht stoppen. Im Gegenteil.
- Peso stark trotz Zolldrohungen, steigt weiter an.
- Hohe Zinsen und Nearshoring stützen die Währung.
- Exporte leiden, Fragilität der Inlandsnachfrage wächst.
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Eigentlich liest sich das Drehbuch für Mexiko derzeit wie ein finanzpolitischer Thriller: US-Präsident Donald Trump droht mit massiven Zöllen, und die Neuverhandlung des Handelsabkommens USMCA wirft lange Schatten voraus. Doch die Devisenmärkte spielen nach eigenen Regeln.
Nach einem Plus von 22 Prozent im Jahr 2025 setzt der mexikanische Peso seinen Siegeszug 2026 fort und ist seit Beginn des Jahres bereits wieder um 4,5 Prozent gestiegen. Damit festigt er seinen Ruf als eine der stärksten Schwellenländer-Währungen der Welt.
Hauptgrund für die Stärke ist der Zinsabstand. Während die US-Notenbank Fed signalisiert, die Zinsen zu senken, hält die mexikanische Zentralbank (Banxico) die Zinsen vergleichsweise hoch bei 7,0 Prozent. Dies befeuert den sogenannten Carry Trade: Investoren leihen sich Geld in Währungen mit niedrigeren Zinsen (wie dem Yen oder dem US-Dollar) und parken es in mexikanischen Anlagen, um die hohen Renditen zu kassieren. Solange die Volatilität am Devisenmarkt niedrig bleibt, ist dies eine regelrechte Gelddruckmaschine für Profi-Anleger.
Ein weiterer struktureller Gigant stützt den Peso: Das Phänomen des "Nearshoring". US-Unternehmen ziehen ihre Produktion aus Asien ab und verlagern sie in nähere Länder, zum Beispiel direkt über die Grenze nach Mexiko.
- Vorteil: Kürzere Lieferwege und stabile Handelsbeziehungen unter der Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum.
- Effekt: Es fließen massive Direktinvestitionen ins Land. Um Fabriken zu bauen und Löhne zu zahlen, müssen US-Dollars in Pesos getauscht werden – das erzeugt einen permanenten Kaufdruck auf die Währung.
Warum prallen Trumps Drohungen so wirkungslos ab? Experten argumentieren, dass die wirtschaftliche Verflechtung zwischen den USA und Mexiko inzwischen so tief ist, dass harte Zölle den USA selbst massiv schaden würden. Der Markt preist ein, dass Präsidentin Sheinbaum die Wogen glätten kann. Sollten die Handelsgespräche im Sommer 2026 positiv verlaufen, halten Analysten einen Kurs von 16 oder gar 15 Peso pro Dollar für möglich. Aktuell notiert er bei etwa 17,2.
Doch der strahlende Peso hat eine Schattenseite. Während die Finanzmärkte Rekorde feiern (der iShares Mexico ETF kletterte 2025 um über 50 Prozent), rutschte die Realwirtschaft im dritten Quartal 2025 in eine leichte Kontraktion. Das Problem dahinter ist der starke Peso, der mexikanische Exporte teurer macht. Die Inlandsnachfrage ist fragil, und die Rücküberweisungen von Mexikanern aus den USA bringen in lokaler Währung umgerechnet weniger ein.
Der Peso übertrifft derzeit alle Erwartungen. Er profitiert von einem schwächelnden US-Dollar, boomendem Tourismus und der Gier nach Zinsen. Doch die Positionierung der Spekulanten ist auf einem Rekordhoch – das macht die Währung anfällig für plötzliche Stimmungsumschwünge. Momentan ist der Peso der König der Schwellenländer, ob er diese Position auch nach den Verhandlungen mit Washington im Sommer halten kann, ist offen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

