Sell-America-Welle rollt
Dritter Fed-Cut könnte US-Dollar um 10 % abstürzen lassen
Der US-Dollar wankt: Fed-Cuts, Trump-Druck und China-Abverkäufe bringen die US-Währung ins Rutschen. Ein Top-Stratege prognostiziert jetzt ein Szenario, das den US-Dollar zweistellig abstürzen lassen könnte.
- US-Dollar unter Druck: Fed-Cuts und Trump-Druck.
- Prognose: Dollar könnte bis 10% bis 2026 fallen.
- Chinesische Verkäufe verstärken Verkaufsdruck auf Dollar.
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Der US-Dollar gerät zunehmend unter Druck, und mehrere neue Faktoren deuten laut Experten auf weitere Schwäche hin. Besonders deutlich wird die Warnung von Lee Ferridge, Stratege bei State Street, der für 2026 einen Dollar-Verfall von bis zu 10 Prozent für möglich hält. Er rechnet damit, dass die US-Notenbank deutlich stärker lockern muss, als die Märkte derzeit erwarten. Marktteilnehmer gehen bislang von zwei Zinssenkungen ab Juni aus. Ferridge sieht jedoch "Spielraum für eine dritte Senkung", sobald der von Präsident Donald Trump nominierte Fed-Nachfolger Kevin Warsh das Amt übernimmt und politischer Druck zunimmt, die Kreditkosten aggressiver zu senken. "Drei sind möglich", sagte Ferridge am Rande der TradeTech-Konferenz in Miami.
Der US-Dollar leidet bereits seit Monaten unter dem Zinswende-Narrativ. Der Bloomberg Dollar Spot Index ist seit Jahresbeginn um 1,7 Prozent gefallen, nachdem die US-Währung bereits 2025 mit einem Minus von acht Prozent die schwächste Jahresperformance seit 2017 verzeichnet hatte. Sinkende US-Zinsen hätten zudem eine zweite Wirkung: Sie machen es für ausländische Investoren günstiger, ihre Dollarpositionen abzusichern. Steigt die Hedge-Quote – aktuell rund 58 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau vor Beginn der Fed-Zinserhöhungen 2022 – erhöht das den Verkaufsdruck auf den Greenback zusätzlich.
Gleichzeitig rückt das Thema "Sell America" wieder in den Fokus. Ein Bericht von Bloomberg erzeugte am Montag neue Nervosität, nachdem chinesische Regulierungsbehörden Banken geraten haben sollen, ihre Bestände an US-Staatsanleihen zu reduzieren. Das nährte Spekulationen über eine breitere Abkehr chinesischer Institutionen von US-Vermögenswerten. Der Effekt war unmittelbar sichtbar: Der viel beachtete ICE-US-Dollar-Index fiel auf 96,8 Punkte – nahe dem Vierjahrestief vom Januar.
Auch geopolitische Entwicklungen verstärken die Dollar-Schwäche. Die Parlamentswahl in Japan brachte Premierministerin Sanae Takaichi eine stabile Supermehrheit und reduzierte die politische Unsicherheit – der Yen legte daraufhin zu. Händler bewerten die japanische Klarheit jedoch als weniger bedeutend als das Signal aus China. "Die Nachrichten aus China schaden dem US-Dollar mehr als die aus Japan", sagte Amarjit Sahota von Klarity FX. Die Debatte um den globalen Reservewährungsstatus des US-Dollars bekommt damit neue Nahrung.
Kurzfristig hält Ferridge zwar eine technische Erholung des US-Dollar um zwei bis drei Prozent für möglich – getragen von stabileren US-Konjunkturdaten. Doch bei einer Bestätigung von Kevin Warsh und einem Abrutschen in eine noch lockerere Fed-Politik sieht er die Richtung klar vorgegeben: Der strukturelle Druck auf den US-Dollar dürfte weiter steigen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

