Amerikas teuerste Rechnung
Zwei Billionen US-Dollar nur für Zinsen – USA vor Schulden-Rekord von 1946
Das US-Defizit bleibt hoch, die Schuldenquote steigt Richtung 120 Prozent. Bis 2036 könnten allein die Zinsen fünf Prozent der Wirtschaftsleistung verschlingen – mit Folgen für Zinsen und Bewertungen.
- US-Schuldenquote steigt bis 2030 auf 120 Prozent.
- Zinskosten könnten bis 2036 auf 2,14 Billionen steigen.
- Fiskalische Leitplanken dringend gefordert, Kurswechsel nötig.
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Die USA steuern nach Einschätzung der Haushaltsaufsicht auf eine historisch beispiellose Verschuldung zu. Das Congressional Budget Office (CBO) warnt in seiner aktuellen Prognose, dass die Schuldenquote der öffentlich gehaltenen Staatsverschuldung ("debt held by the public") bereits 2030 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen wird. Damit würde der bisherige Höchststand von 106 Prozent aus dem Jahr 1946 – erreicht nach den massiven Kriegsausgaben des Zweiten Weltkriegs – schon in vier Jahren übertroffen.
Schon heute beläuft sich das Haushaltsdefizit auf rund 1,9 Billionen US-Dollar, die Gesamtverschuldung liegt laut Fortune bei 101 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für 2026 erwartet das CBO ein Defizit von 1,8 Billionen US-Dollar oder 5,8 Prozent des BIP, bis 2036 soll es auf 3,1 Billionen US-Dollar beziehungsweise rund sieben Prozent anwachsen. Bleibt die Gesetzeslage unverändert, könnte die Schuldenquote bis 2056 auf 175 Prozent steigen.
Besonders alarmierend sind die wachsenden Zinskosten. Aktuell zahlt die US-Regierung bereits Hunderte Milliarden US-Dollar pro Jahr für den Schuldendienst, bis 2036 sollen es 2,14 Billionen US-Dollar jährlich sein – etwa fünf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung und fast doppelt so viel wie heute. Damit würden die Zinsausgaben nahezu das Doppelte des Verteidigungshaushalts erreichen. CBO-Direktor Phillip Swagel warnt, die aktuellen Haushalts- und Schuldenprojektionen "deuten weiterhin darauf hin, dass der finanzpolitische Kurs nicht nachhaltig ist". Wenn der Bund massiv Kredite aufnimmt, konkurriere er mit Unternehmen um Kapital, was Zinsen erhöhe und private Investitionen verdrängen könne.
Maya MacGuineas, Präsidentin des Committee for a Responsible Federal Budget, spricht von einer dramatischen Entwicklung: "Es gibt hier keine Überraschungen oder ermutigende Nachrichten: Die Defizite, Schulden, Zinszahlungen und Treuhandfonds unseres Landes sind alle in einem schrecklichen Zustand." Angesichts geopolitischer Spannungen und einer alternden Bevölkerung sei es "nichts weniger als Selbstsabotage, mit einem solchen selbst auferlegten Nachteil zu operieren".
Tatsächlich steigen die strukturellen Ausgaben stark. Die Zahl der über 65-Jährigen dürfte bis 2050 deutlich zunehmen. Entsprechend wachsen die Kosten für Sozialversicherung von 1,6 Billionen US-Dollar im Jahr 2026 auf 2,7 Billionen US-Dollar 2036, Gesundheitsprogramme wie Medicare und Medicaid von 1,9 auf 3,1 Billionen US-Dollar. Zusammen mit den Nettozinskosten beanspruchen diese Posten einen immer größeren Teil des Haushalts. Gleichzeitig drohen zentrale Fonds wie der Highway Trust Fund bis 2028 und der Social Security Old-Age and Survivors Insurance Trust Fund bis 2032 erschöpft zu sein.
Zwar rechnet das CBO mit steigenden Staatseinnahmen – von 5,6 Billionen US-Dollar 2026 auf mehr als 8,3 Billionen US-Dollar 2036 –, doch reichen sie nicht aus, um die Dynamik zu bremsen. Auch Zolleinnahmen, die das Defizit rechnerisch senken, gelten als unsicher und potenziell inflationstreibend.
Überparteiliche Organisationen wie das Committee for a Responsible Federal Budget und die Peter G. Peterson Foundation fordern daher fiskalische Leitplanken. Michael Peterson mahnt: "Die jüngste Haushaltsprognose des CBO ist eine dringende Warnung an unsere Politiker hinsichtlich des kostspieligen finanzpolitischen Kurses der USA.". Ohne Kurswechsel drohten höhere Zinsen, steigende Preise und wachsende Belastungen für kommende Generationen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
