Aktie haussiert zweistellig
Hedgefonds kauft sich bei Norwegian ein – jetzt geht es ums Überleben
Nach Gewinnenttäuschung und Führungswechsel baut Elliott eine Großbeteiligung an Norwegian Cruise Line auf. Gespräche über einen neuen Board-Kandidaten laufen bereits.
- Elliott übernimmt über 10% und fordert Wandel
- Sondierungen mit Adam Goldstein für Boardplatz
- Chidsey als Vorsitz;Gewinnwarnung erhöht Druck
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Der aktivistische Hedgefonds Elliott Investment Management hat laut einem Bericht des Wall Street Journal unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen eine Beteiligung von mehr als 10 Prozent an Norwegian Cruise Line aufgebaut und zählt damit zu den größten Investoren des Kreuzfahrtunternehmens. Ziel sei es, auf Veränderungen zu drängen, um die schwache Aktienperformance und operative Defizite zu adressieren.
Norwegian hinkt seit Längerem hinter den Wettbewerbern hinterher. Während die Aktie seit Jahresbeginn weiter im Minus liegt und in den vergangenen zwölf Monaten deutlich an Wert verloren hat, konnten Royal Caribbean und Carnival von einer robusten Nachfrage und steigenden Ticketpreisen profitieren. Besonders Royal Caribbean legte kräftig zu und gilt aus Sicht von Elliott als Benchmark – sowohl bei der finanziellen Performance als auch beim Gästeerlebnis.
Vor diesem Hintergrund soll Elliott hinter den Kulissen Gespräche mit Adam Goldstein, dem früheren Präsidenten und COO von Royal Caribbean, über eine mögliche Kandidatur für den Vorstand von Norwegian geführt haben. Die Frist, bis zu der Aktionäre eigene Kandidaten für den Verwaltungsrat vorschlagen können, endet in Kürze. Sollte Elliott eigene Vertreter nominieren, könnte es zu einem offenen Machtkampf um Sitze im Board kommen.
Der Druck auf das Management steigt zusätzlich durch jüngste Führungswechsel. Erst vergangene Woche ernannte Norwegian den früheren Subway-CEO John Chidsey zum neuen Vorstandsvorsitzenden, nachdem Harry Sommer überraschend zurückgetreten war. Chidsey war bereits früher im Board vertreten. Analysten von Stifel merkten an, Investoren könnten irritiert sein, dass nun ein Branchenfremder das Ruder übernimmt. Das Unternehmen betont hingegen Chidseys Erfahrung bei strategischen Transformationen großer Konsumkonzerne.
Operativ hatte Norwegian zuletzt selbst eingeräumt, dass der Gewinn im vierten Quartal unter den Erwartungen liegen dürfte. Gleichzeitig investieren die Wettbewerber aggressiv in private Inselkonzepte und exklusive Reiseerlebnisse, um margenstarke Kundschaft anzuziehen. Norwegian besitzt zwar mit Great Stirrup Cay eine der größten Privatinseln der Branche, Branchenbeobachter verweisen jedoch auf langsame Fortschritte bei der Weiterentwicklung.
Elliott sieht laut Bericht Potenzial für eine operative und strategische Neuausrichtung. Der Fonds, der ein Vermögen von mehr als 79 Milliarden US-Dollar verwaltet und in der Vergangenheit erfolgreiche Kampagnen bei Konzernen wie Southwest Airlines oder Phillips 66 führte, setzt offenbar darauf, dass Norwegian – wie schon früher – eine Wende gelingen kann. Die Aktie reagierte im nachbörslichen Handel mit deutlichen Kursgewinnen auf die Nachricht über den Einstieg des Aktivisten.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

