Vom KI-Gewinner zum KI-Loser
Microsoft: Ist das schon die Kaufgelegenheit oder steht der Crash noch am Anfang
Die Software-Branche steht unter Druck: KI bedroht die Geschäftsmodelle, während gleichzeitig viel Geld investiert werden muss, um Marktanteile zu behaupten.
- KI bedroht Software-Geschäft; Sektor im Crash!
- Microsoft: Death-Cross, 400$ Support in Gefahr
- Analystenschnitt: Kaufen; Upside, aber Risiko...
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Willkommen zum Smartbroker+ Chart der Woche – Microsoft
Viele Unternehmen aus der Software- und Cloud-Dienstleistungsbranche haben in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. Prominente Opfer der Software- beziehungsweise SaaS-„Apokalypse“ waren mit zweistelligen Kursverlusten unter anderem Microsoft, SAP und ServiceNow. Insgesamt hat es die Branche so hart erwischt wie seit 2009 nicht mehr. Der S&P North American Technology Software Index hat seit seinem Allzeithoch Ende Oktober 30 Prozent abgegeben. Das bedeutet aus technischer Perspektive einen Crash beziehungsweise einen Bärenmarkt.
Hintergrund der Verlustserie historischen Ausmaßes ist die Befürchtung, dass sich Künstliche Intelligenz für die Branche vom Rücken- zum Gegenwind entwickeln könnte. Einerseits werden große Sprachmodelle (LLM) und agentische KI immer besser darin, Codes zu schreiben, was die Software-Entwicklung trivialisieren könnte. Andererseits ist das Lizenzgeschäft beziehungsweise das Abonnement-Modell vieler Software-Unternehmen in Gefahr: Wenn menschliche Arbeitskräfte durch KI-Agenten ersetzt werden, gibt es keine Grundlage mehr für „pay per seat“, also das Bezahlen von Software-Lizenzen pro User.
Hohe Ausgaben, Ungewissheit über Return-on-Investment
Bei einigen Unternehmen wie Microsoft und Oracle kommt ein weiteres Problem in Form hoher Investitionsausgaben dazu. Während einerseits Software-Erlöse wegbrechen könnten, müssen die Konzerne ihre Ausgaben massiv erhöhen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und die aktuell hohe Cloud-Nachfrage bedienen zu können. Noch ist aber völlig ungewiss, ob sich die Kosten im dreistelligen Milliardenbereich langfristig auszahlen werden. In den Unternehmensbilanzen sind die Folgen aber schon jetzt zu erkennen in Form wachsender Verschuldung und höherer Zinslasten, welche den Gewinn schmälern.
Infolge dieser Ungewissheit hat die Microsoft-Aktie seit dem Jahreswechsel 17,0 Prozent an Wert verloren. Auch gegenüber dem Stand vor genau einem Jahr (16.02.2025) ist ein Vorzeichenwechsel erfolgt, sodass ein Minus von 1,7 Prozent zu Buche steht. Viele Anlegerinnen und Anleger wittern daher eine potenziell aussichtsreiche Einstiegschance – doch der Weg zu einem Turnaround könnte sowohl aus technischer als auch aus fundamentaler Perspektive steiniger werden als erwartet.
Microsoft Chartsignale
- Trendwende nach Doppeltop: Die Aktie befindet sich nach einem Zweifachhoch bei 550 US-Dollar in einem hartnäckigen Abwärtstrend.
- Hohe Verkaufsdynamik: Der Abgabendruck hat sich nach dem Unterschreiten der 200-Tage-Linie deutlich erhöht. Die technische Indikation ist äußerst schwach.
- Technisches Verkaufssignal: In den gleitenden Durchschnitten ist es zu einem sogenannten Death Cross und damit einem Verkaufssignal gekommen.
- Unterstützung in Gefahr: Aktuell steht die Marke von 400 US-Dollar unter Druck. Hier verläuft neben einem Support auch eine Aufwärtstrendlinie.
Quelle: Eigene Darstellung, abgebildeter Zeitraum: 16.02.2021 bis 16.02.2026
Bitte beachten Sie: Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen. Außerdem kann die Rendite infolge von Wechselkursschwankungen
kleiner oder größer als die Basiswertentwicklung ausfallen.
Microsoft: Vom KI-Profiteur zum KI-Loser
Langfristig gehören die Microsoft-Anteile mit zu dem Besten, was der US-Aktienmarkt zu bieten hat. Ohne das Betriebssystems Windows, der Produktivitätssoftware des Unternehmens sowie den Cloud-Dienstleistungen von Tochter Azure geht heutzutage salopp gesagt fast nichts mehr. Mit seiner OpenAI-Beteiligung steht Microsoft außerdem im Mittelpunkt des KI-Booms. Das ist Fluch und Segen zugleich.
Zwar hat OpenAI in den vergangenen Jahren mit jeder Finanzierungsrunde mehr und mehr an Wert gewonnen, was Microsoft als Buchgewinn bilanzieren konnte. Allerdings verbrennt das von Sam Altman gegründete Startup jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag, während die Konkurrenz stark gewachsen ist. Vielen Nutzerinnen und Nutzern gilt das von Alphabet entwickelte Gemini inzwischen als leistungsfähiger, während Anthropic und Perplexity bei Programmier-, Datenauswertungs- und wissenschaftlichen Anwendungen große Fortschritte gemacht haben. Das könnte Gegenwind für die von OpenAI angestrebte Billionen-Bewertung und damit auch für die Bilanz von Microsoft bedeuten.
