Halbleiter unter Druck
KI-Nachfrage lässt Speicherpreise explodieren: "Alle sind ein bisschen in Panik"
SMIC-CEO Zhao Haijun warnt, dass die KI-Nachfrage nach Speicherchips andere Branchen trifft und die Preise explodieren lässt.
- KI-Nachfrage drückt auf Speicherchip-Angebot.
- Preise für Speicherchips stiegen um 80-90 Prozent.
- Hoffnung auf Entspannung in neun Monaten.
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Die Halbleiterindustrie steht laut Zhao Haijun, Co-Chef von China’s größtem Auftragsfertiger SMIC, unter starkem Druck, wie das Wall Street Journal berichtete. Grund ist die massive Nachfrage nach Speicherchips durch künstliche Intelligenz. "Alle sind ein bisschen in Panik", sagte Zhao während einer Telefonkonferenz nach den Quartalszahlen am Mittwoch.
Die starke Nachfrage von KI-Netzwerken habe das Angebot für andere Bereiche, etwa Smartphones im unteren Preissegment, erheblich verknappt. Zhao wies zudem darauf hin, dass die Lage durch Überbuchungen von Herstellern verschärft werde, die dringend benötigte Komponenten sichern wollen.
Auch SK Hynix, Samsung und Micron, die zusammen mehr als 90 Prozent aller Speicherchips produzieren, könnten die Nachfrage durch KI-Systeme nicht vollständig befriedigen, während sie weiterhin Speicher für PCs und Smartphones liefern. Das verschärft die Situation für Hersteller mittlerer und niedriger Preissegmente, die bereits einen Rückgang bei Bestellungen verzeichnen, so Zhao.
Preise explodieren, Konsumenten spüren Folgen
Die Preise für Speicherchips stiegen seit Ende des Vorjahres um 80 bis 90 Prozent, berichtete das Marktforschungsunternehmen Counterpoint. Besonders dynamischer Arbeitsspeicher für allgemeine Server verzeichnete deutliche Preissprünge.
"Für Gerätehersteller ist das ein doppelter Schlag", erklärte Counterpoint-Analyst Jeongku Choi. Steigende Bauteilpreise und schwächere Kaufkraft der Verbraucher könnten die Nachfrage nach Elektronikprodukten bremsen.
SMIC beobachte bereits einen Rückgang bei Bestellungen von Herstellern mittlerer und niedriger Preissegmente, insbesondere bei Smartphones. Selbst wenn die Kostensteigerungen an die Kunden weitergegeben werden könnten, sei ein Rückgang der Verbrauchernachfrage wahrscheinlich, so Zhao.
Hoffnung auf Entspannung in 9 Monaten
Trotz der angespannten Lage zeigte Zhao auch eine vorsichtige Perspektive: Neue Lieferungen könnten in neun Monaten auf den Markt kommen. SMIC habe Kunden aus der Konsumelektronikbranche geraten, nicht zu pessimistisch zu sein. Vorrangig könnten Chips für diese Produkte verfügbar werden, während Hochbandbreiten-Speicher für KI-Anwendungen eine längere Prüf- und Freigabezeit benötige.
Für das erste Quartal 2026 erwartet SMIC einen Umsatz auf dem Niveau des Vorquartals und eine Bruttomarge zwischen 18 und 20 Prozent. Nach Bekanntgabe dieser vorsichtigen Prognose schlossen die an der Hongkonger Börse notierten SMIC-Aktien am Mittwoch mit einem Minus von 2,17 Prozent.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

