Edelmetallrallye
Gold – Die Blase, die 4.000 Jahre nicht platzte!
Seit Jahrtausenden gilt Gold als wertvoll, und als Inbegriff von Reichtum und Sicherheit. Doch warum eigentlich? Nur weil es selten ist und schön glänzt? Denn Dividenden oder Zinsen zahlt das gelbe Edelmetall nicht.
- Gold gilt seit Jahrtausenden als wertvoller Vermögenswert.
- Gold hat keinen inhärenten Wert, keine Erträge.
- Fiat-Währungen sind anfällig, Gold bleibt stabil.
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Der Goldpreis eilt von einem Allzeithoch zum nächsten. Zwar ist er zuletzt wieder auf knapp 4.947 US-Dollar gefallen, doch der langfristige Aufwärtstrend scheint weiterhin intakt zu sein. Viele Anleger fragen sich: Wie weit wird der Goldpreis noch steigen? Befinden wir uns nicht längst in einer Blase? Der Versuch einer ziemlich langen Antwort.
Was ist eine Blase?
Um zu verstehen, warum der Begriff "Blase" in Bezug auf Gold nicht ganz zutrifft, müssen wir zunächst klären, was eine Finanzblase eigentlich ist. Eine Blase entsteht, wenn der Preis eines Vermögenswerts – sei es eine Immobilie, eine Aktie oder ein Rohstoff – so stark steigt, dass er durch keine fundamentalen, wirtschaftlichen Faktoren mehr gerechtfertigt werden kann. Ein klassisches Beispiel ist die Immobilienblase der 2000er Jahre, als die Preise für Häuser in den USA auf ein Niveau anstiegen, das weit über die Mieten und die tatsächlichen Einkünfte aus Immobilienbesitz hinausgingen. Ähnlich verhielt es sich während der Dotcom-Blase, als Aktien von Technologieunternehmen auf absurde Bewertungsniveaus kletterten, ohne dass diese Unternehmen Gewinne oder eine nachhaltige Geschäftsstrategie vorweisen konnten.
Gold und seine fehlenden Fundamentaldaten
Anders als Immobilien oder Aktien ist Gold kein einkommensgenerierender Vermögenswert. Gold zahlt keine Dividenden, Zinsen oder Mieten. Es gibt durchaus industrielle Anwendungen von Gold, beispielsweise in der Elektronikindustrie oder der Schmuckherstellung, aber diese nehmen einen vergleichsweise kleinen Teil der weltweiten Goldnachfrage ein. Der größte Teil des Goldes wird als Investment gehalten, insbesondere als "sicherer Hafen" in unsicheren Zeiten oder als Absicherung gegen Inflation.
Im Gegensatz zu anderen Vermögenswerten, deren Preise durch die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Fundamentaldaten (wie etwa Gewinnprognosen bei Aktien oder Mietrenditen bei Immobilien) bestimmt werden, bleibt der Wert von Gold weitgehend unklar und schwer fassbar. Vielmehr wurde es über Generationen hinweg von Investoren als wertvoll angesehen, da es in der Vergangenheit stets einen gewissen Wert hatte.
Ökonom Tim Harford fasste es gegenüber NPR treffend zusammen:
.. es ist einfach nicht klar, was der fundamentale Wert von Gold ist. Es ist etwas wert, weil die Menschen immer gedacht haben, dass es etwas wert ist. Und das ist wirklich seltsam, denn es bedeutet, dass sich Gold in einer 4.000 Jahre alten Blase befindet. Und wenn es 4.000 Jahre lang gehalten hat, hält es vielleicht noch weitere 4.000 Jahre. Wer bin ich, dass ich das beurteilen könnte?
Warren Buffett "Wenn Sie eine Unze Gold besitzen, werden Sie am Ende nur eine Unze haben"
Warren Buffett hat sich wiederholt kritisch zu Gold als langfristiger Anlage geäußert. In einem seiner bekanntesten Interviews bezeichnete er Gold als Anlage im Wesentlichen als"spekulative Wette." Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Betrieben oder Unternehmen, die einen klaren, kalkulierbaren Ertrag liefern, hat Gold keinen inhärenten Wert. Es erzeugt keine Einkünfte und bringt keine Dividenden oder Zinsen. Sein Wert beruht allein auf der Hoffnung, dass andere Investoren in der Zukunft bereit sein werden, einen höheren Preis zu zahlen. Buffett vergleicht Gold mit einem großen, wertvollen Block, der lediglich herumgestellt werden kann, aber keine nützlichen Erträge bietet – eine Spekulation, die nur dann aufgeht, wenn die Angst vor Inflation oder wirtschaftlichen Krisen groß genug ist, um die Nachfrage zu steigern.
