Für 3,2 Milliarden $ verkauft
Nach 1.200-%-Rallye: Bei diesem KI-Überflieger wird jetzt erstmal Kasse gemacht
Die Speicherknappheit hat Hersteller SanDisk starkes Wachstum und der Aktie einen explosiven Kursanstieg beschert. Doch jetzt werden Anteile verkauft.
- Nachfrage nach Speicherchips explodiert für KI
- SanDisk +1200% nach Spin-off, Fokus B2B stark.
- WDC tauscht 5,82M Aktien, Platzierung 545$kurs
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Nachfrage nach Speicherchips explodiert
Der rasante Auf- und Ausbau von Rechenzentren für KI-Anwendungen sorgt für einen Engpass nicht mehr nur bei Arbeits-, sondern auch bei Massenspeicher. Reihenweise gingen in den vergangenen Monaten Anteile von Unternehmen wie Samsung, Micron und Western Digital durch die Decke.
Mit einem Plus von 1.200 Prozent in den vergangenen 6 Monaten ging es für SanDisk besonders steil bergauf. Das Unternehmen wurde erst 2025 von Western Digital abgespalten und stellte ursprünglich die Endverbrauchersparte dar – Speicherkarten von SanDisk sind fast überall zu finden: In Konsolen, in Videokameras, in Drohnen.
Doch angesichts der hohen Rechenzentrumsnachfrage richtete SanDisk seinen Fokus neu auf Geschäftskunden aus. Dadurch explodierten die Geschäfte und führten dazu, dass das Unternehmen für 2026 zuletzt eine Monster-Prognose mit Nvidia-Vibes vorlegen konnte.
3,2 Milliarden US-Dollar schweres Tauschgeschäft
Der steile Kursanstieg, allein seit dem Jahreswechsel steht ein Plus von knapp 149 Prozent zu Buche, weckt Begehrlichkeiten. Insider haben bislang zwar noch nicht verkauft (mit Ausnahme eines Verwaltungsrats im Dezember, der sich über den Ausführungskurs von 195,14 US-Dollar rückblickend ärgern dürfte), doch jetzt hat SanDisk angekündigt, einen großen Teil der von Western Digital noch gehaltenen Aktien zu verkaufen.
Zuletzt hielt Western Digital noch rund 5,1 Prozent aller Anteile. Von den rund 7,5 Millionen Stücken sollen nun 5,82 Millionen verkauft beziehungsweise gegen den Erlass von Schulden (Debt-for-Equity-Exchange) eingetauscht werden, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Der Platzierungspreis liegt mit 545 US-Dollar pro Stück deutlich unter dem Schlusskurs von rund 590 US-Dollar, was am Mittwoch kurzfristig für Abwärtsdruck sorgen könnte.
Die übrigen 1,7 Millionen Stücke sollen laut der Unternehmensmitteilung zu einem späteren Zeitpunkt verkauft oder den Anlegerinnen und Anlegern von Western Digital zugeteilt werden.
SanDisk nur kurz betroffen, Western Digital weiter obenauf
Die SanDisk-Aktie geriet in der US-Nachbörse geringfügig unter Druck, doch das Minus von zeitweise 2 Prozent ist am Mittwochvormittag bereits Geschichte. Das deutet daraufhin, dass der Markt die Nachricht über den Platzierungspreis von 545 US-Dollar schnell absorbieren könnte.
Western Digital hingegen legt um rund 1 Prozent zu. Der 3,2 Milliarden US-Dollar schwere Aktienverkauf beziehungsweise -tausch wird die ohnehin fast makellose Unternehmensbilanz mit Nettoverbindlichkeiten von gerade mal 760 Millionen US-Dollar weiter verbessern. Das erlaubt Western Digital gegebenenfalls, seine Produktionskapazitäten auch ohne Fremdkapital zu vergrößern, um vom Rechenzentrumsboom bestmöglich profitieren zu können.
Fazit: Die "einfachen" Kursgewinne dürften bereits gemacht worden sein
Nach dem Rekordlauf der SanDisk-Aktie wird jetzt Kasse gemacht. Damit stärkt Western Digital seine finanziellen Möglichkeiten. Für SanDisk dürfte der Verkauf folgenlos bleiben, da die Transaktion am offenen Markt vorbei durchgeführt wird. Daher ist es unwahrscheinlich, dass der Platzierungspreis von 545 US-Dollar im offenen Handel erreicht wird.
Die Frage, ob man hier noch zuschlagen sollte, gestaltet sich als schwierig. Sowohl Western Digital als auch SanDisk sind wie die übrigen Speicherchip-Hersteller eindeutig überproportional große KI-Profiteure. Nach Rallyes von mehreren 100 Prozent in kürzester Zeit sind die Aktien technisch jedoch stark überkauft und zeigen gefährliche Fahnenstangen während gleichzeitig die Bewertungen optisch zwar günstig, für die stark zyklusabhängigen Speicherchip-Hersteller aber historisch hoch sind.
Sollte es zu Meldungen über einen Margen-Peak oder gar zu ersten Stornierungen kommen, weil die hohen Investitionsausgaben von Hyperscalern von Investoren nicht mehr gewünscht sind, könnte es hier ganz schnell zu einem Kurskollaps kommen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

