Earnings Preview
Nach Iran-Eskalation: Retten diese Zahlen den Markt vor dem Absturz?
Diese in den kommenden Tagen (KW10) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Dienstag, 03. März: CrowdStrike
Innerhalb der Cybersecurity-Branche gehörten die Anteile von CrowdStrike in den vergangenen Jahren zu den größten Gewinnern. Von rund 100 US-Dollar zum Jahreswechsel 2022/23 verteuerte sich die Aktie auf knapp 567 US-Dollar im vergangenen Jahr. Seither befindet sich das Papier in einem steilen Abwärtstrend. Gemeinsam mit der Software-Branche werden Sicherheitstitel als KI-Verlierer gehandelt. Seit dem Jahreswechsel stehen Verluste von über 20 Prozent zu Buche.
Die hartnäckige Korrektur ist auch eine Folge der hohen Unternehmensbewertung. Selbst nach den jüngsten Verlusten ist CrowdStrike branchenintern einer der teuersten Titel. Gegenüber der Vergleichsgruppe bestehen Bewertungsaufschläge von mehreren Hundert Prozent. Das KGVe 2026 liegt bei rund 100 und ist dabei nicht mal durch ein günstiges Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) unterstützt, denn dieses liegt mit 4,6 meilenweit über dem als attraktiv geltenden Wert von 1.
Um hier für einen Stimmungsumschwung zu sorgen, müssen nicht weniger als Blockbuster-Zahlen und eine klare Positionierung als KI-Gewinner her. Das allerdings könnte schwierig werden, denn am Markt erwartet wird eine weitere Verlangsamung des Wachstums. Die Erlöse sollen sich auf 1,3 Milliarden US-Dollar belaufen und damit um 22,6 Prozent gestiegen sein. Noch vor zwei Jahren lag das Umsatzwachstum bei deutlich über 30 Prozent. Der bereinigte Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) soll bei 1,10 US-Dollar und damit gerade mal um 7 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen. Damit zeichnet sich gleichzeitig Margendruck ab.
Angesichts der hohen Verluste in den vergangenen Wochen hoffen Anlegerinnen und Anleger auf einen Befreiungsschlag für die Aktie. 59,4 Prozent aller am kommenden Freitag verfallenden Optionskontrakte liegen auf der Call-Seite, während der Put-Anteil bei 40,6 Prozent liegt. Gerechnet werden muss mit einer Kursreaktion von bis zu 8,7 Prozent. Das ist eine der höchsten impliziten Bewegungen der vergangenen Jahre und verdeutlicht die aktuell hohe Unsicherheit.
Dienstag, 03. März: Ross Stores
Zu den in den vergangenen Wochen und Monaten gefragten Aktien gehörten auch Einzelhandelswerte als defensive Depotbeimischungen. Besonders angetan haben es Anlegerinnen und Anlegern die Anteile sogenannter Off-Price-Retailer, also Unternehmen, welche Warenbestände anderer Einzelhändler aufkaufen, um sie rabattiert zu verkaufen.
Dazu gehört neben TJX (das in der DACH-Region mit TK-Maxx-Märkten vertreten) auch Ross Stores. Mit einer Performance von sagenhaften 25.210 Prozent in den vergangenen 30 Jahren ist die bei vielen Kleinanlegerinnen und -anlegern kaum bekannte eines der erfolgreichsten Papiere an der Nasdaq. In den vergangenen 12 Monaten legte Ross Stores knapp 50 Prozent zu – der Konzern ist einer der Gewinner der Lebenshaltungskostenkrise in den USA und zieht immer mehr Kundinnen und Kunden auch aus einkommensstarken Haushalten an.
Doch das zuletzt hohe Absicherungsbedürfnis von Anlegerinnen und Anleger hat interessante Blüten getrieben, denn mit einem KGVe 2026 von 31,6 ist die Aktie inzwischen (deutlich) höher bewerte als einige der Magnificent-Seven-Werte. Der Aufschlag gegenüber dem 5-Jahres-Mittel beträgt inzwischen rund ein Drittel. Damit droht trotz des technisch starken Trends eine Bewertungskorrektur.
Die Erwartungen an Ross Stores sind durchaus hoch. Prognostiziert ist ein Umsatzwachstum von 5,91 auf 6,44 Milliarden US-Dollar (+9,0 Prozent). Das wäre das zweithöchste Wachstum in zwei Jahren, übertroffen nur vom Vorquartal. Der Gewinn pro Aktie soll von 1,65 auf 1,90 US-Dollar und damit überproportional um 15,2 Prozent sein.
Zwischen Bullen und Bären herrscht nahezu ein Kräftegleichgewicht. Deinem Put-Anteil von 47,7 Prozent steht eine Put-Quote von 52,3 Prozent gegenüber. Eingepreist ist eine Kursbewegung von bis zu 6,1 Prozent. Nach zwei Quartalen mit kaum Bewegung legte Ross Stores nach dem im Herbst vorgelegten Geschäftsbericht um 8,8 Prozent zu.
Mittwoch, 04. März: Broadcom
Trotz eines erneut enorm starken Quartalsergebnisses verpassten es die Zahlen von KI-Überflieger Nvidia den Anteilen der Hersteller von KI-Beschleunigern neues Leben einzuhauchen. Damit wird das Eis langsam dünn, denn nur Ausrüster und Speicherchiphersteller halten den Philadelphia Semiconductor Index noch oben, während Papiere wie Broadcom nun seit Monaten brachliegen und die Charts der Aktien zu kippen drohen.
Dabei ist auch von Broadcom, das sich auf die Herstellung von Halbleitern nach Kundenwunsch (ASIC-Chips) spezialisiert hat, dank der hohen Nachfrage von Datenzentren ein gutes Abschneiden erwartet. Nach 14,92 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal sollen nun Erlöse in Höhe von 19,11 Milliarden US-Dollar erzielt worden sein (+28,1 Prozent). Beim bereinigten Gewinn pro Aktie wird mit einer Steigerung von 26,3 Prozent auf 2,02 US-Dollar gerechnet.
Worauf Anlegerinnen und Anleger genau achten werden, ist zum einen die Margenentwicklung. Bereits im vergangenen Herbst reagierte die Aktie empfindlich, nachdem das Management bei der Margenprognose geizte und einen Peak befürchten ließ. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass die Ertragsspanne bereits ihren Höhepunkt erreicht hat, könnte das selbst bei übertroffenen Erwartungen zu Gegenwind führen. Außerdem dürfte beobachtet werden, wie sich das Geschäft von VMware entwickelt, denn auch dessen Geschäftsentwicklung könnte als Anbieter von Software- und Clouddienstleistungen für Rechenzentreninfrastruktur durch KI gefährdet sein.
Wie schon bei Nvidia wird auch bei Broadcom mehrheitlich auf eine nach den Zahlen steigende Aktie gewettet. Der Call-Anteil liegt bei 58,6 Prozent. Gefragt waren zuletzt vor allem Optionen "aus dem Geld" – das bedeutet, dass die Verkäuferinnen und Verkäufer ein Interesse daran haben, dass diese Kontrakte auch aus dem Geld bleiben, womit eine ähnliche Enttäuschung wie bei Nvidia droht. Die implizierte Kursreaktion liegt bei ±9,1 Prozent.
Donnerstag, 05. März: Costco
Wie die Anteile von Ross Stores profitierte auch die Aktie von Einzelhandelsriese Costco in den vergangenen Wochen von der Flucht aus KI- und Softwaretiteln in vermeintlich sichere Werte. Das Unternehmen ist hinter Walmart die Nummer 2 im stationären Einzelhandel der USA und gewinnt mit seinen Eigenmarkenprodukten der Marke Kirkland weitere Marktanteile dazu. Auch Costco gehört zu den Profiteuren der Lebenshaltungskostenkrise in den vereinigten Staaten.
Im vergangenen Jahr hatte das Papier überwiegend mit Verlusten zu kämpfen, doch die steile Rallye seit dem Jahreswechsel mit einem Plus von mehr als 17 Prozent hat die Costco-Aktie wieder bis auf weniger als 6 Prozent an ihre Allzeithochs herangeführt. Das gilt allerdings auch für die Unternehmensbewertung, die bei einem KGVe 2026 von fast 50 liegt.
Das ist sogar noch höher als das Gewinnvielfache von Walmart (44,0) und wird zunehmend schwieriger zu rechtfertigen, denn selbst das liegt noch um 15,1 Prozent über dem ohnehin nicht sparsamen 5-Jahres-Mittel von 43,1. Gegenüber anderen Werten aus der defensiven Konsumgüterbranche ist die Aktie je nach Kennziffer um 120 bis 350 Prozent überbewertet. Das bringt Costco beim Börseninformationsportal SeekingAlpha für seine Bewertung die Schulnote 6 ein.
