Alarm aus Detroit und Europa
BYD & Co. auf dem Vormarsch – Auto-Bosse sprechen von "existentieller Bedrohung"
Ford, GM und Rivian schlagen Alarm. Chinas Hersteller expandieren rasant – und ohne Schutz drohe der Verlust ganzer Industrien.
- Westliche Hersteller warnen vor China-Wachstum
- Chinas Subventionen und Billiglöhne dominieren.
- Ford GM fordern Handels- und Produktionsschutz
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Führende Manager westlicher Autohersteller schlagen angesichts der wachsenden Konkurrenz aus China Alarm. Von den "Big Three" in den USA bis zu europäischen Konzernen wächst die Sorge, dass chinesische Hersteller – darunter BYD – langfristig zur existenziellen Bedrohung werden könnten.
Bereits im Vorfeld einer Anhörung des US-Repräsentantenhauses warnte die Alliance for Automotive Innovation (AAI), die unter anderem Ford, General Motors und Stellantis vertritt: "China stellt eine klare und unmittelbare Bedrohung für die Automobilindustrie in den USA dar." Der Verband forderte den Kongress auf, bestehende Importbeschränkungen für bestimmte chinesische Technologien beizubehalten, die faktisch den Marktzugang chinesischer Fahrzeuge begrenzen.
Rivian-CEO RJ Scaringe verweist vor allem auf strukturelle Vorteile chinesischer Hersteller. "Es ist nicht so, dass die chinesische Kostenstruktur auf magische Weise funktioniert. Es sind wirklich zwei Dinge, die man sehr deutlich nachvollziehen kann", zitiert ihn Yahoo Finance. Zum einen lägen die Kapitalkosten "in den meisten Fällen nahe Null", da Fabriken stark subventioniert würden. Zum anderen betragen die Arbeitskosten nur ein Viertel bis ein Fünftel des US-Niveaus. Zölle würden diese Unterschiede derzeit "ausgleichen", allerdings nur vorübergehend.
Auch Ford-Chef Jim Farley warnt vor dem Tempo der Entwicklung. "Wir sind ein Jahr hinter den chinesischen Konkurrenten zurück. Sie sind jetzt weltweit noch präsenter", sagte er. In Europa erreichten chinesische Marken zuletzt rund 6,1 Prozent Marktanteil – nahezu doppelt so viel wie im Vorjahr. Farley bezeichnete chinesische Fahrzeuge wiederholt als "existenzielle Bedrohung" und betonte: "Sie stellen eine große Bedrohung für die lokale Arbeitskraft dar und erhalten enorme Subventionen von der Regierung für ihre Exporte." Und weiter: "Als Land müssen wir entscheiden, was faire Wettbewerbsbedingungen sind."
Unternehmen wie BYD stehen exemplarisch für diesen Aufstieg. Der Konzern expandiert aggressiv in Europa und andere Märkte und profitiert von staatlicher Unterstützung sowie vertikal integrierten Lieferketten, insbesondere bei Batterien.
General-Motors-Chefin Mary Barra kritisierte zudem Kanadas Entscheidung, jährlich bis zu 49.000 in China produzierte Elektrofahrzeuge zuzulassen. "Ich kann nicht erklären, warum diese Entscheidung in Kanada getroffen wurde", sagte sie und warnte: "Das wird zu einer sehr gefährlichen Entwicklung."
Auch in Europa wächst der Druck. Stellantis-CEO Antonio Filosa und Porsche-Chef Oliver Blume fordern, CO₂-Anreize gezielt an lokal produzierte Fahrzeuge zu koppeln. "Europa erlebt derzeit das Entstehen neuer geopolitischer Rivalitäten", schrieben sie. "Handel, Technologie und industrielle Kapazitäten werden mehr denn je mobilisiert, um nationalen Interessen zu dienen. Die Europäische Union muss sich schnell für einen Weg entscheiden."
Branchenexperten erwarten, dass chinesische Hersteller angesichts der Sättigung ihres Heimatmarktes ihre Expansion weiter forcieren. Für westliche Autobauer geht es damit nicht nur um Marktanteile – sondern um die strategische Zukunft ihrer Industrie.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