Das Chartbild hat sich massiv verschlechtert
Diese Zweifel spiegelt der Aktienkurs inzwischen deutlich wider. Gegenüber dem Doppel-Top bei 550 US-Dollar haben die Anteile 27,3 Prozent an Wert verloren. Das hat charttechnisch zum Bruch der gleitenden Durchschnitte geführt, für die sich im Januar außerdem ein Death Cross und damit ein Verkaufssignal ergeben hat. Das sorgte in den vergangenen fünf Jahren immer wieder für ausgedehnte Konsolidierungsphasen und ist ein erstes Indiz dafür, dass eine Erholung nicht kurz-, sondern nur mittel- und langfristig zu erwarten sein könnte.
Die technischen Indikatoren RSI und MACD handeln gemeinsam mit der Aktie in Abwärtstrends, was für eine nachhaltige Bewegung spricht. Kurzfristige Erholungsversuche könnten daher scheitern und die Unterstützung bei 400 US-Dollar ebenfalls gerissen werden. Damit wäre der Aufwärtstrend nach dem letzten Bärenmarkt der Aktie Geschichte. Die nächste für eine Trendwende in Frage kommende Unterstützung läge dann bei 350 US-Dollar. Wird auch dieser Support unterschritten, droht gegenüber den Rekordnotierungen sogar eine Halbierung und ein Test der letzten Bärenmarkttiefs.
Mit Blick auf den Wochenchart gibt es für Anlegerinnen und Anleger insofern einen Hoffnungsschimmer, als dass der Relative-Stärke-Index (RSI) inzwischen mit 29,1 Zählern im überverkauften Bereich notiert. Auf Monatsbasis liegt er jedoch bei 45,2 Punkten, was zeigt, dass das langfristige Abwärtspotenzial noch lange nicht ausgeschöpft sein könnte. Damit liegen kurzfristig zwar wachsende Erholungschancen vor, die aber von mittel- und langfristigen Verkaufssignalen überschattet werden.
Aktie um 25 Prozent unterbewertet? Grund zu Zweifel!
Ebenso wie der Chart ist auch die Unternehmensbewertung aktuell ein zweischneidiges Schwert. Auf den ersten Blick erscheint die Aktie gemessen an ihren Durchschnittswerten aus den vergangenen 5 Jahren wie ein Schnäppchen. Das für 2026 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23,3 liegt um 26,4 Prozent unter dem historischen Durchschnitt von 31,7. Dieser Trend setzt sich bei den übrigen Kennziffern fort. Abschläge zwischen einem Viertel und bis zu 30 Prozent gibt es derzeit auch beim Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) von 18,2 und beim Verhältnis von Unternehmenswert und EBITDA (EV/EBITDA) von 15,2 sowie beim Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) mit 1,68.
Diese Vielfache stehen allerdings unter dem großen Vorbehalt, dass sich die massiven KI-Investitionen des Unternehmens tatsächlich auszahlen werden. Genau das wird von einer wachsenden Zahl von Anlegerinnen und Anleger bezweifelt.
Fressen hohe Zinskosten bald die Gewinne auf?
Dafür gibt es mit Blick in die Bilanz gute Gründe. Zwar ist Microsoft unverändert ein finanziell äußerst gesundes Unternehmen, doch die langfristigen Verbindlichkeiten sind in den vergangenen 3 Jahren um rund 45 Milliarden US-Dollar auf 123,3 Milliarden US-Dollar gestiegen. Saß der Konzern zeitweise (GJ 2020) auf einem Nettovermögen von 54,4 Milliarden US-Dollar, betragen die Nettoverbindlichkeiten jetzt 33,8 Milliarden US-Dollar. Diese dürften nach den angekündigten Investitionsausgaben in Höhe von 123 Milliarden US-Dollar weiter steigen. Die wachsenden Zinskosten werden die Ertragsseite künftig zunehmend belasten – ganz zu schweigen von den hohen Wertminderungen, die Microsoft künftig aufgrund der schnell alternden KI-Hardware verbuchen wird müssen.
Das lässt befürchten, dass die Gewinne künftig langsamer wachsen werden als der Umsatz. Schlimmstenfalls sinkt der Gewinn pro Aktie gar, was die aktuellen Schätzungen und damit auch die gegenüber der historischen Norm attraktive Bewertung obsolet machen würde.
Noch zeigen sich Analystinnen und Analysten unbeeindruckt
Unter Wall-Street-Expertinnen und -Experten gibt es nichtsdestotrotz (fast) keine zwei Meinungen, die Aktie ist mit überwältigender Mehrheit zum Kauf empfohlen. Bei insgesamt 57 Einschätzungen liegen 44 Bewertungen mit „Kaufen“ und 10 mit „Übergewichten“ vor. Lediglich 3 Beurteilungen fallen neutral aus, während Microsoft kein einziges Mal zum Reduzieren oder Verkaufen empfohlen ist.
Der faire Wert der Aktie wird im Mittel auf 596,00 US-Dollar geschätzt. Das impliziert gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag eine Upside von 48,5 Prozent und wäre gleichbedeutend mit neuen Allzeithochs. Die derzeit pessimistischste Einschätzung stammt vom Research-Haus Stifel, das sein Kursziel von 540 auf 392 US-Dollar gesenkt hat, während die größten Bullen in der US-Großbank Wells Fargo (700 US-Dollar) sowie unter den Analystinnen und Analysten von Truist, Jefferies und Guggenheim (675 US-Dollar) zu finden sind.
Microsoft auf einen Blick
- ISIN: US5949181045
- Börsenwert: 2,98 Billionen US-Dollar
- Dividendenrendite: 0,9 Prozent
- KGVe 2026: 23,3
- Durchschnittliche Analystenempfehlung: Kaufen
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
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