Schwer zu quantifizieren ist die hohe Management-Qualität und die Konsistenz des Unternehmens, wenn es darum geht, auch in einem schwierigen makroökonomischen Umfeld erfolgreich zu agieren. Genau das dürfte Costco jedoch erneut gelungen sein. Erwartet wird ein Anstieg der Erlöse auf 69,29 Milliarden US-Dollar (+8,7 Prozent) und ein bereinigter Gewinn pro Aktie von 4,55 US-Dollar gegenüber einem Vorjahreswert von 4,02 US-Dollar (+13,2 Prozent).
Angesichts der zuletzt starken Rallye sowie der fortgeschrittenen Unternehmensbewertung sichert sich eine Mehrheit der Optionshändlerinnen und -händler gegen fallende Kurse ab. Einem Call-Anteil von 41,5 Prozent steht eine Mehrheit von 58,5 Prozent an Put-Optionen gegenüber. Eingepreist ist eine Kursreaktion um bis zu 3,8 Prozent.
Donnerstag, 05. März: Marvell
Der Chiphersteller Marvell ist in derselben Nische wie Broadcom tätig und stellt ASIC-Halbleiter her. Das Unternehmen hat sich frühzeitig auf Datenzentren spezialisiert und partizipiert jetzt am KI-Boom, wie die deutlich zweistelligen Wachstumsraten im vergangenen Jahr demonstriert haben. Die Aktie war jedoch deutlich schwankungsfreudiger als die vieler Mitbewerber – auch weil das Unternehmen mit Profitabilitätsproblemen zu kämpfen hatte. Die Performance fällt daher mit einem Plus von "nur" 65 Prozent in den vergangenen 5 Jahren unterdurchschnittlich aus.
Gegenüber ihren Allzeithochs im Januar letzten Jahres hat die Aktie rund 1 Drittel an Wert verloren. Dadurch ist sie aus eine Bewertungsperspektive allerdings verhältnismäßig günstig – sofern man das bei einem KGVe von 27,3 für 2026 behaupten kann. Was fundamental für die Aktie spricht, ist das mit 0,73 günstige Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis. Gelingt es Marvell am kommenden Donnerstag daher, einen für das kommende Geschäftsjahr starken Ausblick zu liefern, könnte ein Teil der großen Performancelücke geschlossen werden.
Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wird mit einem Umsatzwachstum von 21,4 Prozent auf 2,21 Milliarden US-Dollar gerechnet. Das wäre zwar das beste Quartal der Unternehmensgeschichte, würde gegenüber den Wachstumsraten der Vorquartale einen Rückschritt bedeuten. Mit deutlichen Verbesserung ist dagegen bei der Profitabilität zu rechnen. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll bei 0,79 US-Dollar und damit um 31,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals liegen.
Wie bei Broadcom erhoffen sich Anlegerinnen und Anleger auch von Marvell einen steigenden Aktienkurs, wie der Call-Anteil von 60,6 Prozent verdeutlicht. Auch hier wurden zuletzt viele Optionen aus dem Geld gehandelt, das gilt fairerweise aber auch für die Put-Seite, sodass hier ein Rennen mit offenem Ausgang besteht. Erwartet wird eine Kursreaktion bis zu 11,1 Prozent.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| Progressive | Mo., 02.03. | Vorbörse | 4,64 $ | 23,53 Mrd. $ | ± 2,9 % | 125,3 Mrd. $ |