Buffett bevorzugt Investitionen in produktive Vermögenswerte, die einen konkreten Ertrag liefern. Ob landwirtschaftliche Flächen oder Aktien von Unternehmen – diese Anlagen haben einen klaren Wert, der sich aus den Einnahmen ableitet, die sie in der Zukunft generieren werden. Im Gegensatz zu Gold, das nur auf Vertrauen und zukünftigen Ängsten beruht, sind produktive Vermögenswerte in der Lage, über Jahre hinweg einen realen Wert zu liefern. Dieser bildet die Grundlage für eine nachhaltige Wertsteigerung. Buffett und sein Partner Charlie Munger halten Gold deshalb für eine unkluge langfristige Investition, da es, wie sie es ausdrücken, "nur dann steigt, wenn die Welt wirklich in Schwierigkeiten steckt". Dies macht Gold zu einer riskanten Wahl für langfristige Anleger, die auf Beständigkeit und reale Erträge setzen.
Kurze Geschichte des Goldes
Die Geschichte des Goldes ist dennoch untrennbar mit der Entwicklung der menschlichen Zivilisation verknüpft. Schon in den frühesten Hochkulturen, wie im Alten Ägypten, war Gold ein Symbol für Macht, Reichtum und Göttlichkeit. Die Ägypter verwendeten es nicht nur für Schmuck und Kunstwerke, sondern auch für die Verzierung ihrer Tempel und Gräber. Besonders bekannt sind die goldenen Masken und Beigaben in den Gräbern der Pharaonen, die den Glauben an das Leben nach dem Tod und den unsterblichen Wert des Goldes widerspiegeln. Auch die antiken Kulturen Griechenlands und Roms erkannten den Wert von Gold und begannen, es als offizielles Zahlungsmittel zu prägen. Diese frühen Goldmünzen waren nicht nur ein Mittel des Handels, sondern auch ein Statussymbol und ein Zeichen der Stabilität in den jeweiligen Reichen.
Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit blieb Gold ein zentraler Bestandteil des internationalen Handels. Der wachsende Handel zwischen Europa, Asien und Afrika sorgte dafür, dass Gold als Zahlungsmittel und Wertaufbewahrungsmittel immer mehr an Bedeutung gewann. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert, als europäische Kolonialmächte große Mengen Gold aus den neu entdeckten Ländern in Amerika nach Europa brachten, wurde Gold zu einer treibenden Kraft der Wirtschaft. Die Einführung des Goldstandards im 19. Jahrhundert verstärkte diese Entwicklung weiter, indem sie den Währungen vieler Länder einen festen Wert gab, der durch Goldreserven gedeckt war. Dies schuf eine stabile Grundlage für den internationalen Handel und die Finanzmärkte.
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Im 20. Jahrhundert erlebte der Goldmarkt eine grundlegende Veränderung, als viele Länder nach dem Zweiten Weltkrieg den Goldstandard aufgaben. Der US-Dollar, der zunächst an den Goldpreis gebunden war, wurde 1971 vom Goldstandard abgekoppelt und viele andere Länder folgten diesem Beispiel. Trotzdem blieb Gold in der globalen Wirtschaft und als Anlagemedium von Bedeutung. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und Inflation suchten sowohl private Investoren als auch Zentralbanken weiterhin Zuflucht in Gold, da es als stabiler Wertaufbewahrer gilt. Heute ist Gold nicht nur ein begehrter Rohstoff für Schmuck und Industrie, sondern auch ein weltweit gehandeltes Finanzinstrument, das als "sicherer Hafen" in Krisenzeiten angesehen wird, der den Wert in instabilen Märkten bewahren kann.
Fazit:
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gold trotz seiner Preisvolatilität nicht als klassische "Blase" betrachtet werden kann. Im Gegensatz zu Fiat-Währungen, deren Wert oft künstlich von Zentralbanken festgelegt und durch Schulden und Inflation entwertet wird, hat Gold über Jahrtausende hinweg als stabiler Wertaufbewahrer und "Sicherer Hafen" Bestand. Gold basiert auf einer tief verwurzelten, menschlichen Wahrnehmung von Wert und hat sich über alle Kulturen und Epochen hinweg als ein universelles Zahlungsmittel und als Symbol für Sicherheit bewährt. Selbst wenn der Goldpreis schwankt, bleibt seine fundamentale Bedeutung als geschätztes Vermögen und Absicherung gegen Krisen erhalten.
Fiat-Währungen hingegen, die keinen intrinsischen Wert besitzen und alleine durch staatliche Garantien gestützt werden, sind anfällig für die Schwankungen und Manipulationen der Finanzmärkte. Ihre Entwertung durch Inflation, steigende Schulden und unsichere Wirtschaftspolitik zeigt, dass sie in gewisser Weise die "wahre Blase" darstellen. Die steigende Geldmenge und die Schuldenberge vieler Staaten deuten darauf hin, dass Fiat-Währungen langfristig nicht in der gleichen stabilen Position wie Gold sind. Während Gold seinen Wert über Jahrtausende hinweg bewahrt hat, bleibt die Stabilität von Fiat-Währungen weitgehend eine Frage des Vertrauens in die Politik und Wirtschaftssysteme, die sie stützen.
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion
