Chipgiganten im KI-Duell
Milliardenkampf um KI-Chips: Holt Broadcom zu Nvidia auf?
Broadcoms KI-Prozessoren gewinnen rasant Marktanteile. Die UBS sieht Milliardenpotenzial und wachsenden Druck auf Nvidia. Jetzt reagiert der Markt.
- : Broadcom-TPUs erobern Markt, Druck auf Nvidia!
- : Großaufträge: TPUs günstiger bei Inferenz und
- : Nvidia reagiert mit Groq-Deal, UBS ist bullish
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Nvidia dominierte den Markt für KI-Chips jahrelang mit leistungsstarken Grafikprozessoren. Nun wächst der Wettbewerbsdruck. Grund ist der Erfolg der sogenannten Tensor Processing Units, kurz TPUs, die Google gemeinsam mit Broadcom entwickelt hat, wie Barron's berichtete.
Milliardenaufträge treiben TPUs ins Rampenlicht
Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat das KI-Start-up Anthropic zwei Großaufträge im Gesamtwert von 21 Milliarden US-Dollar platziert. Auch Meta Platforms führt demnach Gespräche über den Einsatz der Prozessoren. Damit könnten die TPUs erstmals in großem Stil an externe Kunden verkauft werden. Der UBS-Analyst Timothy Arcuri schreibt: "Viele haben sich TPU als Zwischenalternative zu GPU zugewandt, und wir glauben, dass die Nachfrage deutlich zunimmt."
Arcuri gilt laut Auswertungen von Analysten-Rankings als besonders treffsicher und gehört zu den Spitzenanalysten an der Wall Street: Bei TipRanks rangiert er auf Platz 5 von 12.108 Wall-Street-Analysten und weist eine Erfolgsquote von 77 Prozent auf. Arcuri erwartet, dass Broadcom in diesem Jahr rund 3,7 Millionen TPUs ausliefert. Bis 2027 sollen es mehr als 5 Millionen Stück werden. Der KI-Umsatz könnte 2026 etwa 60 Milliarden US-Dollar erreichen und 2027 auf 106 Milliarden US-Dollar steigen.
Zum Vergleich: Nvidia soll laut FactSet im Geschäftsjahr 2027 rund 300 Milliarden US-Dollar im Rechenzentrumsgeschäft erzielen – vor allem dank seiner Grafikprozessoren.
Preisvorteil bei Inferenz
Die durchschnittlichen Verkaufspreise der TPUs liegen laut der UBS zwischen 10.500 und 15.000 US-Dollar und könnten mittelfristig auf 20.000 US-Dollar steigen. Analysten schätzen die neuesten Blackwell-Chips von Nvidia dagegen auf 40.000 bis 50.000 US-Dollar pro Einheit.
Das verschafft TPUs Vorteile bei der sogenannten Inferenz, also der Generierung von Antworten durch KI-Modelle. Beim Training bleibt Nvidia jedoch klar vorne. Arcuri schreibt: "Laut Benchmarks ist die Leistung der neuesten Ironwood-TPUs bei der Inferenz mit der von [Nvidias] GB300 vergleichbar, beim Training jedoch nur etwa halb so hoch. Anekdotisch lässt sich sagen, dass ein Modell, das auf den neuesten NVDA-GPUs in 35 bis 50 Tagen trainiert werden könnte, auf TPUs etwa drei Monate Training benötigen würde."
Analysten von Mizuho schätzen, dass aktuell 20 Prozent bis 40 Prozent der KI-Arbeitslasten auf Inferenz entfallen. In den kommenden 5 Jahren könnte dieser Anteil auf 60 Prozent bis 80 Prozent steigen.
Nvidia kontert mit Groq-Deal
Nvidia reagiert: Laut dem Wall Street Journal sicherte sich der Konzern für 20 Milliarden US-Dollar eine nicht exklusive Lizenz an Technologie des KI-Hardware-Start-ups Groq. Ziel ist es, im Inferenzmarkt aufzuholen.
Arcuri bleibt zuversichtlich: "Wir sehen kurzfristig keinen Grund, von der von Nvidia prognostizierten Bruttomarge von 75 Prozent abzuweichen, obwohl Investoren angesichts der wahrgenommenen Bedrohung durch Google/Broadcom TPU begonnen haben, die Nachhaltigkeit dieser Werte in Frage zu stellen."
Die UBS erhöht das Kursziel für Nvidia von 235 auf 245 US-Dollar und bekräftigt das Votum "Buy". Damit bleibt die Bank unter dem Analystenkonsens von 253,79 US-Dollar, wie Daten von Seeking Alpha belegen.
Für Broadcom ruft Arcuri ein Ziel von 475 US-Dollar aus und empfiehlt die Aktie ebenfalls zum Kauf. Dieses Niveau liegt über dem Marktkonsens von 455,90 US-Dollar, wie aus Zahlen von Seeking Alpha hervorgeht.
Der Kampf um den KI-Chipmarkt wird intensiver. Und er entscheidet über Milliarden.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
