Aktie im Ausverkauf
Amazon erlebt längste Verlustserie seit fast 20 Jahren
Über neun Tage hinweg rutscht die Amazon-Aktie ab und entfacht damit neue Zweifel, ob die große KI-Wette des Konzerns langfristig aufgehen kann.
- Amazon-Aktie: neun Tage, -18,2% Zweifel an KI.
- KI-Investitionen: 200 Mrd belasten Liquidität.
- AWS: frühe Wette zahlte sich, KI-Erfolg offen.
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Die Aktie von Amazon steckt in ihrer schwersten Schwächephase seit beinahe zwei Jahrzehnten. Mit neun aufeinanderfolgenden Verlusttagen und einem Kursrückgang von rund 18,2 Prozent innerhalb dieses Zeitraums hat der Technologiekonzern eine Negativserie hingelegt, die zuletzt im Jahr 2006 zu beobachten war.
Damals wie heute Kritik an hohen Investitionen
Im Jahr 2006 befand sich Amazon noch in der Transformation vom Online-Buchhändler zum Technologieunternehmen. Die Einführung von Amazon Web Services (AWS) wurde damals von vielen Marktteilnehmern skeptisch gesehen. Kritiker warfen dem Management vor, zu viel Kapital in ein margenschwaches und unbewiesenes Geschäft zu investieren.
Zeitgleich sorgte das damals junge Prime-Mitgliedschaftsprogramm für Zweifel. Die hohen Versandkosten sowie steigende Technologieausgaben führten dazu, dass das operative Ergebnis im zweiten Quartal 2006 im Jahresvergleich um 55 Prozent einbrach. Einige Beobachter stellten sogar offen die strategische Urteilsfähigkeit von CEO Jeff Bezos infrage.
Fast zwanzig Jahre später kehren diese Bedenken in neuer Form zurück – diesmal rund um künstliche Intelligenz.
KI als neuer Kostentreiber
Der heutige CEO Andy Jassy kündigte auf der jüngsten Bilanzkonferenz an, dass Amazon massiv in KI-Infrastruktur investieren müsse, um die steigende Nachfrage im Cloud-Geschäft abzudecken. Geplante Investitionen von rund 200 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr lassen Anleger jedoch aufhorchen.
Kritiker befürchten, dass der hohe Kapitalbedarf die Liquidität des Konzerns belasten und möglicherweise zusätzliche Schulden erforderlich machen könnte. Zudem besteht das Risiko, dass teure Chips und Server schneller an Wert verlieren als erwartet, was in den kommenden Jahren hohe Abschreibungen nach sich ziehen könnte.
Die Sorge vieler Investoren lautet daher nicht nur, ob die Strategie funktioniert, sondern auch, wie lange es dauern wird, bis sich die milliardenschweren Ausgaben auszahlen.
Historische Parallelen: AWS als Beweis für langfristige Strategie
Die Unternehmensgeschichte liefert allerdings Argumente für Geduld. Amazon begann erst 2015 damit, separate Finanzzahlen für AWS auszuweisen. Bereits im ersten Quartal 2016 erwirtschaftete die Cloud-Sparte mehr Gewinn als das gesamte nordamerikanische Einzelhandelsgeschäft – trotz geringerer Umsätze.
Heute liegt der jährliche Umsatz auf Run-Rate-Basis von AWS bei rund 142 Milliarden US-Dollar und gilt als zentrale Profitmaschine des Konzerns. Rückblickend erwiesen sich die damals kritisierten Investitionen als Grundlage für eines der profitabelsten Cloud-Geschäfte der Welt.
Die entscheidende Frage für den Markt lautet nun, ob sich die KI-Offensive ähnlich entwickeln kann.
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion
Die Amazon Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,88 % und einem Kurs von 168,8USD auf Tradegate (16. Februar 2026, 11:35 Uhr) gehandelt.

