Hiobsbotschaften ohne Ende
Gerresheimer steht vor einem Scherbenhaufen: Aktie verliert mehr als 30 Prozent
Chaos bei Gerresheimer: Die Bafin ermittelt, Fehler in den Bilanzen, Abschreibungen und ein Umsatzrückgang von bis zu 4 Prozent. Jetzt soll die US-Tochter verkauft werden. Die Aktie bricht am Mittwoch erneut kräftig ein.
- Bafin ermittelt wegen Bilanzfehlern bei Gerresheimer.
- US-Tochter Centor soll verkauft, Werk geschlossen.
- Aktie fällt auf tiefsten Stand seit Finanzkrise 2009.
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Der Düsseldorfer Verpackungsspezialist Gerresheimer hat erklärt, dass einige Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und die internationalen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen haben. Es wurden bereits personelle Konsequenzen gezogen. Der Jahresabschluss 2025 kann nun nicht wie geplant am 26. Februar veröffentlicht werden.
Um die finanzielle Situation zu stabilisieren, plant Gerresheimer, seine US-Tochter Centor zu verkaufen und ein Werk in den USA zu schließen. Centor, das Verpackungslösungen für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA herstellt, war zum Jahresende 2024 rund 292 Millionen Euro wert. Für das Unternehmen gibt es bereits Käuferinteresse, und die Investmentbank Morgan Stanley soll noch in diesem Jahr einen neuen Eigentümer finden. Die Verlagerung von Produktionsstätten in Italien und Indien soll zudem die Geschäftskosten optimieren.
Anleger verkauften die Papiere am Mittwoch gnadenlos ab und ließen die Aktie auf unter 20 Euro und damit den tiefsten Stand seit der Finanzkrise 2009 fallen. Eine Stunde nach Handelsstart notiert die Aktie 32 Prozent im Minus.
Die jüngste Talfahrt folgt auf einen bereits schwierigen Verlauf der Gerresheimer-Aktien in den letzten Monaten. Anfang 2025 notierten die Papiere noch bei rund 80 Euro, doch die Hoffnungen auf eine Übernahme verflogen rasch. Nachdem Gespräche mit Finanzinvestoren über ein mögliches Übernahmeangebot im Juli eingestellt wurden, kam zusätzlich eine schwache Geschäftsentwicklung auf, was zu einem Rückzug bei den Geschäftszielen führte.
Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, waren in der Bilanz für 2024 etwa 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes Ebitda zu viel verbucht worden. Das habe auch Folgen für die 2025er Bilanz. Hier wird nunmehr ein Umsatzrückgang am oberen Ende der Prognosespanne von minus vier bis minus zwei Prozent erwartet, möglicherweise auch geringfügig besser.
Für 2026 stellt der Konzern trotz eines schwächeren ersten Halbjahres eine Erholung des Geschäfts in Aussicht. Gerresheimer rechnet mit einem stabilen Marktumfeld im Pharma- und Kosmetikbereich und plant eine Umsatzspanne von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro bei einer bereinigten Marge von 18 bis 19 Prozent.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
Die Gerresheimer Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -31,02 % und einem Kurs von 18,79EUR auf Tradegate (11. Februar 2026, 10:14 Uhr) gehandelt.
