Washington vs. Peking
Pentagon stuft BYD, Alibaba & Baidu als militärnah ein – Rückzieher nach Minuten
Das Pentagon hat Chinas Tech- und E-Auto-Giganten als militärnah eingestuft. Kurz darauf folgte der Rückzieher – doch die Verunsicherung bleibt.
- Pentagon listet Alibaba, Baidu, BYD; Rückzug folgt
- Märkte verunsichert, Alibaba führt Ausverkauf an!!
- China verschärft Aufsicht, Anleger bleiben nervös!!
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Chinesische Technologiewerte stehen erneut unter politischem und regulatorischem Druck – sowohl in den USA als auch im Inland. Zunächst sorgte eine kurzfristige Maßnahme des US-Verteidigungsministeriums am Freitag für Verunsicherung an den Märkten. Das Pentagon setzte unter anderem Alibaba, Baidu und BYD auf eine sogenannte 1260H-Liste von Unternehmen, die das chinesische Militär unterstützen sollen. Wenige Minuten später wurde die aktualisierte Liste jedoch ohne Erklärung wieder als "unveröffentlicht" gekennzeichnet und entfernt. Dennoch reagierten die Kurse zu Wochenbeginn: Alibaba führte den Ausverkauf in Hongkong an, die Aktie gab zeitweise um mehr als drei Prozent nach. Auch Baidu und BYD verzeichneten zunächst Abschläge.
Die 1260H-Einstufung hat zwar keine unmittelbaren rechtlichen Folgen, gilt jedoch als Warnsignal für US-Investoren und kann strengere Handels- oder Finanzierungsbeschränkungen nach sich ziehen. In Washington wird die Liste zunehmend genutzt, um den Zugang betroffener Unternehmen zu Militärverträgen oder Forschungsgeldern einzuschränken. Die betroffenen Konzerne wiesen die Vorwürfe entschieden zurück. Alibaba erklärte, man sei "weder ein chinesisches Militärunternehmen noch Teil einer militärisch-zivilen Fusionsstrategie" und werde "alle verfügbaren rechtlichen Schritte gegen Versuche unternehmen, unser Unternehmen falsch darzustellen." Baidu betonte: "Wir lehnen die Aufnahme kategorisch ab", da sie "keine glaubwürdige Grundlage" habe. Die Behauptung, Baidu sei ein Militärunternehmen, sei "völlig unbegründet".
Parallel dazu verschärft sich auch der regulatorische Druck im Inland. Die chinesische Marktaufsichtsbehörde SAMR lud führende Internetplattformen, darunter Alibaba, Baidu, JD.com, Tencent, Douyin von ByteDance, Meituan und Taobao, zu Gesprächen vor. In einer Mitteilung forderte die Behörde die Unternehmen auf, sich strikt an Wettbewerbs-, E-Commerce-, Verbraucher- und Preisgesetze zu halten. Zudem sollten sie sogenannten "involutionären Wettbewerb" – ein Begriff für ruinösen Konkurrenzkampf – unterbinden und gemeinsam ein gesundes Marktumfeld sichern.
Die gleichzeitigen Entwicklungen unterstreichen die angespannte Lage für Chinas Technologieriesen. Während geopolitische Spannungen zwischen Washington und Peking erneut aufflammen, sehen sich die Konzerne im Heimatmarkt weiterhin strenger Aufsicht ausgesetzt. Für Anleger bedeutet das anhaltende Unsicherheit – selbst wenn einzelne Maßnahmen wie die kurzfristig zurückgezogene Pentagon-Liste vorerst ohne direkte Konsequenzen bleiben.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

