Flucht ins Kriegsportfolio
Rheinmetall & Co werden zum Safe Haven für Panik-Anleger
Die Angriffe im Nahen Osten haben Europas Börsen gespalten. Defense-Werte wie Rheinmetall, Renk und Hensoldt schießen nach oben, während zivile Player wie Safran und Rolls-Royce verlieren.
- Rüstung steigt, Luftfahrtwerte fallen stark...
- Fokus auf bewährte Systeme; US-Budget hilft...
- Globaler Rüstungsboom; Vorsicht vor Stimmung..
- Report: Tech-Aktien schwanken – 3 Versorger mit Rückenwind
Der neue Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die Börsen am Montag in Bewegung gesetzt – und einen Sektor sofort in den Fokus gerückt: die Rüstungsindustrie. Während Europas Leitindizes unter Druck standen, suchten Anleger gezielt Schutz in Verteidigungswerten. Rheinmetall, Renk und Hensoldt stiegen im vorbörslichen Handel um 5 bis 9 Prozent, TKMS um 2,6 Prozent. Der Grund ist klar: Jede Eskalation erhöht die Nachfrage nach Raketenabwehrsystemen, Drohnenabwehr und militärischer Ausrüstung.
Während der Sektor insgesamt anzog, rutschten Safran und Rolls-Royce ab. Beide gelten als abhängig vom zivilen Luftfahrtgeschäft, das in geopolitischen Krisen typischerweise unter Druck gerät. Genau diese Belastung zeigte sich am Montag erneut, als Anleger klar zwischen Verteidigungs- und Luftfahrtwerten unterschieden.
Citigroup-Analyst Charles Armitage erwartet, dass Investoren nun besonders auf Systeme blicken, die sich im realen Einsatz bewährt haben. Dazu zählt IRIS-T SLM von Diehl und Hensoldt, das in der Ukraine im Einsatz ist, sowie Rheinmetalls Flugabwehrsystem Skyranger. Armitage rechnet zudem damit, dass die USA ihr Verteidigungsbudget erhöhen – ein direkter Vorteil für Hersteller, die viel Geschäft in den Vereinigten Staaten machen.
Ein Beispiel ist BAE Systems: Der britische Konzern erwirtschaftet die Hälfte seiner Umsätze in den USA und stieg am Morgen um mehr als 7 Prozent. BAE liefert unter anderem Bauteile für das THAAD-Raketenabwehrsystem der US-Armee. Laut Berichten wurden allein in früheren Angriffen bis zu ein Viertel der vorhandenen THAAD-Raketen genutzt, um Angriffe auf Israel abzufangen. Durch die neue Eskalation dürfte der Verbrauch noch deutlich höher liegen – was neue Bestellungen wahrscheinlich macht.
Auch JPMorgan sieht klare Gewinner: BAE Systems, Renk, Leonardo und Qinetiq – alles Firmen mit starkem US-Geschäft, das jetzt Rückenwind bekommt. In den USA legten außerdem Lockheed Martin und Northrop Grumman zu. AeroVironment stieg letzte Woche um 8,5 Prozent, nachdem sein neues Laser-Drohnenabwehrsystem erstmals an einem US-Flughafen eingesetzt wurde. Kleinere US-Unternehmen wie Intuitive Machines, Redwire, Red Cat und Karman bleiben sehr volatil, profitieren aber ebenfalls von wachsenden Rüstungsaufträgen.
Der Trend ist global sichtbar: In Japan sprang Hosoya Pyro-Engineering um bis zu 20 Prozent nach oben. In China legte die Avic Shenyang Aircraft Company – Hersteller des Stealth-Kampfjets J-35 – um bis zu 5,4 Prozent zu. Der Drohnenproduzent AVIC Chengdu UAS Co. gewann zeitweise sogar rund 20 Prozent. In Taiwan stieg die Aerospace Industrial Development Corp. um etwa 5,8 Prozent.
Jens-Peter Rieck, Analyst bei MWB Research, betont, dass europäische Rüstungsaktien in diesem Umfeld "weitgehend positiv" bewertet werden dürften. Gleichzeitig erinnert er daran, dass kurzfristige Kursbewegungen eher von der Marktstimmung als von neuen Gewinnaussichten getrieben werden.
Politisch könnte der Konflikt die Aufrüstung zusätzlich beschleunigen. Präsident Donald Trump fordert seit Monaten höhere Verteidigungsausgaben der NATO-Partner und schlägt für die USA selbst eine Erhöhung um 500 Milliarden US-Dollar vor. Jefferies-Analystin Sheila Kahyaoglu erwartet, dass nun auch Länder im Nahen Osten ihre Budgets deutlich aufstocken werden – und dass US- und Europakonzerne den Großteil dieser Aufträge erhalten könnten.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

