Speicherkrise hält an
Micron-Aktie: Die Analysten kommen einfach nicht hinterher!
Der Speicherchip-Hersteller Micron hat am Mittwoch bekannt gegeben, seinen HBM4-Speicher früher auf den Markt zu bringen, als von Experten bislang erwartet.
- Micron bringt HBM4-Speicher früher auf den Markt.
- Hohe Nachfrage nach Speicherchips treibt Preise stark.
- Analysten erhöhen Kursziele, Aktie steigt um 6%.
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Speicherchips sind der neue heiße Scheiß
Nach KI-Beschleunigern von Nvidia hat der KI-Trade seinen nächsten Flaschenhals: Speicherchips. Der rasante Ausbau von Datenzentren hat eine gewaltige Nachfrage sowohl nach Arbeits-, als auch Massenspeicher zur Folge. Da sich die Fertigungskapazitäten auf wenige Wettbewerber verteilen, kommen die mit der Produktion kaum hinter. Die Folge ist eine Preisexplosion.
Die schlägt sich in der Kursentwicklung entsprechend nieder. Die drei führenden Hersteller Micron, Samsung und SK Hynix haben im letzten Jahr mehrere Hundert Prozent an Wert gewonnen. Ihnen folgen die Papiere kleinerer Mitbewerber wie SanDisk, Seagate und Western Digital.
Samsung legt vor, Micron schlägt zurück
Besonders margenstark ist aktuell sogenannter HBM-Speicher, also Speicher mit hoher Bandbreite, weil dieser unter anderem in den Grafikbeschleunigern von Nvidia zum Einsatz kommt. Bei der neuen Generation HBM4 waren die beiden südkoreanischen Mitbewerber zuerst am Markt, während Micron zunächst abgehängt schien.
Doch am Mittwoch hat das Unternehmen verlauten lassen, dass frühere Berichte über einen verspäteten Produktionsstark nicht richtig seien und die Massenfertigung bereits angelaufen wäre. Die würde bereits zahlreiche Abnehmer finden, weil die Nachfrage das Angebot bei Weitem übersteige.
Auf einer Investorenkonferenz teilte Finanzchef Mark Murphy außerdem mit, dass Micron eine über 2026 anhaltende Speicherknappheit und enge Marktbedingungen erwarte. Das lässt anhaltend hohe Speicherpreise und entsprechend starke Margen erwartet.
Die Kursziele der Analysten steigen immer schneller
Angesichts des rapiden Kursanstiegs der Aktie, die allein seit dem Jahreswechsel knapp 40 Prozent an Wert gewonnen hat, kamen Analystinnen und Analysten in den vergangenen Wochen kaum mit ihren Kurszielen hinterher.
Die vielversprechenden Aussagen des CFO hat am Mittwoch eine Kurszielanhebung von Morgan Stanley flankiert. Die US-Investmentbank sieht den fairen Wert der Aktie nun bei 450 US-Dollar nach zuvor 350 US-Dollar. Bereits am Dienstag hatte die Deutsche Bank ihr Kursziel von 300 auf 500 US-Dollar nachgezogen.
Damit befinden sich die beiden in guter Gesellschaft. In den vergangenen 3 Monaten ist das durchschnittliche Kursziel von 237,50 auf 376,25 US-Dollar gestiegen. Selbst dieser Konsens ist mit Blick auf den Kurs vom Mittwochabend (rund 394 US-Dollar) bereits obsolet.
Aktie macht jüngst Gewinnmitnahmen weg, Chart mahnt zur Vorsicht
Die Richtigstellung des Unternehmens bezüglich seines HBM4-Speichers kommt am Markt hervorragend an. Die Aktie konnte am Mittwoch um rund 6 Prozent zulegen. Dabei profitierte sie auch von einem konstruktiven Gesamtmarktumfeld, nachdem die Arbeitsmarktdaten für Januar deutlich besser ausgefallen sind als erwartet.
Gegenüber dem Stand vor einem Jahr steht inzwischen ein Plus von fast 320 Prozent zu Buche. Damit ist im langfristigen Chart eine Fahnenstange entstanden, die selbst die der Dotcom-Blase in den Schatten stellt. Wenngleich es für Micron und seine Wettbewerber aktuell fundamental kaum besser laufen könnte, ist mit Blick auf die technische Überhitzung der Aktie Vorsicht geboten.
Nach ersten Gewinnmitnahmen in den vergangenen Tagen wurde der Relative-Stärke-Index auf Tageskursbasis konsolidiert. Mit 56,9 Punkten liegt er im moderaten Bereich. Auf Wochen- und Monatskursbasis ist mit 80 und knapp 85 Punkten die als überkauft geltende Schwelle von 70 Zählern längst überschritten.
Fazit: Der Höhenflug geht weiter, nur wie lange noch?
Die Micron-Aktie (und mit ihr die seiner Mitbewerber) ist am Mittwoch nach positiven Unternehmensaussagen und weiteren positiven Analystenkommentaren erneut gefragt, womit sie ihren steilen Höhenflug der vergangenen Wochen und Monate fortsetzen kann.
Völlig sorglos sollten Anlegerinnen und Anleger hier aufgrund des weit fortgeschrittenen Aufwärtstrends jedoch nicht mehr agieren, wenngleich die Bewertung mit einem KGVe 2026 von 11,1 optisch günstig erscheint. Sobald nur irgendeiner der drei großen Speicherchiphersteller eine geringfügig unter den Erwartungen liegende Margenprognose abgibt, kann es hier ähnlich wie bei Broadcom im vergangenen Herbst steil bergab gehen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

