Takaichi-Euphorie verfliegt
Miese Daten: Japans Wirtschaftswachstum erschreckend schwach!
Die Begeisterung über den Erdrutschsieg der LDP droht zu verfliegen. Japans Wirtschaftswachstum ist im vierten Quartal erschreckend schwach ausgefallen.
- Takaichi‑Siegs Euphorie droht nach Q4‑Schwäche
- Nikkei verkauft, Yen schwächer, Renditen hoch.
- Fiskalrisiko steigt, Aktien teuer, Vorsicht KGV
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Folgt auf die Japan-Party jetzt der Takaichi-Kater?
Der Erdrutschsieg der Liberaldemokratischen Partei (LDP) von Japans erster Präsident Sanae Takaichi bei den vorgezogenen Neuwahlen hat an den Märkten für große Begeisterung und einen Run auf japanische Basiswerte gesorgt. Schnell machte ähnlich wie bei US-Präsident Donald Trump der sogenannte "Takaichi-Trade" die Runde.
Doch der Euphorie könnte rasch Ernüchterung folgen. Angesichts einer überalternden Gesellschaft mit einer rückläufigen Bevölkerungsentwicklung bleibt das Fundament der japanischen Wirtschaft schwach, wie die in der Nacht auf Montag vorgelegten Daten gezeigt haben.
Enttäuschende Entwicklung in Q4
Nach der ersten Schätzung der nationalen Statistikbehörde (SNA) legte die japanische Wirtschaftsleistung im abgelaufenen Quartal nur um 0,1 Prozent zu. Von Reuters befragte Expertinnen und Experten hatten dagegen auf ein Wachstum von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal getippt.
Auch im Vergleich zum Vorjahr fiel die Bilanz bescheiden aus. Anstatt eines erwarteten Wachstums um 1,6 Prozent erreichte die japanische Wirtschaft lediglich eine Leistungssteigerung um 0,2 Prozent.
Noch schlechter als bislang gedacht entwickelte sich das dritte Quartal. In der finalen Schätzung hatte die SNA einen Rückgang um 0,6 Prozent auf Quartalsbasis angegeben. Diesen Wert hat sie nun auf -0,7 Prozent revidiert. Annualisiert schrumpfte die Wirtschaftsleistung in Q3 um 2,6 Prozent statt der vorher ermittelten -2,3 Prozent. Das hat zu den enttäuschenden Q4-Zahlen beigetragen.
Der Rückgang ist einerseits geringeren Investitionsausgaben und andererseits einer anhaltend schwachen Auslandsnachfrage anzulasten. Die CAPEX verzeichneten ein Plus von nur 0,2 Prozent statt wie geschätzt von 0,8 Prozent, während es bei der Auslandsnachfrage zu einer Nullrunde kam.
Nikkei gibt Gewinne ab, Yen verliert an Boden
Am Markt zeigten sich Anlegerinnen und Anleger enttäuscht über das schwache Abschneiden der japanischen Wirtschaft. Der Nikkei 225 verlor zum Handelsschluss zwar nur 0,2 Prozent, allerdings wurde die starke Eröffnung mit einem Plus von mehr als einem Prozent verkauft – anfänglich hatte Japans Aktienmarkt noch von positiven Vorgaben aus den USA profitiert, wo es am Freitag zu einem Erholungsversuch gekommen war.
Am Währungsmarkt verfehlten die enttäuschenden Daten ihre Wirkung ebenfalls nicht. Der US-Dollar konnte gegenüber dem Yen nach einer Verlustserie in der vergangenen Woche wieder Boden gut machen und verteuerte sich um rund 0,4 Prozent auf 153,35 Yen (Stand: 08:35 Uhr MEZ). Marktteilnehmende preisen nun weniger rasche Leitzinserhöhungen der Bank of Japan ein.
Fazit: Warnsignal für japanische Aktien
Vor Japans erster Präsidentin Sanae Takaichi liegen gewaltige wirtschaftliche Herausforderungen, wie die schwachen Daten zum Wachstum im abgelaufenen Quartal demonstriert haben. Gleichzeitig reagierte der Anleihenmarkt zuletzt empfindlich auf die von ihr angekündigte expansive Fiskalpolitik. Die Renditen für japanische Staatsanleihen notieren auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten. Das wird die Belebung der Wirtschaftsaktivität durch den Staat zu seinem Drahtseilakt machen.
Noch ist der japanische Aktienmarkt obenauf. Gegenüber dem Jahreswechsel steht ein beeindruckendes Plus von fast 13 Prozent zu Buche. Ein großer Teil davon geht auf das Konto der Takaichi-Begeisterung vor und nach der vorgezogenen Parlamentswahl. Doch im Bereich von 58.000 Punkten ist es im Nikkei zu einer Top-Bildung gekommen. Das mahnt ebenso wie die Bewertung des japanischen Aktienmarktes zur Vorsicht, der mit einem KGV von 18,5 so teuer wie zuletzt 2009 ist.
Die US-Märkte bleiben am Montag feiertagsbedingt zwar geschlossen, die Futures lassen jedoch eine Erholung erkennen. Die Aussichten auf einen anhaltend schwachen Yen lassen die Hoffnung aufkeimen, dass der Yen-Carry-Trade doch nicht allzu bald platzen könnte.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

