KI bedroht Millionen Jobs
Palantir-Chef Alex Karp warnt vor Tech-Verstaatlichung – Musk stimmt zu
Der Palantir-Chef warnt, dass KI massenhaft Angestelltenjobs verdrängen könnte – und dadurch staatliche Eingriffe drohen. Elon Musk unterstützt die Warnung, ein Ökonom widerspricht.
Die rasante Verbreitung von Künstlicher Intelligenz verschärft die Debatte über ihre Folgen für den Arbeitsmarkt – und bringt Tech-Manager, Ökonomen und Investoren zunehmend gegeneinander in Stellung. Besonders deutlich wurde das zuletzt durch Aussagen von Palantir-CEO Alex Karp, die auch von Tesla-Chef Elon Musk unterstützt wurden.
Karp warnte auf einem von der Risikokapitalfirma Andreessen Horowitz organisierten Gipfel davor, dass massive KI-bedingte Stellenstreichungen eine politische Gegenreaktion auslösen könnten. Wenn Technologieunternehmen Arbeitsplätze im großen Stil ersetzen und gleichzeitig Konflikte mit dem US-Militär provozieren, drohe staatlicher Druck auf die Branche. "Wenn Silicon Valley glaubt, dass wir allen ihre Angestelltenjobs wegnehmen werden ... und sie das Militär vor den Kopf stoßen, und sie nicht glauben, dass das zur Verstaatlichung unserer Technologie führen wird, dann sind sie zurückgeblieben", sagte Karp. Musk reagierte auf der Plattform X zustimmend und kommentierte Karps Warnung mit den Worten "Guter Punkt".
Der Hintergrund der Debatte ist eine zunehmende Automatisierung in vielen Branchen. Unternehmen investieren verstärkt in KI-Systeme und reduzieren gleichzeitig Personal. So kündigte etwa Block-CEO Jack Dorsey zuletzt an, rund 40 Prozent der Belegschaft abzubauen, da KI-Tools kleinere Teams ermöglichten. Auch Konzerne wie Amazon, HP oder Meta haben ihre Ausgaben stärker in Richtung Automatisierung verlagert.
Ökonomen sehen die Entwicklung bislang jedoch deutlich nüchterner. Zwar könnten einzelne Branchen stärker betroffen sein, doch eine breite Entlassungswelle ist bisher nicht sichtbar. Eine Analyse von Goldman Sachs schätzt, dass Automatisierung in besonders betroffenen US-Sektoren das Beschäftigungswachstum um etwa 5.000 bis 10.000 Arbeitsplätze pro Monat reduzieren könnte.
Der Wharton-Ökonom Jeremy Siegel hält die verbreiteten Ängste vor einer KI-bedingten Jobapokalypse deshalb für überzogen. Seiner Ansicht nach zeigen zwei Jahrhunderte Wirtschaftsgeschichte, dass technologische Produktivitätsschübe langfristig eher Wachstum und neue Nachfrage schaffen als Arbeitslosigkeit. "Wenn KI die Produktivität verdoppeln würde – um es vereinfacht darzustellen –, könnte das heutige BIP in der Hälfte der Zeit erzeugt werden. Die Arbeitnehmer würden sich nicht dafür entscheiden, nur noch halb so viel zu arbeiten, sondern wahrscheinlich etwas weniger arbeiten und deutlich mehr verdienen", sagte Siegel.
Zwar würden einige Tätigkeiten verschwinden, andere neue Berufe würden jedoch entstehen. "Die Reallöhne folgen im Laufe der Zeit der Produktivität, und höhere Einkommen generieren neue Ausgabenkategorien – bessere Dienstleistungen, bessere Waren, mehr Freizeit, mehr Gesundheitsversorgung, mehr Reisen. Der makroökonomische Absorptionsmechanismus ist mächtig."
Damit stehen sich zwei Perspektiven gegenüber: Während Tech-Manager wie Karp vor politischen Folgen massiver Jobverluste warnen, sehen viele Ökonomen KI vor allem als Beschleuniger von Produktivität und Wachstum. Für Anleger wird entscheidend sein, welche dieser Dynamiken sich langfristig stärker durchsetzt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

