Gerücht um TikTok-Unternehmen
Samsung rückt in den Fokus: Arbeitet dieser Konzern an einem eigenen KI-Chip?
Quellen zufolge entwickelt der TikTok-Mutterkonzern ByteDance einen eigenen Chip für künstliche Intelligenz und soll mit Samsung über die Fertigung verhandeln.
- ByteDance entwickelt eigenen KI-Chip mit Samsung.
- Ziel: 100.000 Chips bis Ende März 2024 produzieren.
- Milliardeninvestitionen in KI trotz Rückstand zu Rivalen.
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Der chinesische Technologiekonzern ByteDance entwickelt einen eigenen Chip für künstliche Intelligenz. Das berichteten zwei mit der Sache vertraute Personen gegenüber Reuters. Parallel führt das Unternehmen Gespräche mit Samsung Electronics über eine mögliche Fertigung. Ziel ist es, sich den Zugang zu leistungsfähigen Prozessoren langfristig zu sichern.
ByteDance will laut den Quellen bis Ende März erste Musterchips erhalten. In diesem Jahr sollen mindestens 100.000 Einheiten produziert werden. Eine der Personen sagte, die Produktion solle schrittweise auf bis zu 350.000 Chips steigen. Der Prozessor ist für sogenannte Inferenz-Aufgaben ausgelegt, also für den Betrieb trainierter KI-Modelle.
Gespräche mit Samsung besonders attraktiv
Die Verhandlungen mit Samsung umfassen nach Angaben einer Quelle auch den Zugang zu Speicherchips. Diese sind wegen des globalen Ausbaus von KI-Infrastruktur derzeit extrem knapp. Gerade dieser Punkt mache Samsung für ByteDance besonders interessant.
Ein Sprecher von ByteDance widersprach dem Bericht jedoch. Die Informationen über ein internes Chip-Projekt seien unzutreffend, erklärte er, ohne Details zu nennen. Samsung lehnte eine Stellungnahme gegenüber Reuters ab.
Teil einer langfristigen KI-Strategie
Sollte das Projekt umgesetzt werden, wäre es ein Meilenstein für ByteDance. Der Konzern arbeitet bereits seit mindestens 2022 am Aufbau eigener Chip-Kompetenzen und stellte dafür gezielt Fachkräfte ein. Im Juni 2024 hatte Reuters berichtet, dass ByteDance gemeinsam mit dem US-Designer Broadcom an einem fortschrittlichen KI-Prozessor arbeite, der bei TSMC gefertigt werden sollte.
Viele globale Tech-Konzerne wie Google, Amazon und Microsoft entwickeln inzwischen eigene KI-Chips. Sie wollen damit ihre Abhängigkeit von Nvidia reduzieren. Für chinesische Unternehmen kommt der Druck durch US-Exportbeschränkungen hinzu, die den Zugang zu modernen Chips erschweren.
Rivalen sind bereits weiter
ByteDance hat bislang keinen eigenen Chip auf den Markt gebracht. Konkurrenten sind bereits weiter forteschritten: Alibaba stellte zuletzt seinen Zhenwu-Chip für große KI-Workloads vor. Baidu verkauft bereits Chips an externe Kunden und plant einen Börsengang seiner Chip-Tochter Kunlunxin.
Das Projekt mit dem Codenamen SeedChip ist Teil einer umfassenden KI-Offensive. ByteDance bündelt Investitionen von Chips über große Sprachmodelle bis zu Anwendungen für Kurzvideos, E-Commerce und Cloud-Dienste. Dafür gründete der Konzern 2023 die Einheit Seed zur Entwicklung von KI-Modellen.
Milliardeninvestitionen trotz Rückstand
ByteDance will in diesem Jahr mehr als 160 Milliarden Yuan (rund 19,4 Milliarden Euro) für KI-bezogene Beschaffungen ausgeben. Mehr als die Hälfte davon fließt laut einer Quelle in Nvidia-Chips, darunter Modelle vom Typ H200, sowie in die Weiterentwicklung eigener Prozessoren.
Konzernmanager Zhao Qi sagte laut einer weiteren Quelle bei einem internen Treffen im Januar, die KI-Investitionen würden allen Geschäftsbereichen zugutekommen. Er räumte ein, dass ByteDances Modelle hinter führenden Anbietern wie OpenAI zurücklägen, versprach aber weitere Unterstützung für die KI-Entwicklung.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