| MongoDB | Mo., 02.03. | Nachbörse | 1,47 $ | 669,4 Mio. $ | ± 16,4 % | 26,7 Mrd. $ |
| AST SpaceMobile | Mo., 02.03. | Nachbörse | -0,20 $ | 41,6 Mio. $ | ± 16,0 % | 22,5 Mrd. $ |
| Norw. Cruise Line | Mo., 02.03. | Vorbörse | 0,27 $ | 2,34 Mrd. $ | ± 10,0 % | 11,3 Mrd. $ |
| Riot Platforms | Mo., 02.03. | Nachbörse | -0,39 $ | 158,1 Mio. $ | ± 11,1 % | 6,1 Mrd. $ |
| Archer Aviation | Mo., 02.03. | Nachbörse | -0,17 $ | 0,0 Mio. $ | ± 12,5 % | 5,2 Mrd. $ |
| Plug Power | Mo., 02.03. | Nachbörse | -0,11 $ | 217,4 Mio. $ | ± 13,8 % | 2,5 Mrd. $ |
| BigBear.Ai | Mo., 02.03. | Nachbörse | -0,06 $ | 33,3 Mio. $ | ± 15,0 % | 1,8 Mrd. $ |
| Sea Ltd. | Di., 03.03. | Vorbörse | 0,84 $ | 6,42 Mrd. $ | ± 12,4 % | 64,2 Mrd. $ |
| Autozone | Di., 03.03. | Vorbörse | 27,44 $ | 4,31 Mrd. $ | ± 7,7 % | 62,2 Mrd. $ |
| Target | Di., 03.03. | Vorbörse | 2,16 $ | 30,49 Mrd. $ | ± 9,6 % | 51,5 Mrd. $ |
| SQM | Di., 03.03. | Nachbörse | 0,80 $ | 1,25 Mrd. $ | ± 11,4 % | 21,8 Mrd. $ |
| On Hldg. | Di., 03.03. | Vorbörse | 0,27 $ | 935,9 Mio. $ | ± 11,6 % | 15,2 Mrd. $ |
| Best Buy | Di., 03.03. | Vorbörse | 2,47 $ | 13,92 Mrd. $ | ± 9,7 % | 13,0 Mrd. $ |
| GitLab | Di., 03.03. | Nachbörse | 0,23 $ | 252,3 Mio. $ | ± 14,5 % | 4,5 Mrd. $ |
| Veeva Systems | Mi., 04.03. | Nachbörse | 1,94 $ | 811,0 Mio. $ | ± 12,0 % | 29,9 Mrd. $ |
| Brown-Forman | Mi., 04.03. | Vorbörse | 0,47 $ | 1,00 Mrd. $ | ± 8,2 % | 13,4 Mrd. $ |
| Okta | Mi., 04.03. | Nachbörse | 0,85 $ | 749,5 Mio. $ | ± 11,5 % | 12,8 Mrd. $ |
| Rigetti | Mi., 04.03. | Nachbörse | -0,03 $ | 2,3 Mio. $ | ± 13,3 % | 5,7 Mrd. $ |
| Bath & Body Works | Mi., 04.03. | Vorbörse | 1,76 $ | 2,60 Mrd. $ | ± 11,9 % | 4,7 Mrd. $ |
| Abercrombie | Mi., 04.03. | Vorbörse | 3,58 $ | 1,67 Mrd. $ | ± 13,6 % | 4,5 Mrd. $ |
| Wix.com | Mi., 04.03. | Vorbörse | 1,47 $ | 527,7 Mio. $ | ± 18,3 % | 3,9 Mrd. $ |
| Webull | Mi., 04.03. | Nachbörse | 0,05 $ | 161,4 Mio. $ | ± 10,9 % | 2,9 Mrd. $ |
| Petrobras | Do., 05.03. | Nachbörse | 0,57 $ | 23,38 Mrd. $ | ± 4,8 % | 107,2 Mrd. $ |
| Canadian Resources | Do., 05.03. | Vorbörse | 0,52 $ | 6,91 Mrd. $ | ± 4,4 % | 91,2 Mrd. $ |
| Ciena | Do., 05.03. | Vorbörse | 1,16 $ | 1,40 Mrd. $ | ± 15,2 % | 49,1 Mrd. $ |
| Kroger Company | Do., 05.03. | Vorbörse | 1,20 $ | 35,08 Mrd. $ | ± 5,8 % | 43,2 Mrd. $ |
| JD.com | Do., 05.03. | Vorbörse | 0,10 $ | 51,08 Mrd. $ | ± 6,0 % | 38,5 Mrd. $ |
| Burlington Stores | Do., 05.03. | Vorbörse | 4,74 $ | 3,59 Mrd. $ | ± 9,9 % | 19,3 Mrd. $ |
| Samsara | Do., 05.03. | Nachbörse | 0,13 $ | 422,3 Mio. $ | ± 15,0 % | 16,7 Mrd. $ |
| Victoria's Secret | Do., 05.03. | Vorbörse | 2,51 $ | 2,23 Mrd. $ | ± 16,1 % | 15,0 Mrd. $ |
| Algonquin Power | Fr., 06.03. | Vorbörse | 0,05 $ | 606,8 Mio. $ | ± 4,3 % | 5,4 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
** Immobilieninvestitionsfonds (REIT), daher Funds from Operations (FFO) statt EPS
Stand: Sonntag, 01. März, 12:30 Uhr (MEZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

