Starke Rückkäufe, Gewinne
Wall Street könnte 2026 weit hinter Europa zurückbleiben, sagen Experten
Mit Rekord-Aktienrückkäufen, starken Gewinnen und attraktiven Bewertungen übertrifft Europa die Wall Street. Anleger ziehen Milliarden aus den USA ab und flüchten in den Stoxx 600. Ist das der Beginn der Wachablösung?
- Europa überholt USA; Stoxx600 im Höhenflug!!!!
- Historische Rückkäufe und Milliarden-Zuflüsse!!
- Günstige KGVs, Gewinne, Beginn langer Rotation
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Nachdem europäische Aktien bereits im Jahr 2025 ihre US-Pendants klar hinter sich gelassen haben, setzt sich dieser Trend Anfang 2026 mit gutem Schwung fort. Während der S&P 500 mit den Folgen einer extremen Konzentration auf Tech-Giganten und Sorgen über uferlose KI-Ausgaben kämpft, eilt der Stoxx Europe 600 von Rekordhoch zu Rekordhoch. Allein im Februar verzeichnete er ein Plus von 3,6 Prozent. Acht Monate in Folge hat der europäische Leitindex mittlerweile zugelegt und verzeichnet damit die längste monatliche Gewinnserie seit 2013.
Der aktuelle Erfolg Europas basiert paradoxerweise auf dem, was jahrelang als Nachteil galt: dem Mangel an großen Tech-Konzernen. In einem Umfeld, in dem Investoren die hohen Bewertungen im US-Technologiesektor hinterfragen, glänzen Branchen wie Bergbau, Energie und Banken. Diese Sektoren der "Old Economy" lieferten im bisherigen Jahresverlauf teils zweistellige Renditen von bis zu 25 Prozent, während der breite Stoxx 600 um solide 6,5 Prozent zulegte.
Ein weiterer Treiber ist die aktuelle Berichtssaison. Europas Unternehmen meldeten bislang ein durchschnittliches Gewinnwachstum von etwa 4 Prozent, obwohl Experten eigentlich mit einem Rückgang gerechnet hatten. Besonders die Banken stechen hervor: Es ist das zwölfte Quartal in Folge, in dem der Finanzsektor die Erwartungen schlagen konnte.
Was Investoren derzeit besonders nach Europa lockt, ist eine beispiellose Welle von Aktienrückkäufen. Laut Barclays-Daten haben Unternehmen des Stoxx 600 in den ersten zwei Monaten des Jahres 2026 Rückkäufe im Wert von 85,7 Milliarden Euro angekündigt – ein historischer Rekord.
- Ende Januar kündigte SAP Rückkäufe im Volumen von 10 Milliarden Euro an
- Die Allianz kündigte am Donnerstag ein Rückkaufprogramm über 2,5 Milliarden Euro an
- Rolls-Royce schockte den Markt positiv mit einem Programm über 9 Milliarden Pfund.
- Großbanken wie die Deutsche Bank und Société Générale haben ebenfalls milliardenschwere Programme gestartet.
Da rund 76 Prozent der bereits autorisierten Rückkäufe noch gar nicht ausgeführt wurden, steht dem Markt massives "trockenes Pulver" zur Verfügung, das die Kurse bis weit in das zweite Quartal stützen dürfte.
Hinter der Rallye steckt auch ein fundamentaler Strategiewechsel globaler Fondsmanager. Jahrelang floss Kapital hauptsächlich in die USA. Nun findet eine massive Diversifikation statt. Allein im Januar flossen weltweit über 50 Milliarden US-Dollar in internationale Aktien-ETFs – der höchste Zufluss seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000, zeigen Daten von Morningstar.
Ein entscheidender Faktor ist der schwächelnde US-Dollar, der im Vergleich zu seinem Korb im letzten Jahr rund 9 Prozent an Wert verloren hat, und zum Euro sogar 13 Prozent. Zudem ist Europa mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 18 (Stoxx 600) deutlich günstiger bewertet als der S&P 500 mit einem KGV von 27.
Markt-Experten sind der Überzeugung, dass wir uns erst am Anfang eines mehrjährigen Zyklus befinden. Die Kombination aus fiskalischen Stimuli, steigenden Verteidigungsausgaben in Europa und einer globalen Abkehr von der US-Dominanz schafft ein Umfeld, in dem Europa seine neue Stärke behaupten kann. Während die USA mit einer Verlangsamung ihrer Aktienrückkäufe kämpfen, fängt der europäische Motor gerade erst an, richtig warmzulaufen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


