Iran-Krieg
LNG-Preise explodieren: Droht jetzt eine Energiekrise in Europa?
Die LNG-Preise schießen durch die Decke. Wegen des Iran-Kriegs hat Katar die Flüssiggas-Produktion gestoppt. Droht jetzt auch eine Energiekrise in Europa?
- Katar stoppt RasLaffan-LNG nach Drohnenangriff
- Europas Gasvorräte niedrig; Winterrisiko steigt
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Katar, der weltweit größte Exporteur von Flüssiggas (LNG), musste die Produktion in seiner Ras-Laffan-Anlage – der größten LNG-Exportanlage der Welt – gestern einstellen. Grund hierfür war ein Angriff iranischer Drohnen, durch den die Anlage unvorhergesehen lahmgelegt wurde. Diese drastische Maßnahme trifft den globalen Gasmarkt schwer und sorgt für massive Preissteigerungen. Allein in Europa schossen die Gaspreise um bis zu 54 Prozent in die Höhe.
Warum ist Katar so wichtig für den LNG-Markt?
Katar deckt rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an verflüssigtem Erdgas (LNG) und ist somit ein entscheidender Faktor für die globale Energieversorgung. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist Europa zudem zunehmend auf LNG-Lieferungen aus Katar angewiesen.
Doch damit nicht genug: Die geopolitische Lage spitzt sich weiter zu. Auch die Durchfahrt durch die strategisch wichtige Straße von Hormus, ein zentraler Knotenpunkt für den globalen Ölmarkt, wird immer unsicherer, da Tanker die Meerenge meiden.
Die Auswirkungen auf Europa: Steht eine Energiekrise bevor?
Während asiatische Länder traditionell die Hauptabnehmer von LNG aus dem Nahen Osten sind, könnte die aktuelle Unsicherheit zu einer verstärkten Konkurrenz um alternative Gaslieferungen führen. In Europa, wo die Gasvorräte ohnehin niedrig sind, wächst der Druck. Schon jetzt müssen Länder wie Deutschland große Mengen LNG importieren, um ihre Vorräte für den kommenden Winter aufzufüllen.
Könnte ein langer Krieg im Iran zu einem weiteren Preisschub führen?
Analysten gehen davon aus, dass die Preise weiter steigen könnten – vor allem, wenn die Krise länger andauert. Laut Goldman Sachs könnte ein längerer Produktionsstopp Katars oder eine Blockade des Hormus-Gebiets sogar zu einer Verdopplung der Gaspreise in Europa führen. Selbst wenn die USA ihre LNG-Produktion ankurbeln, ist fraglich, ob die zusätzlich geförderte Menge schnell genug bereitgestellt werden kann, um den Ausfall aus Katar auszugleichen.
Die EU könnte sich also in einer neuen Energiekrise wiederfinden, zumal auch andere Regionen wie Israel und Ägypten von den gestörten Lieferketten betroffen sind. Zudem könnte der Konflikt weitere Unsicherheiten schaffen und die Gasnachfrage in Ländern wie der Türkei anheizen, die traditionell Gas aus dem Iran beziehen.
Fazit:
Der Iran-Krieg hat bereits jetzt tiefgreifende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft – und vor allem auf den Energiemarkt. Sollte die Lage weiter eskalieren, könnten die LNG-Preise noch weiter in die Höhe schießen. Für Europa bedeutet dies, dass sich die Energiekrise des letzten Jahres noch verstärken könnte. Ein Winter mit hohen Gaspreisen und Energieengpässen wird immer wahrscheinlicher.
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Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion


