Short-Jäger kapituliert
Einstiger Kritiker kauft diese SDAX-Aktie – Kurs explodiert auf Jahreshoch
Der einstige Short-Spezialist wechselt die Seite und baut eine Long-Position bei Aroundtown auf. Konservativ bewertetes Portfolio, hoher Abschlag. Ist das der Befreiungsschlag – oder die nächste Value-Falle?
- Viceroy nun Long, baut Aroundtown-Position auf
- Marktwert ~64% unter EPRA NTA; KBV≈0,36; +94%!
- Risiken: Wertberichtigungen, Leerstand, Zinsen
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Die Aktie von Aroundtown hat am Dienstag zweistellig zugelegt und zeitweise über 12 Prozent gewonnen. Auslöser war ausgerechnet Viceroy Research – jenes Analysehaus, das sich in der Vergangenheit vor allem mit kritischen Short-Berichten einen Namen gemacht hatte. Nun schlägt Viceroy eine komplett andere Tonart an: Statt vor dem Unternehmen zu warnen, ist man selbst investiert.
"Viceroy ist long, während der Markt schläft", heißt es in dem Bericht. Man habe Aroundtown von der Short-Liste gestrichen und eine Long-Position aufgebaut. Die Aktie sei "massiv unterbewertet". Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liege bei rund 0,36 und damit deutlich unter dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen von etwa 0,70. Im Basisszenario sieht Viceroy ein Aufwärtspotenzial von 94 Prozent.
Kern der These ist die Bewertung des Immobilienportfolios. Viceroy kommt nach eigener Prüfung zu dem Schluss, dass die bilanzierten Werte konservativ angesetzt sind. Die interne Bewertung liege rund 12 Prozent über dem ausgewiesenen Buchwert. "Wir haben uns geirrt und sind jetzt Long", schreibt das Haus und erklärt, die gängigen Short-Argumente hielten einer genauen Prüfung nicht stand.
Tatsächlich klafft bei Aroundtown eine auffällige Lücke zwischen dem bilanzierten Vermögenswert und der Bewertung an der Börse. Der Konzern gibt einen sogenannten EPRA NTA von rund 8,5 Milliarden Euro an – das ist vereinfacht gesagt der bereinigte Substanzwert des Unternehmens, also Immobilienvermögen minus Schulden. An der Börse wird Aroundtown jedoch nur mit etwa 3,1 Milliarden Euro bewertet. Der Markt setzt das Unternehmen damit rund 64 Prozent unter seinem ausgewiesenen Nettovermögen an.
Gleichzeitig erwirtschaftet Aroundtown operativ rund 1,2 Milliarden Euro Netto-Mieterträge und knapp 299 Millionen Euro nachhaltigen Cashflow. Dass Investoren dennoch einen so hohen Abschlag ansetzen, deutet darauf hin, dass sie erhebliche Risiken einpreisen – etwa weitere Wertberichtigungen bei Immobilien, dauerhaft höhere Leerstände oder anhaltend schwächere Erträge infolge steigender Zinsen und des Homeoffice-Trends.
Viceroy hingegen sieht einen finanziell widerstandsfähigen Immobilieninvestor mit realistischen Katalysatoren für eine Neubewertung. Das Management solle aggressive Aktienrückkäufe ausweiten, finanziert durch Assetverkäufe oder moderate zusätzliche Verschuldung. Bei den aktuellen Kursen kaufe ein Euro Aroundtown-Engagement rund 2,7 Euro unbelastete, performende Vermögenswerte.
Ob sich die optimistische Einschätzung durchsetzt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Mit dem überraschenden Strategiewechsel von Viceroy ist die Bewertungsdebatte um Aroundtown neu entfacht – und die Aktie wieder ins Zentrum des Anlegerinteresses gerückt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Die Aroundtown Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +7,91 % und einem Kurs von 3,028EUR auf Tradegate (17. Februar 2026, 12:44 Uhr) gehandelt.

